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Schummelnde Studenten

So prüft die Uni Salzburg auf Plagiate

Vizerektor für Lehre erklärt Vorgehen

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Durch öffentlich gewordene Plagiatsfälle entsteht auch den Hochschulen und der Wissenschaft ein Image-Schaden. (SYMBOLBILD)

Mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten sorgte Ex-Familien- und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) am Wochenende für Aufregung. Dabei stellen sich viele die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Wir haben bei Martin Weichbold, Vizerektor für Lehre an der Universität Salzburg, nachgefragt, wie eine Plagiatsüberprüfung abläuft.

"Plagiate, falsche Zitate und mangelnde Deutschkenntnisse" fand "Plagiatsjäger" Stefan Weber in der Doktorarbeit der Ex-Ministerin. Über 20 Prozent der Arbeit sollen plagiiert sein. Wie also konnte eine solche Arbeit abgegeben werden?

Weichbold: Vor allem Betreuung wichtig

Wie Martin Weichbold gegenüber SALZBURG24 mitteilt, ist die Überprüfung von Arbeiten mittels Plagiatssoftware nur ein Schritt um sicherzustellen, dass korrekt und sauber gearbeitet wurde. Wichtig sei vor allem eine gute Betreuung der Studierenden. "Wenn der Betreuer oder die Betreuerin von Anfang an bei der Entstehung der Arbeit dabei ist, Inputs zu den Arbeitsschritten gibt und mitverfolgt, wie sie präsentiert wird, dann kann garantiert werden, dass die Arbeit tatsächlich von der entsprechenden Person verfasst wurde", so Weichbold. Diese Betreuung könne durch eine Plagiatsüberprüfung nicht ersetzt werden.

 

Uni Salzburg: Arbeiten mit Plagiatssoftware überprüft

Bei Abschlussarbeiten ist an der Uni Salzburg die Überprüfung mittels Plagiatssoftware verpflichtend. Aber auch Proseminar- oder Seminararbeiten werden automatisch überprüft, wenn sie über die Lernplattform hochgeladen und abgegeben werden. Grundsätzlich erhält der Betreuer die Information zum Ausgang der Überprüfung. Zum Einsatz kommt eine Software internationaler Anbieter, die sich mehrerer Datenbanken bedient.

Abgabe bei Verstößen nicht möglich

Wie oft es bei der Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten zu Verstößen kommt, konnte der Vizerektor für Lehre nicht sagen, da dies gar nicht offiziell werde. "Sollten Plagiate festgestellt werden, kann eine wissenschaftliche Arbeit gar nicht eingereicht oder angenommen werden", teilt Weichbold mit. Grundsätzlich lasse sich nicht in Plagiat oder kein Plagiat unterscheiden. So gebe es häufig einen Unschärfefaktor, der etwa durch unsauberes Zitieren zustande komme. Dass nachgebessert wird, sei also häufig der Fall.

Sensibilisierung seit Guttenberg

Die Überprüfung der Arbeiten werde kontinuierlich weiterentwickelt. Plagiatsaffären wie jene um den deutschen Ex-Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, der seine Arbeit 2007 eingereicht hat und im März 2011 als Minister zurücktrat, hätten zu einer Sensibilisierung bei diesem Thema geführt, teilt Weichbold mit. Die Wahrscheinlichkeit, dass heutzutage eine plagiierte Arbeit abgegeben wird, sei geringer als noch vor 15 Jahren.  

Image-Schaden für Hochschulen

Dennoch sorgen Plagiatsaffären immer wieder auch für einen Image-Schaden der Universitäten und Hochschulen. So entstehe in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass man sich akademische Titel einfach kaufen könne. Somit gerate die gesamte Wissenschaft in Verruf. Dass mutmaßliche Plagiatsfälle aufgeklärt werden, ist somit im Interesse der Hochschule. So haben etwa die FH Wiener Neustadt als auch die Universität Bratsilava eine Prüfung der Arbeiten von Ex-Ministerin Aschbacher angekündigt.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 08.05.2021 um 04:26 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/so-ueberprueft-die-uni-salzburg-plagiate-98196196

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