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Was das Coronavirus für Schwangere bedeutet

Geburtenstationen in Salzburg bleiben geöffnet

Schwangerschaft, Schwanger, Babybauch, SB APA/dpa
Das Coronavirus bereitet werdenden Eltern zusätzliche Sorgen. (SYMBOLBILD)

Rund 5.600 Babys kommen jedes Jahr im Bundesland Salzburg zur Welt, das sind etwa 107 Neugeborene pro Woche. Viele werdende Eltern sind derzeit verunsichert, inwieweit sich die Corona-Krise auf die Geburt ihres Kindes auswirkt. Wir wollen euch hier einen Überblick über die aktuelle Lage in Salzburg verschaffen.

Eine Schwangerschaft und die bevorstehende Geburt eines Kindes ist eine aufregende Zeit voller Vorfreude, aber auch Ungewissheit und Ängsten. Die aktuelle Corona-Krise bereitet vielen Müttern und Vätern in spe darüber hinaus Sorgen.

Schwangere und Babys nicht in Coronavirus-Risikogruppe

Eine beruhigende Nachricht gleich zu Beginn: Schwangere zählen nicht zur Coronavirus-Risikogruppe. Bis dato gebe es bei Schwangeren auch keine Hinweise darauf, dass Covid-19 auf das Kind im Mutterleib übertragbar ist, heißt es auf der Homepage des Gesundheitsministeriums. Wenn keine anderen medizinischen Gründe vorliegen, sei daher eine normale Geburt möglich. Auch das Stillen sei prinzipiell unproblematisch, weil bisher keine Hinweise bestünden, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werde. In jedem Fall müsse das Kind aber vor der Infektion durch die Mutter geschützt werden.

Baby, Neugeborenes Wildbild
Für Neugeborene besteht kein erhöhtes Coronavirus-Risiko. (SYMBOLBILD)

Ohne Vorerkrankungen kein schwerer Verlauf erwartbar

Das bestätigt auch Thorsten Fischer, Leiter der Gynäkologie am Landeskrankenhaus Salzburg (SALK) und an der Landesklinik in Hallein (Tennengau). "Das Ansteckungsrisiko für Schwangere ist genauso groß wie für alle anderen jungen Frauen. Ohne Vorerkrankungen ist außerdem kein schwerer Verlauf zu erwarten", sagt der Mediziner.

Bei Neugeborenen bestehe ebenfalls kein erhöhtes Risiko. "Was wir in den weltweiten Daten sehen, können sich Neugeborene zwar mit dem Coronavirus anstecken. Ein schwerer Verlauf ist aber wirklich nur bei Personen mit Vorerkrankungen oder im höheren Alter zu erwarten", führt Fischer aus.

Geburtenstationen in Salzburg geöffnet

Auch für den Fall einer kurz bevorstehenden Entbindung gibt der Leiter der Gynäkologie Entwarnung. Die Geburtenstationen im Bundesland Salzburg seien uneingeschränkt geöffnet. "Dabei handelt es sich um systemrelevante Abteilungen", erklärt er, eine Schließung sei nicht denkbar. Auch im Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach (Pongau), wo am gestrigen Dienstag eine Hebamme und eine Pflegekraft in der Gynäkologie und Geburtshilfe positiv auf das Virus getestet wurden (wir haben berichtet), versichert man einen "vollumfänglichen Betrieb". Die betroffenen Mitarbeiter befänden sich in häuslicher Quarantäne. Der Zutritt zu den Spitalsgebäuden ist allerdings – wie auch in Salzburg – eingeschränkt. Es herrscht ein Besuchsverbot, mit Ausnahme von Palliativpatienten und Kleinkindern.

Kein Besuch nach der Geburt

Das bedeutet: Auf der Geburtenstation dürfen frischgebackene Mütter und ihre Neugeborenen nun nicht mehr besucht werden, stellt Fischer klar. Besuche von präpartal aufgenommenen Schwangeren sind ebenfalls weiterhin generell untersagt, um die Gefahr einer Einschleppung bzw. Übertragung von Covid-19 zu minimieren. Das teilte das Gesundheitsministerium am Mittwochnachmittag mit.

Es soll nun nach Geburten eine möglichst frühe Entlassung aus dem Krankenhaus forciert werden, sofern dies medizinisch vertretbar ist, etwa im Rahmen einer ambulanten Geburt. Dabei sollen verstärkt Kooperationen mit niedergelassenen Hebammen zur Wochenbett-Betreuung zu Hause gesucht werden. "Das Abholen der Entbundenen kann durch den Vater bzw. eine Begleitperson erfolgen. Dabei soll jedoch das Betreten der Wochenbettstation tunlichst vermieden werden", heißt es in der Handlungsempfehlung des Ministeriums.

Entwarnung für alle werdenden Mütter! Auch in der Corona-Zeit ist im Salzburger Uniklinikum gesund entbinden möglich! Professor Thorsten Fischer informiert in unserem Kurzvideo. #uniklinikumsalzburg #salzburgerlandeskliniken #salk #krankenhaus #corona #covid19 #virus #coronavirus #covoid #health #gesundheit #salzburg #igerssalzburg #salzburgerland #gemeinschaft #zusammenhalt #solidarität #staytogethersalzburg

Gepostet von Uniklinikum Salzburg - SALK am Dienstag, 17. März 2020

Wer darf bei der Geburt dabei sein?

Bei der Geburt selbst ist eine Begleitperson erlaubt. "Der werdende Vater oder eine andere Vertrauensperson darf als Begleitung im Kreißsaal dabei sein", erklärt Gynäkologie-Vorstand Fischer. "Bei der Geburt haben wir uns aus ärztlicher und menschlicher Sicht dazu entschieden, dass eine Begleitung ermöglicht werden muss. Das hat vor allem auf das psychische Befinden der Frau große Auswirkungen", ist er überzeugt. Vor Ort wird die Begleitung mit entsprechender Schutzkleidung ausgestattet. Nach der Geburt und der Versorgung des Neugeborenen, also spätestens bei Verlegung der Mutter ins Wochenbett, muss der Kindsvater bzw. die Begleitperson das Krankenhaus sofort wieder verlassen.

Baby, Neugeborenes, Sb BILDERBOX
Bei der Geburt darf der Vater oder eine andere Vertrauensperson dabei sein. (SYMBOLBILD)

Besondere Schutzmaßnahmen

Um die Gefahr einer möglichen Ansteckung im Spital zu verhindern, "tragen alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kontakt mit den Patientinnen Schutzausrüstung", wird uns aus Schwarzach bestätigt. Für den Fall einer erkrankten Schwangeren sind die Krankenhäuser in Salzburg ebenfalls vorbereitet. Diese könnte in einem separierten Bereich entbinden und dort behandelt werden, ergänzt Fischer.

"aktion leben": Beratung für Schwangere in Krisenzeiten

Für die Sorgen von werdenden Eltern hat der Verein "aktion leben" ein offenes Ohr. "Frauen sind oder werden auch in Krisenzeiten schwanger. Es rufen uns derzeit sehr viele schwangere Frauen an mit Fragen zur Geburt, zu den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen, aber auch wegen persönlicher Sorgen oder finanzieller Engpässe. Unser Betrieb ist daher aufrecht und voll einsatzfähig", betont Generalsekretärin Martina Kronthaler vom österreichweiten Verband. Der Verein bietet unter anderem Beratung am Telefon oder per E-Mail an. Die Zweigstelle in Salzburg ist von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 13 Uhr unter 0662 627984 oder per Mail unter office@aktionleben-salzburg.at erreichbar.

Schwangerschaft und Arbeit in der Corona-Krise

Um arbeitsrechtliche Belange für Schwangere kümmert sich unter anderem die Arbeiterkammer (AK). Wir haben für euch die wichtigsten Fragen geklärt:

Was bedeutet die Corona-Krise für schwangere Arbeitnehmerinnen?

In Bereichen, in denen Arbeitnehmerinnen unmittelbar Menschen betreuen und Schutzmasken tragen müssen, dürfen Schwangere nicht arbeiten, stellt die AK in einer Aussendung klar. Denn das Tragen von Atemschutzmasken erschwere die Atmung und sei daher für Schwangere verboten. Aus anderen Bereichen, in denen erhöhter Kundenkontakt herrscht (Supermärkte oder Apotheken), sollten Schwangere möglichst abgezogen und im Betrieb anderweitig eingesetzt werden. Wenn das aus organisatorischen Gründen nicht möglich ist, müssen unbedingt folgende Hygienemaßnahmen eingehalten werden:

  • Regelmäßiges Händewaschen
  • Den Mindestabstand von ein bis zwei Metern einhalten
  • Eigenes Gesicht nicht berühren

Der Arbeitgeber muss außerdem gewährleisten, dass der Mindestabstand von ein bis zwei Metern im Arbeitsalltag auch eingehalten werden kann. Eine Schwangerschaft bedeutet aber nicht, vom Arbeitsplatz fernbleiben zu können. Im Zweifel sollten sich Schwangere an den Betriebsarzt, den Hausarzt, den Betriebsrat oder das zuständige Arbeitsinspektorat wenden.

Welche Rechte haben Schwangere, wenn sie wegen Corona gekündigt werden?

Schwangere Arbeitnehmerinnen haben einen Kündigungs- und Entlassungsschutz. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber eine Kündigung oder Entlassung nur dann aussprechen kann, wenn das Arbeits- und Sozialgericht (ASG) vorher zugestimmt hat. Sonst ist diese "rechtsunwirksam".

Das ASG stimmt einer Kündigung während des ersten Karenzjahres allerdings nur zu, wenn der Betrieb bzw. einzelne Abteilungen auf Dauer stillgelegt oder eingeschränkt werden, weil der Arbeitgeber sich eine Weiterbeschäftigung keinesfalls leisten kann. Im Falle einer ungültigen Kündigung hat man das Recht auf Weiterbeschäftigung. Wichtig ist, den Arbeitgeber darauf hinzuweisen, dass die Kündigung ungültig ist und man sich arbeitsbereit erklärt. Sollte der Arbeitgeber eine einvernehmliche Lösung anbieten, sollte man nichts unterschreiben, sondern bei der AK oder der Gewerkschaft nachfragen.

Wie wird das Wochengeld berechnet, wenn werdende Mütter vor dem Beschäftigungsverbot in Kurzarbeit waren?

Aufgrund der Kurzarbeit entstehen keine Nachteile beim Wochengeld. Eine im Rahmen der Kurzarbeit reduzierte Arbeitszeit wird nicht herangezogen, um das Wochengeld zu berechnen.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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