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"Schneeberghölle": S24-User nur knapp dem Tod entkommen

Michael Bübl dokumentierte den Aufstieg im Februar 2011 auf den Schneeberg mit der Kamera. Michael Bübl
Michael Bübl dokumentierte den Aufstieg im Februar 2011 auf den Schneeberg mit der Kamera.

Nur knapp dem Tod entkommen ist Bergsteiger Michael Bübl beim Aufstieg auf den 2076 Meter hohen Schneeberg, dem höchsten Berg Niederösterreichs. Für Salzburg24.at fasste Bübl die Zeit in der „Schneeberghölle“ zusammen.

Als erfahrener langjähriger Alpinist und Bergsteiger habe ich mich auch diesen Tag im Februar 2011 gewissenhaft mit dem Wetter und meiner Ausrüstung beschäftigt. Ein kalter Tag, aber sonnenreich und keinerlei Hinweis auf Sturm oder Schnee. Der Aufstieg bis auf 1500 Meter war ein Vergnügen.

Rast bei besetzen Hütte. Bei einer Höhe von rund 1600/1700 Metern hat der Gipfel leicht zugezogen - kein Grund zur Besorgnis. Bei 1800 plötzlicher Temperatursturz und ein Eis-Schneesturm bewegte sich vom Gipfel auf uns zu. Von Minus 5-8 Grad auf Minus 18-20 in fünf Minuten. Der Nebel fror binnen weniger Minuten an unseren Körper und wir hatten praktisch einen zentimeter-dicken Eispanzer an.

Bergrettung oder Hilfe zu rufen war gänzlich unmöglich, kein Empfang, der Handyakku bricht zusammen, und ein Sturm von etwa 80 km/h. Wir kämpften etwa drei bis vier Stunden bis zum Gipfel. Immer wieder brachen wir zusammen und fanden uns schließlich mit dem Gedanken ab, bald vor unserem Schöpfer zu stehen.

Immer wieder neue Motivation und aufrappeln. Schmerz verdrängen. Gegenseitiges Anbrüllen zur Motivation. Nach langem kräfteraubenden Kampf erreichten wir endlich den Gipfel. Hier wollten wir weitere Kleidung überziehen, der unvorstellbare eiskalte Orkan machte dies aber zur absoluten Unmöglichkeit.

Der Schneeberg ist ein kahler Berg ohne irgendwelchen Schutz. Nicht mal Schneestange waren zu sehen. Wir hantelten uns Meter für Meter mit viel Glück bis zum Schutzhaus vor. Teilweise auf allen vieren, teilweise im Sitzen. Das Gesicht geschwollen und zerschunden. Die Hände wie Eiskeulen und gefühlslos.

Es war bereits stockdunkel, wir waren fast tot und es wütete dieser infernalisch laute Sturm. Eine Verständigung mit dem Kameraden war nur durch Brüllen möglich, und das war fast nicht mehr möglich vor Schwäche. Totale Erschöpfung und vor Schmerz gepeinigt, den Tod vor Augen erreichten wir mit Gottes Gnaden dennoch die Hütte - für 500 Meter brauchten wir einige Stunden. Wir fielen nur mehr in die Hütte. Es schüttelte unseren ganzen Körper stundenlang. Wir konnten kein Wort sprechen, der Schüttelfrost hatte uns im Bann. Nur langsam begannen wir aufzutauen. Stunde um Stunde, die Hände waren glasig bis weiß. Ich hatte panische Angst, dass mir die Hände abfrieren könnten. Gott sei Dank erlitt nur ein Finger ein dauerhaftes Kältetrauma.

In der Hütte schoben wir zwei Tisch zusammen, legten eine Matratze drauf und deckten uns mit Filzdecken zu. Wir warteten, ob wir nun sterben, oder nochmal die Kurve kratzen. Es gelang und wir überlebten die Unterkühlung. Im Morgengrauen waren wir endlich soweit bei Sinnen den kostenpflichtigen Heizlüfter an der Wand zu bedienen. Mit klammen Fingen schoben wir eine Münze in den Ofen und es kam tatsächlich warme Luft. Weitere Stunden später hatte ich endlich wieder etwas Gefühl in den Händen. (Leider hatten wir fast keine Münzen mit, wer nimmt Münzen auf eine Bergtour?) Am nächsten Tag folgte der mühevolle Abstieg, wir sahen fürchterlich aus. Der Berg hat uns frei gegeben - wenn er unseren Tod gewollt hätte, wären wir gestorben. Respekt vor dem Berg! Und sei er noch so klein.

Michael Bübl, Wien

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