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Doppelte Belastung

Salzburgs Tierheime platzen aus allen Nähten

Kaum Vermittlungen wegen Teuerung und Urlaubssaison

Salzburgs Tierheime sind aktuell bis zum letzten Platz gefüllt. Hund, Katze und Co zu vermitteln sei schwierig, wie drei Betreiber:innen gegenüber SALZBURG24 schildern. Neben der Urlaubszeit bekommen sie auch die Teuerung massiv zu spüren.

Hallein, Seekirchen am Wallersee, Wagrain

Dass im Sommer aufgrund von Urlaubsreisen weniger Hunde, Katzen und Co aus Salzburgs Tierheimen vermittelt werden können oder vermehrt Tiere abgegeben werden, weil sie nicht mitdürfen, ist nichts Neues. Heuer kommt allerdings ein weiterer Faktor dazu, der die Situation noch einmal verschärft: Die Teuerung.

Salzburgs Tierheime haben Schwierigkeiten bei Vermittlung

„Wir platzen aus allen Nähten. Mir kommt vor, dass derzeit immer mehr Menschen über die Kosten nachdenken und es auch deshalb schwieriger ist, Tiere zu vermitteln“, erklärt Ursula Lochmann, Leiterin vom Halleiner Tierheim (Tennengau) im SALZBURG24-Interview.

 

Kein Platz mehr in Seekirchen

Ein ähnliches Bild zeichnet Anita Baumgartner, Mitarbeiterin im Tierheim Theo in Seekirchen am Wallersee (Flachgau) gegenüber S24: „Innerhalb von zwei Wochen sind wir so voll geworden, dass es eigentlich keinen Platz mehr gibt. Wir haben in kurzer Zeit zum Beispiel über 30 Katzen aufgenommen.“ Hauptsächlich seien im Seekirchner Tierheim Fundtiere untergebracht. Woher diese aber genau stammen und ob sie etwa nicht doch von ihren Besitzer:innen abgegeben wurden, weil die Kosten zu hoch geworden sind, lässt sich schwer überprüfen.

Kosten für Haustiere gestiegen

Gestiegen sind vor allem die Futterpreise. Zur Einordnung: Katzenfutter war im Mai 2022 um zehn Prozent teurer als im Vorjahr, Katzenstreu um 7,4 Prozent und Hundefutter zwischen 6,4 und knapp 14 Prozent. Das zeigen aktuelle Zahlen der Statistik Austria.

Tankpreise haben Folgen

Aber auch die hohen Tankkosten haben Folgen. Felix Arlhofer von der Tierhilfe Felicita in Wagrain (Pongau) und Lend (Pinzgau) berichtet im S24-Gespräch am Mittwoch von ganz konkreten Erfahrungen: „Es ist jetzt schon ein paar Mal passiert, dass uns Interessenten fragen, ob wir die Tiere nicht zu ihnen bringen können, weil die Spritpreise so hoch sind.“ Außerdem würden einige Tierbesitzer:innen lieber zu einem nähergelegenen, dafür aber möglicherweise „schlechteren Tierarzt" fahren, um sich den Weg in weiter entfernte Kliniken zu sparen. „So etwas ist für uns bei der Vermittlung natürlich eher ein Ausschlusskriterium", betont Arlhofer.

Weniger Spenden wegen Teuerung

Zurückgehen würden derzeit auch die Geld- und Sachspenden, schildert der Tierhilfe-Gründer. „Es melden sich Leute bei uns, die sich sogar entschuldigen und erklären, dass sie nicht einmal mehr fünf Euro übrig haben. Und manche Spender kaufen jetzt nicht mehr extra Futter ein, sondern bringen eher die Überbleibsel.“

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Etwa 60 Kaninchen werden bei der Tierhilfe Felicita betreut.

Rund 70 Katzen und 60 Kaninchen sind bei der Tierhilfe Felicita untergebracht. Im Tierheim Hallein habe man ebenfalls mit einer regelrechten Katzen- bzw. Kätzchenflut zu kämpfen (SALZBURG24 hat berichtet). „Die Katzenmütter und ihre Kitten muss ich ja dann zehn Wochen behalten“, klärt Leiterin Lochmann auf. Auch bei der Aufnahme von Hunden stehe man vor einer Gratwanderung: „Ich könnte jeden Tag zehn Hunde nehmen. Ich habe aber insgesamt nur 14 Boxen.“ Die Wahl, welche Tiere aufgenommen werden können und welche nicht, sei extrem schwer: „Wo ist die Grenze?", fragt sich Lochmann.

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Die Tierheime in Salzburg sind derzeit regelrecht überflutet mit Kitten. 

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Dazu macht die Teuerung dem Tierheim selbst zu schaffen: „Vor der ersten Stromrechnung fürchte ich mich schon. Ich habe schon darüber nachgedacht, unser Kühlhaus aufzugeben. Die Klimaanlage wird nur noch im äußersten Notfall eingeschaltet“, sagt Lochmann nachdenklich. Und auch hier mache sich ein Rückgang an Sachspenden bereits bemerkbar, vor allem beim Katzenfutter.

Urlaubszeit und Teuerung sorgen also für enorme Herausforderungen in Salzburgs Tierheimen. „Es greift alles ineinander und ergibt eine blöde Situation“, bringt es Felix Arlhofer auf den Punkt. Wie es künftig weitergeht, bleibt abzuwarten.

(Quelle: SALZBURG24)

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