Jetzt Live
Startseite Salzburg
Sonntags-Talk

"Wichtige Dinge passieren nicht mit Pomp & Trara"

Präsidentin der Katholischen Aktion über die Weihnachtsbotschaft

Elisabeth Mayer SALZBURG24/Wurzer
Elisabeth Mayer zu Besuch in der SALZBURG24-Redation. 

Jedes Jahr, am 25. Dezember, feiern rund zwei Milliarden Christen weltweit Weihnachten – und damit die Geburt Jesus. Aber wer war Jesus wirklich und welche seiner damaligen Botschaften gelten heute noch? Über diese und weitere Fragen sprechen wir im heutigen Sonntags-Talk mit Elisabeth Mayer, Präsidentin der Katholischen Aktion Salzburg.

Geht man von den historischen Überlieferungen aus, wurde Jesus zwischen 7 und 4 v. Chr. in Nazareth geboren. Seine Geburt ist im Neuen Testament beschrieben und weltweit als Weihnachtsgeschichte bekannt. Jesus war ein jüdischer Wanderprediger und trat ab dem Jahr 28 öffentlich in Judäa und Galiläa auf. Wenige Jahre später wurde er auf Befehl des römischen Statthalters Pontius Pilatus gekreuzigt.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Jesus denken?

Weil bald Weihnachten ist, natürlich die Geburt des Jesuskindes. Nur Jesus bleibt nicht das liebe Baby in der Krippe. Er entwickelt sich zu einem Mann, der viel zu sagen hat und damit durchaus aneckt. Mittlerweile weiß man zum Beispiel, welch revolutionären Umgang Jesus mit Frauen gehabt hat. Das war für die damaligen Zeitgenossen ein Ärgernis erster Klasse.

Es werden auch immer wieder Stimmen laut, die sagen, Jesus hätte nie existiert.

Dazu muss ich sagen, ich bin keine Theologin, aber die historischen Zeugnisse sind für mich überzeugend.

Jesus wird als hellhäutiger Mann mit langen Haaren und Bart dargestellt. Wie realistisch ist das bzw. welches Bild von Jesus haben Sie im Kopf?

Natürlich ist mein Jesus-Bild von der Kunst geprägt – es gibt quer durch die Kunstgeschichte sehr eindrucksvolle Bildnisse, die sich im Laufe der Zeit auch stark verändert haben. Auch unser heutiges Jesus-Bild wird sich weiterentwickeln und kann in 50 oder 100 Jahren ganz anders sein. Und genau das ist das Spannende daran. Aber das Entscheidende ist, mein Glaube wäre nicht anders, wenn es ein Foto von Jesus gäbe. Und unsere Aufgabe ist es, die Botschaft Jesu, mit all ihren vielen Facetten für die heutige Zeit zu entdecken und zu vertreten. Und dabei können natürlich Themen wichtig werden, an die vor 20 oder 50 Jahren noch niemand gedacht hat.

Welche Botschaften würde Jesus denn in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung an die Menschen tragen?

Vor 50 Jahren hat zum Beispiel niemand über Klima nachgedacht – oder darüber, dass man die Schöpfung bewahren muss. Aber genau das ist eine christliche Aufgabe. Das ist keine Fleißaufgabe, sondern hängt ganz wesentlich mit dem Evangelium zusammen. Denn: Christen leben in dem Bewusstsein, dass die Schöpfung ein Geschenk Gottes ist. Und auf dieses Geschenk passe ich auf. Dass wir das Klima schützen, ist ein Ausdruck der Dankbarkeit für die Schöpfung und auch eine Verantwortung für kommende Generationen.

Ein weiteres aktuelles Beispiel ist die Bewahrung des arbeitsfreien Sonntags – und zwar nicht vorrangig, damit die Menschen in die Kirche gehen, sondern damit sie in dieser schnelllebigen Zeit einen Tag für sich haben, damit es ein gutes Leben für alle gibt.

Warum ist dieser eine Tag so wichtig?

Dieser Siebentage-Rhythmus ist ein seit Jahrtausenden bewährter Rhythmus. Man weiß, es tut den Menschen gut, wenn das Leben getaktet ist. Das heißt, es braucht einen Wechsel von Betriebsamkeit und Ruhe. Und zur Ruhe kommen ist ein menschliches Bedürfnis. Denn, wer nur mehr im Radl drinnen ist, verliert sich selbst.

Das heißt, der Tag sollte zur Innenschau genutzt werden?

Ja, dieses "Zur-Ruhe-Kommen" schafft den Raum, sich Gedanken zu machen – im wahrsten Sinne des Wortes – über Gott und die Welt. Genau das braucht der Mensch und es macht ihn verträglicher für die Gesellschaft.

Elisabeth Mayer SALZBURG24/Wurzer
Elisabeth Mayer spricht im Sonntags-Talk mit Nicole Schuchter über die Botschaften Jesus.

Lassen Sie uns nochmals zur Weihnachtsgeschichte zurückkommen, die dieser Tage bestimmt ganz oft vorgelesen wird. Was ist die tiefere Bedeutung dieser Geschichte? Und was kann und sollte sie uns wieder bewusst machen?

Vielleicht zeigt uns diese Geschichte, dass die wirklich wichtigen Dinge nicht mit Pomp und Trara passieren und dass sich die wirklich wichtigen Dinge nicht in der Seitenblicke-Gesellschaft abspielen. Sondern sie geschehen einfach. Bei ganz armen Menschen im letzten Winkel der Welt.

Das bedeutet also, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und das Ego zurückzuschrauben?

Ja, das ist die Überzeugung. In der Weihnachtsgeschichte wird Gott Mensch. Das passiert auch nicht mit Pauken und Trompeten, sondern ganz leise. Das Jesuskind ist abhängig und auf seine Eltern angewiesen. Und das macht uns bewusst, dass wir ab der ersten Sekunde unseres Seins auf andere Menschen angewiesen sind. Und daraus wiederum entwickelt sich eine gewisse Dankbarkeit.

Keiner von uns hat sich die Eltern oder das Land, in dem er geboren wurde, aussuchen können. Das ist uns allen zugefallen. Wenn wir dafür schon nichts können, dann können wir zumindest einfach dankbar sein. Und wenn sich dann aus dieser Dankbarkeit heraus eine Verpflichtung entwickelt, etwas von diesem Haupttreffer der Geburtslotterie abzugeben, wäre das sehr schön.

Fehlt den Menschen das dafür notwendige Mitgefühl?

„Herr, gib‘ uns Ohren, damit wir hören. Herr gib‘ uns Augen, damit wir sehen“ – das sind zwar abgedroschene Fürbitten, aber im eigentlichen Sinne geht es hier um Mitgefühl. Darum, dass wir wahrnehmen, was geschieht. Und auch darum, dass wir uns ins andere Menschen hineindenken und sie verstehen können. Das sind Eigenschaften, die gepflegt und weiterentwickelt werden müssen. Auch das ist ein christliches Gebot, das in der heutigen Zeit schnell vergessen wird – und deshalb vermutlich wichtiger ist, denn je.

Wir feiern in drei Tagen Weihnachten, was wünschen Sie sich?

Ich wünsche allen Menschen die Erfahrung, dass das Kind von Bethlehem unser Leben reicher macht!

Liebe Frau Mayer, in diesem Sinne sage ich danke für das Gespräch und wünsche Ihnen und Ihren Liebsten frohe Weihnachten.

Die Katholische Aktion Salzburg

Die Katholische Aktion Salzburg ist die offizielle Laienorganisation der Katholischen Kirche und gilt damit als Dach für viele Institutionen und Aktionen, wie beispielsweise die Katholische Jungschar mit den Sternsingern, 72 Stunden ohne Kompromiss der Katholischen Jugend, das ABZ in Itzling, die Katholische Frauen- und Männerbewegung, der Familienfasttag und die Aktion „Sei so frei“.

Eines des zentralen Wesensmerkmale der Katholischen Aktion ist das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt. Fast 80 hauptamtlich beschäftigte Menschen kommen auf tausende Ehrenamtliche, die in den jeweiligen Bereichen Kirche vertreten und ihre Botschaften in den Alltag übersetzen.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 11.04.2021 um 01:11 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/sonntags-talk-elisabeth-mayer-ueber-jesus-und-weihachten-80618569

Kommentare

Mehr zum Thema