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Zu Besuch bei Meister Lampe

Salzburger Kaninchenzüchter im Interview zum Ostersonntag

An keinem anderen Tag im Jahr steht der Hase derart im Fokus wie am Ostersonntag. SALZBURG24 hat das zum Anlass genommen und in einem letzten Termin vor der Corona-Krise den Salzburger Kaninchenzüchtern Christoph Hörl und Moritz (14) einen Besuch abgestattet. Sie erklären uns den Unterschied zwischen Kaninchen und Hase und worauf man bei der Zucht achten muss.

Es ist Anfang März, als uns Christoph Hörl in seinem Haus in Zell am Moos (Bez. Vöcklabruck) in Empfang nimmt. Hörl führt uns in seinen Hasenstall und zeigt uns seine Kaninchen, Deutsche Riesenschecken. Mit dabei ist auch Jungzüchter Moritz (14), der ebenfalls ein Tier aus seiner Zucht, einen Farbenzwerg, mitgebracht hat. Beide sind Mitglieder im Salzburger Rassekleintierzuchtverein und wurden für ihre Zucht bereits ausgezeichnet.

SALZBURG24: Was ist der Unterschied zwischen einem Hasen und einem Kaninchen? Und welche Tiere züchtet ihr beide?

CHRISTOPH HÖRL (CH): Wir züchten Kaninchen. Man spricht aber in der Umgangssprache, oft auch wir Züchter, von Hasen. Faktum ist: Der Hase ist im Gegensatz zum Kaninchen aber nicht domestiziert worden. Wir haben in Österreich den Schnee- und den Feldhasen, dazu das Wildkaninchen in Niederösterreich und im Burgenland.

Der große Unterschied zwischen Hase und Kaninchen ist dieser: Das Kaninchen lebt im Bau und gräbt Gänge, während der Hase sich in einer so genannten Sasse, das ist eine kleine Mulde, aufhält. Der Hase hat maximal drei Jungtiere, das Kaninchen kann bis zu 20 haben.

Wie seid ihr beide auf dieses Hobby gekommen?

MORITZ (M): Der Nachbar meiner Oma ist der Obmann des Rassekleintierzuchtvereins Salzburg. So bin ich schon als kleines Kind mit dem Thema in Kontakt gekommen. Ich habe auch immer schon Interesse an Kaninchen gehabt. Vor zwei Jahren bin ich dann zum Obmann gegangen und habe ihm gesagt, dass ich auch Kaninchen züchten möchte.

CH: Bei mir war es eigentlich ähnlich. Als ich aufgewachsen bin, war es noch so, dass sehr viele Einfamilienhäuser in meiner Nachbarschaft kleine Hasenställe im Garten hatten. Damals hat man die Tiere im Frühjahr bekommen und im Herbst geschlachtet. Einer unserer Nachbarn hat Deutsche Riesenschecke (Kaninchenrasse, Anm.) gezüchtet, die mir so ans Herz gewachsen sind. Ich züchte diese Rasse seit jeher auch selbst.

Welche Ziele verfolgt ihr mit eurer Zucht?

M: Es ist mein Hobby. Ich züchte Farbenzwerg-Kaninchen. Wenn unsere Tiere Junge bekommen, schauen wir, welche Rassemerkmale diese haben und züchten dann diese weiter. Ziel ist es, die besten Rassemerkmale zu bekommen und dann an Ausstellungen teilzunehmen.

Was sind Rassemerkmale?

CH: Zu den Rassemerkmalen zählen Gestalt, Fell und Farbe. Bei den Kaninchen gibt es eine so genannte Linienzucht, die auch bei Pferden oder Hunden angewendet wird, mittels derer man versucht, gewisse Rassemerkmale zu erhalten.

Ein Beispiel: Man kreuzt einen Rammler, der ein sehr schönes Fell hat, mit einer Häsin. Daraus entstehen Junge. Eines der Jungtiere kreuzt man dann erneut mit dem Rammler. Damit hat man bereits 75 Prozent der Gene des Rammlers in der Häsin. Durch diese Art der Linienzucht kann man bestimmte Rassemerkmale verstärken.

Es gibt daher auch keinen Kaninchenzüchter, der seine Tiere kreuz und quer züchtet, sondern das Kreuzen hat immer einen Hintergrund.

Das heißt, ihr beide betreibt auch eine Linienzucht und präsentiert eure Tiere bei Ausstellungen?

CH: Ja. Natürlich besitzt man als Züchter auch diesen menschlichen Ehrgeiz und möchte seine Tiere präsentieren. Aber auch wenn es keine Ausstellungen geben würde, wäre die Kaninchenzucht mein Hobby.

M: Ich sehe das genauso.

Wie ist es um die Züchter-Szene in Salzburg bestellt?

CH: Moritz und ich sind beide bei S1, das ist der älteste Kleintierzuchtverein Salzburgs, den es bereits über 100 Jahre gibt. Wir sind circa 60 bis 70 Personen. Es ist aber schwierig, junge Züchter zu finden. Daher ist das unserem Verein wichtig, junge Mitglieder zu fördern, ihnen zu helfen.

M: Genau, unser Obmann hat mir Tipps gegeben, worauf ich bei der Zucht aufpassen muss und auf welche Merkmale ich achten soll.

CH: Zusätzlich gibt es in den verschiedenen Gauen auch noch verschiedene Vereine, ich glaube, in Salzburg haben wir circa zehn. Jeder Verein hat ein Mal im Jahr seine Vereinsschau, der S1 hat seine immer zu Ostern in der Stockhalle Siezenheim (Diese findet aufgrund der Corona-Krise heuer nicht statt, Anm.). Dort gibt es auch einen Streichelzoo und ein Buffet. Man kann auch Tiere bei unserer Ausstellung kaufen.

 

Wie viel Zeit investiert ihr in euer Hobby?

M: Das hängt immer davon ab, wie viele Tiere man hat. Ich habe zurzeit acht Kaninchen und verbringe täglich circa 15 Minuten mit den Tieren.

Wie verhalte ich mich einem Kaninchen gegenüber richtig und wie merke ich, dass es sich wohlfühlt?

M: Meistens merkt man es, wenn ein Tier gleich herkommt und sich beim Streicheln ruhig verhält oder sich hinlegt. Laut schreien und das Tier gleich aus dem Käfig nehmen sollte man nicht machen.

CH: Keine schnellen Bewegungen vor dem Tier machen, alles, was irgendwie fremd ist, ist dem Kaninchen natürlich suspekt.

Ich war im Stall vorhin ganz erstaunt, dass die Tiere trotz offener Türen nicht die Flucht ergriffen haben.

CH: Das ist eine Eigenschaft der Kaninchen. Ein älterer Kaninchenzüchter hat mir einmal einen wertvollen Tipp gegeben: Nicht nur auf das Aussehen, sondern auch auf die Eigenschaften der Kaninchen achten!

Es gibt Tiere, die so aggressiv sind, dass man nicht in den Käfig greifen kann. Solche Tiere besitze ich nicht. Einer der Stammväter meiner Zucht ist zum Beispiel extrem gutmütig und ein richtiger „Schmuser“. Genauso wie ein optisches Merkmal weitervererbt wird, werden auch diese Eigenschaften weitergegeben.

Eignet sich ein Kaninchen auch als einfaches Haustier?

CH: Hier ist die Auswahl der Rasse entscheidend. Einem sechsjährigen Kind werde ich keinen 8,5 Kilo schweren Deutschen Riesenschecken kaufen. Das Tier würde da keine Freude haben und das Kind auch nicht, weil es das Kaninchen nicht einmal richtig hochheben können würde. Als Resultat wäre das Tier dann einfach nicht mehr interessant. Ein Farbenzwerg-Kaninchen wäre hier schon eine bessere Wahl. 

Was muss ich vor einem Kauf noch beachten?

CH: Kaninchen sind keine Einzeltiere. Kaufe ich zwei Tiere, brauchen sie aber auch einen entsprechend großen Auslauf, weil sie sehr wohl territorial sind. Ich habe schon oft genug komplett zerbissene Kaninchen gesehen, weil den Tieren ein Rückzugsort gefehlt hat. Wichtig ist auch, nicht zwei ausgewachsene gleichgeschlechtliche Kaninchen zu halten. 

Man sollte auch wissen, zu welchem Zweck man das Tier kauft und wer sich darum kümmern soll. Der Kauf eines Tieres sollte immer gut überlegt sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

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