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Ständig vernetzt

Das Smartphone als bester Freund

Aber: Wunsch nach "Digital Detox"

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87 Prozent der Österreicher nennen das Smartphone als häufigste Freizeitbeschäftigung. (SYMBOLBILD)

Das Smartphone als liebster Begleiter in der Freizeit – für viele bereits Realität. Zehn Prozent der Jugendlichen bezeichnen ihr Smartphone sogar als Freund. Der Salzburger Kommunikationswissenschaftler Sascha Trültzsch-Wijnen findet diese Entwicklung nicht bedenklich. Im Gespräch mit SALZBURG24 erklärt er, warum.

Wie sich diese intensive Smartphone-Nutzung auswirkt, dafür gebe es für Österreich wenige Untersuchungen, erläutert Trültzsch-Wijnen. Zahlreiche Umfragen gebe es hingegen zum digitalen Verhalten von Jugendlichen.

Welche Bedeutung das Smartphone für die Jugend hat, wird anhand einer Umfrage von Marketagent.com und der Eventagentur DocLX deutlich. 73,7 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sehen ihr Smartphone als normalen Gebrauchsgegenstand. Ein Zehntel (9,4 Prozent) bezeichnet es als "Freund" und 7,6 Prozent betrachten es schon als eigenen Körperteil.

Handy als Freizeitaktivität

Die aktuellsten Zahlen des „Freizeitmonitor Österreich“ stammen aus dem Jahr 2018. Dafür wurden mehr als 1.000 Österreicherinnen und Österreicher ab 15 Jahren befragt. Das Handy konnte mit dem Fernseher als häufigste Freizeitaktivität gleichziehen (87 Prozent).

Fast verdoppelt hat sich seit 2005 die Zahl jener, die das Internet in der Freizeit nutzen. Und zwar von 26 auf 51 Prozent. Zeit mit Freunden und Familie nehmen dafür ab. Positiv heben die Autoren hervor, dass sich Wandern wieder größter Beliebtheit erfreut.

 

Trültzsch-Wijnen: "Da kommt eben alles zusammen"

Trültzsch-Wijnen zitiert eine weitere Studie. Die „Jugend, Informationen, Medien“ (JIM-Studie) erhob, dass Jugendliche etwa alle 30 Sekunden zum Smartphone greifen. Diese intensive Nutzung erklärt er folgendermaßen: „Das Besondere am Smartphone ist, dass alles drinnen ist. Massenmedien und die persönlichen Kommunikation sind ständig vernetzt.“ Ist diese intensive Nutzung bedenklich? „Ich finde nicht, weil alles zusammenkommt, was früher getrennt war.“

Andere Qualität der persönlichen Beziehung

Dass Jugendliche ihr Smartphone als Freund bezeichnen, überrascht den Wissenschaftler nicht: „Das kommt daher, weil sie so selbstverständlich damit hantieren.“ Am wichtigsten sei den jungen Leuten auch, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben – wofür sie das Smartphone auch hauptsächlich nutzen. Daher sei die digitale Kommunikation nicht per se „asozial“ – man habe zwar weniger enge Freunde, dafür ein größeres Netzwerk an loseren Kontakten.

„Der persönliche Kontakt geht zurück, intensive Beziehungen nehmen ab“, erläutert er. Das hat Einfluss auf die Qualität der sozialen Beziehungen, diese sei heute eine andere. Die Bedingungen, die man früher dafür hatte – intensiver persönlicher Kontakt, viele Treffen – seien so nicht mehr gültig. Trotzdem geben Jugendliche an, dass bei guten Freunden Face-to-Face-Kommunikation wichtig sei. „Fragt man sie aber, wann sie das zuletzt gemacht haben, merkt man, dass das selten gemacht wird.“

 

"Digital Detox" wird beliebter

Das Handy als dauerhafte Beschäftigungsquelle bringt auch negative Seiten mit sich, Stichwort Cybermobbing. Zur ständigen Erreichbarkeit haben die 14- bis 29-Jährigen eine kritische Einstellung entwickelt: 74,3 Prozent wünschen sich zumindest manchmal eine Auszeit vom digitalen Wegbegleiter. Dem steht ein Viertel (25,7 Prozent) der Befragten gegenüber, für das ein Handyverzicht unvorstellbar wäre.

Gegenbewegung zum Smartphone

Trültzsch-Wijn weiß, dass es in der Tat eine steigende Zahl von Handy-Verweigerern gibt. In Österreich seien es derzeit zehn Prozent der Bevölkerung „und das sind nicht nur Senioren, sondern Menschen, die das bewusst ablehnen.“ Gemeinsam mit Kollegen arbeitet er im Moment daran, diese Nichtnutzer in einer Studie zu erfassen. „Ich kann mir vorstellen, dass es eine Gegenbewegung gibt und die Nutzung in den nächsten Jahren wieder sinkt, anstatt weiter zu steigen.“

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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