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Salzburgs Militärkommandant Anton Waldner im Sonntags-Talk: "Multinationalität ist eine absolute Bereicherung"

Brigadier Anton Waldner ist seit August Militärkommandant von Salzburg. Bundesheer
Brigadier Anton Waldner ist seit August Militärkommandant von Salzburg.

Brigadier Anton Waldner ist seit August Salzburgs neuer Militärkommandant. Im Sonntags-Talk gibt der gebürtige Osttiroler Einblick in seine aktuelle Arbeit, erzählt von seinen Erfahrungen aus vergangenen Auslandseinsätzen und wie es um die Cyber-Abwehr in Österreich steht.

Anton Waldner begann seine Laufbahn beim Bundesheer Anfang der 1980er-Jahre. Nach Abschluss der Theresianischen Militärakademie war er mehrere Jahre als Ausbildungsoffizier und Kompaniekommandant tätig und absolvierte von 1991 bis 1994 die Generalstabsausbildung an der Landesverteidigungsakademie. Auslandserfahrung sammelte Waldner unter anderem bei Einsätzen im Kosovo und in Bosnien.

SALZBURG24: Herr Waldner, Sie sind nun seit August Militärkommandant im Bundesland Salzburg. Welche Aufgaben hat ein Militärkommandant?

ANTIN WALDNER: Der Militärkommandant hat eine starke Funktion, er ist der höchste Repräsentant des Bundesheeres im Bundesland. Er ist zudem der Kommandant des Katastropheneinsatzes und des sicherheitspolizeiliche Assistenzeinsatzes. Diese kommen immer wieder vor, so etwa 2015, als das Bundesheer die Exekutive bei der Bewältigung der Migrationskrise unterstützte.

Abseits dessen hat das Militärkommando viele Aufgaben, die vor allem dem Service der Truppe dienen. Wir betreiben alle Verpflegungs- und Bekleidungseinrichtungen, die Kasernen an sich und deren Bewachung.

Zuvor hatte die Position des Salzburger Militärkommandanten Brigadier Heinz Hufler inne. Wo setzen Sie nun an und was wollen Sie in den nächsten Jahren für Salzburg umsetzen?

Brigadier Heinz Hufler hat in Salzburg seine Spuren hinterlassen und vor allem die Kaserneninfrastruktur modernisiert. Wir werden nun weitere Infrastruktur adaptieren, die uns unabhängiger macht. Gemeint sind damit etwa Notstromaggregate, die es ermöglichen, einen Energie-Blackout unbeschadet zu überstehen.

Meine Hauptsorge aber sind die vielen Pensionsabgänge, die in den nächsten Jahren anstehen. In einem Militärkommando gibt es aufgrund der hohen Spezialisierung der Einzelnen nur wenige junge Soldaten. Bei dem hohen Durchschnittsalter sehe ich gravierende Herausforderungen, die in Zukunft auf uns zukommen. 

Sie sind jemand, der im Zuge seiner Laufbahn viel Auslandserfahrung sammeln konnte. Sie waren Stv.-Kommandant der KFOR-Mission im Kosovo (2014) und bis März dieses Jahres noch Kommandant der EUFOR in Bosnien. Wie ist es, eine multinationale Truppe im Ausland zu führen?

Es ist eine Herausforderung. Der österreichische Offizier ist im Rahmen seiner Ausbildung aber grundsätzlich hervorragend auf diese Aufgabe vorbereitet. Die Arbeit mit den Armeen anderer Nationen – bei KFOR waren es 21 – habe ich immer wie in einer großen Familie empfunden.

Österreich spielt bei KFOR immerhin die zweite Geige, und das in einer NATO-Mission. Wir haben uns diesen Ruf dort hart erarbeitet, weil wir ein großer Truppensteller sind. Zudem ist der Österreicher von seiner Grundmentalität her am Balkan wesentlich besser verankert als Soldaten anderer Armeen. Er krempelt die Ärmel hoch, packt an und will, dass etwas weitergeht. Ich werde in jeder dieser Missionen zum glühenden Fan des österreichischen Beitrages.

Multinationalität ist ein unglaubliches Erlebnis und sie funktioniert. Wenn man dieses Gefühl der Multinationalität erst einmal aufgesaugt hat, dann will man das auch selbst unbedingt. Es ist eine absolute Bereicherung der beruflichen Laufbahn.

Welche Erfahrungen nehmen Sie persönlich aus ihren Auslandseinsätzen mit?

Wenn man tatsächlich für Sicherheit verantwortlich ist und weiß, wie diese Nationen sich von Kriegssituationen in den Frieden bewegen, dann verspürt man zunächst einmal eine riesen Dankbarkeit. Was wir hier in Österreich nicht mehr schätzen, den sozialen Frieden, den Frieden mit den Nachbarländern, darauf aufbauend ein Wohlstand, das ist dort bei weitem nicht der Fall.

Während des Einsatzes nimmt man Anteil am öffentlichen Leben, ist mitten im Geschehen und viel in der Natur. Ich führe in diesen Einsätzen immer Tagebuch. Wenn man dieses eine Jahr des Auslandseinsatzes abgeschlossen hat, kann man auf eine Fülle an persönlichen Begegnungen und Herausforderungen zurückblicken.

Österreich nimmt am Balkan seit Langem eine führende Rolle ein, die Kosovo-Mission beispielsweise läuft seit 1999. Wie ist die aktuelle Lage, zeichnet sich hier ein Ende ab?

Das Grundproblem am Balkan ist, dass die europäische Politik das Interesse an dieser Region verloren hat. Nach dem Massaker von Srebrenica ist die politische Weiterentwicklung am Balkan aus der Aufmerksamkeit verschwunden. Ich sehe für den Kosovo gewissermaßen ein Licht am Horizont. Sowohl der Kosovo als auch Serbien wollen in die EU, die werden sich wohl irgendwie engagieren.

Wo ich wesentlich weniger optimistisch bin, ist Bosnien. In Bosnien gibt es den Dayton-Vertrag der die Aufgabe hat, die kriegsführenden Parteien zu trennen. Hier hat der Westen es aber verabsäumt, ein "Dayton 2" daraus zu machen, mit einer besseren Verfassung, die diese Trennung einfach nicht mehr vorsieht.

Der Kosovo-Einsatz ist eine NATO-Mission, der EUFOR-Einsatz in Bosnien eine EU-Mission. Wie ist Ihre Einschätzung bezüglich einer europäischen Armee?

Europa hat nach Ende des Kalten Krieges völlig unkontrolliert abgerüstet. Wenn man Geld sparen und tatsächlich Kapazitäten aufbauen will, kann man das nur machen, in dem nicht jeder Staat die gleiche Armee hat. Man muss die Kompetenzen aufteilen. Die Tschechen beispielsweise sind relativ gut was die ABC-Abwehr angeht, in einer europäischen Armee könnten sie diesen Part übernehmen. Dass jeder im Bereich der NATO auch noch eigene Luftstreitkräfte haben muss, ist für mich nicht einsichtig – wir in Österreich hingegen müssen den eigenen Luftraum schützen können, weil wir neutral sind.

Der Gedanke, eine europäische Armee aufzubauen, ist bestechend. Aus meiner Sicht bringt sie mehr Substanz bei geringeren Kosten. Eine europäische Armee ist grundsätzlich umsetzbar, die zuvor genannten Missionen zeigen dies.

Gleichzeitig glaube ich aber auch, dass dieses Projekt noch in weiter Ferne ist.

Ein weiterer ihrer Aufgabenbereiche ist die "Cyber-Abwehr". Wo liegen hier die Herausforderungen?

Diesen Bereich hatte ich noch vor meiner Funktion als Militärkommandant über, nun nicht mehr. Grundsätzlich kann man sagen, dass Heeresintern diese Hacker-Aktionen stattfinden. Beim Bundesheer gibt es deshalb ein physisch getrenntes Netz – eine Art Intranet – in das man von außen eigentlich nicht hineinkommt. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir hier in Zukunft noch größere Überraschungen erleben werden. Es gibt in diesem Bereich einen großen rechtsfreien Raum. Man kann irgendwo auf der Welt 100 Spezialisten zusammenholen, sie bestens bezahlen und dann beauftragen, Wahlkämpfe oder die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Meine größte Sorge sind aber Angriffe auf die Energieversorgung.

Herr Brigadier, Sie sind ja aber nicht nur Generalstabsoffizier, sondern auch Privatperson. Als gebürtiger Osttiroler haben sie den Großteil ihres Lebens in Salzburg verbracht. Was gefällt ihnen besonders am Bundesland?

Ich sage immer, meine Wahlheimat ist tatsächlich das schönste Bundesland Österreichs. Ich habe den Vergleich, da ich in allen neun Bundesländern Dienst versehen habe. Salzburg macht für mich einfach der Mix aus: Man hat das Seengebiet, die Kultur und die Berge. Dazu eine zentrale Lage und hohe Lebensqualität. Ich miete gemeinsam mit Offizierskammeraden eine Alm in Maria Alm auf der Rückseite der Schwalbenwand. Dort ist es herrlich zum Abschalten.

Mir ist es wichtig, auf die Ausgewogenheit im Leben achten. Jeder Mensch hat mehrere Rollen inne, man darf nicht nur eine bedienen. Der Beruf ist wichtig, aber eben auch nur eine Rolle. Zur selben Zeit ist man Vater, Ehemann, Sohn und Freizeitmensch. In meiner Zunft besteht die Gefahr, dass man sich zu sehr über den Beruf definiert. Ich habe daher Zeit meines Lebens für ein Gleichgewicht gesorgt, denn nur so ist das Leben reich.

Gibt es private und berufliche Ziele, die Sie in den nächsten Jahren noch umsetzen wollen?

Mit den Einsätzen im Kosovo und in Bosnien habe ich die schönsten und zugleich höchsten Funktionen, die das Bundesheer zu vergeben hat, ausgeübt. Das Ausland ist für mich somit abgeschlossen. Auch die Aufgabe des Militärkommandanten nun ist eine schöne und zugleich fordernde.

Meine Freizeit werde ich nun dort verbringen, wo ich es bis dato auch gemacht habe – in der Natur, in den Bergen.

 

Herr Waldner, vielen Dank für das Interview.

Sehr gerne, vielen Dank auch.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 10:47 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburgs-militaerkommandant-anton-waldner-im-sonntags-talk-multinationalitaet-ist-eine-absolute-bereicherung-60439018

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