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Para-Ski-Athlet Graser: Warum er gleich zwei Sportarten beherrschen muss

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Sebastian Graser kann bereits auf beachtliche Erfolge zurückblicken. 

Beim Para-Ski – eine Kombination aus Fallschirmzielspringen und Riesentorlauf – zeigt derzeit der Salzburg Sebastian Graser auf. Vier Mal in Serie holte der 22-Jährige den Gesamtweltcup-Titel, dazu kommen noch mehrere Militär-WM-Titel. Im Sonntags-Talk erzählt uns der Heeres-Athlet von seinem Weg in den Sport und wie er seinen ersten Fallschirmsprung erlebt hat.

Gleich zwei verschiedene Disziplinen muss Sebastian Graser beherrschen, um im Para-Ski erfolgreich zu sein. Dazu trainiert der Salzburger das ganze Jahr über, der Sommer wird vor allem für Fallschirmsprünge genutzt, im Winter steht Graser auf Skiern. Mittlerweile blickt der 22-Jährige auf fast 2.000 Fallschirmsprünge aus mindestens 1.000 Metern Höhe und unzählige Ski-Rennen zurück.

SALZBURG24: Sebastian, kannst du uns kurz erklären, wie Para-Ski funktioniert?

SEBASTIAN GRASER: Para-Ski ist eine Kombination aus alpinen Skifahren (Riesentorlauf) und Fallschirmzielspringen. Beim Riesentorlauf geht es um Zeit, beim Zielspringen um den Abstand zum Mittelpunkt in Zentimeter. Beide Disziplinen werden zusammen gewertet und am Ende steht dann ein Gesamtergebnis fest.

Wie hat sich diese Sportart entwickelt?

Der Sport kommt eigentlich aus der Rettungsflugwacht. Als es noch keine Hubschrauber gab, mussten Sanitäter zu verletzten Skifahrern per Fallschirm abgesetzt werden. Dazu warf man zuvor noch Skier und Ausrüstung aus dem Flugzeug, dann landeten die Mediziner möglichst in die Nähe des Gepäcks. Auf den Skiern ging es dann bergab zum Patienten.

Diese Kombination aus Fallschirmspringen und Skifahren hat sich dann zu einer eigenen Sportart entwickelt.

IMG_8737.JPG Sebastian Graser
Die Landematte befindet sich in einem Hang mit 25 Grad Neigung, was die Landung noch anspruchsvoller macht. 

Wie bist Du zu diesem Sport gekommen?

Ich komme im Prinzip aus dem Skisport. Mit zehn Jahren habe ich in der Skihauptschule in Schladming angefangen. Leider habe ich dann den Anschluss in den Kader nicht ganz geschafft, weshalb ich die Oberstufe nicht weiter gemacht habe. Dann habe ich von Para-Ski erfahren und mit 15 Jahren zur Fallschirmspringer-Ausbildung angemeldet. Mein Ziel war es, Para-Ski als Leistungssport zu betreiben.

Letztendlich habe ich dann mit 18 Jahren die Schule abgeschlossen, rückte drei Tage später zum Bundesheer ein und bin nun seit vier Jahren Leistungssportler im Heeressportzentrum in Rif.

Kannst du dich noch an deinen ersten Fallschirmsprung erinnern?

Auf jeden Fall, der war am 27. April 2012. Ich war noch in der Schule, gegen 13.30 Uhr holten mich dann meine Eltern ab und wir fuhren zum Sprungplatz. Ich bin ja normalerweise ein eher ruhiger Kerl, in der Situation aber habe ich geredet wie ein Wasserfall. Ich war damals 15 Jahre alt und bin zuvor noch nie in einem Flugzeug gesessen. Das war also auch mein erster Flug – und dann musste ich gleich rausspringen. Bis zur Ausstiegshöhe war die Nervosität schon wahnsinnig groß. Als dann aber die Türe aufging, war sie wie weggeblasen. Es war keine Nervosität mehr da, alles ist runtergefallen. Wenn du dann am Boden ankommst, stehst du einfach nur komplett neben dir.

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Nach der Landung muss ein Riesentorlauf gemeistert werden. 

Bist du der erfolgreichste Para-Ski-Sportler Österreichs?

Das würde ich so nicht von mir behaupten. Im Para-Ski habe ich vier Mal den Gesamtweltcup in Serie gewonnen, die Militär-Para-Ski-Events mitrechnet habe ich neun Militärweltmeistertitel. Damit bin ich soweit sehr zufrieden. Es ist ein unglaublich, welche Erfolge sich in der kurzen Zeit aufgetan haben. Das Jahr 2019 war bereits ein Wahnsinn für mich: Wir haben das erste Mal in der Mannschaft einen zivilen Bewerb gewinnen können, das ist zuletzt 1989 gelungen.

Was macht dir mehr Spaß - Riesentorlauf oder Zielspringen?

Das kann ich so gar nicht sagen, die Kombination aus beiden Disziplinen ist wie maßgeschneidert für mich. Ich fahre wirklich gerne Riesentorlauf-Rennen und habe mir überlegt, im nächsten Jahr das ein oder andere Race im FIS-Bereich mitzumachen.

Auf der anderen Seite ist das Zielspringen, das macht natürlich gerade im Sommer Spaß (im Sommer beschränkt sich der Sport rein auf die Disziplin des Fallschirmzielspringens, Anm.). Was mir besonders gefällt, ist die Leistungssteigerung, die man in beiden Sportarten direkt mitbekommt.

Gepostet von Sebastian Graser am Donnerstag, 28. Februar 2019

In welcher Disziplin musst du härter trainieren?

Schwierig zu sagen, grundsätzlich muss man in beide Disziplinen sehr viel Zeit investieren. Natürlich tue ich mir im Skifahren etwas leichter, weil ich da herkomme und früh eine entsprechende Ausbildung gemacht habe. Fallschirmspringen hingegen habe ich erst mit 15 angefangen. Von dem her habe ich beim Springen sicherlich mehr Verbesserungspotential als beim Skifahren.

Wie schwierig ist es, einen Fallschirm punktgenau zu landen?

Es ist im Sommer schon schwierig, einfach auf einer Ebene zu landen. Da braucht man alleine um die 500 Sprünge nur dafür, die Landematte überhaupt zu treffen. Da geht es noch nicht einmal darum, die Zielscheibe tatsächlich zu erreichen. Dennoch passiert es auch bei Wettbewerben immer wieder, dass Springern dies nicht gelingt.

Es gibt einfach so viele Faktoren, die die Schirmfahrt beeinflussen: Thermik, Wind, beim Paraski die Schräge der Matten – dass man ein Ziel in der Größe einer Zwei-Euro-Münze trifft, das muss wirklich alles passen. Ein bisschen Glück gehört eben auch immer dazu.

In Österreich ist das Interesse am Wintersport grundsätzlich groß, Para-Ski aber – obwohl sehr spektakulär – scheint kaum jemand zu kennen. Wie kommt das?

Das ist schwierig zu sagen. Wir stehen eben ein bisschen im Schatten des gängigen Wintersports. Viele Menschen glauben zudem, dass es sich bei Para-Ski um Behindertensport handelt. Andere wiederum können die Sportart nicht einordnen. Manche glauben wir sind BASE-Jumper mit Ski angeschnallt, andere wiederum glauben wir verwenden einen Paragleiter wie beim Speedflying.

Letztendlich bekommt der Fallschirmsport im Allgemeinen nicht so viel mediale Aufmerksamkeit. Es ist nun mal eine Randsportart.

Was steht bei dir dieses Jahr noch so an?

Jetzt ist die Wintersaison abgeschlossen, gleich geht die Sommersaison los. Jetzt habe ich zwei Wochen Pause, Mitte Mai bin ich dann in Argentinien, wo ein Worldcup-Event stattfindet. Im Juni geht dann die Weltcupserie mit insgesamt sechs Bewerben los, Highlight dabei ist wieder Thalgau im August. Im Oktober ist dann die Militärweltmeisterschaft in China, und damit ist die Saison dann eh auch schon wieder vorbei.

Dann drücken wir dir auf jeden Fall die Daumen. Vielen Dank für das nette Gespräch, Sebastian.

Sehr gerne, vielen Dank auch!

(Quelle: SALZBURG24)

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