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Kritik: "Schlag ins Gesicht"

Sonntagsöffnung sorgt in Salzburg für Diskussion

WKO-Präsident Mahrer prescht vor

SB: Frau Einkaufen Shopping Pixabay
Nach dem Lockdown soll das Weihnachtsgeschäft angekurbelt werden. (SYMBOLBILD)

Geht es nach Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (ÖVP), sollen die Geschäfte nach dem Lockdown auch am Sonntag aufsperren. Außerdem fordert Mahrer längere Öffnungszeiten. Die Arbeiterkammer Salzburg kritisiert den Vorschlag massiv und spricht von einer "Mogelpackung".

Laut Wirtschaftskammer werden rund 30 Prozent der Weihnachtseinkäufe bereits im November erledigt. Aufgrund des Lockdowns, der noch bis 6. Dezember gilt, ist das Shoppen momentan zumindest im stationären Handel nur sehr eingeschränkt möglich. So dürfen derzeit etwa nur Lebensmittelhändler, Apotheken und Drogerien aufsperren.

 

Mahrer prescht vor

Um einerseits den Umsatzverlust wieder auszugleichen, andererseits die Besucherströme besser aufzuteilen, fordert Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer heute in einem Interview mit Ö3 längere Öffnungszeiten. Außerdem sollen Geschäfte in der Zeit nach dem Lockdown auch sonntags aufsperren. 

Salzburger Wirtschaftskammer kritisch

Die Wirtschaftskammer Salzburg steht dem Vorschlag kritisch gegenüber. Johann Höflmaier, Geschäftsführer der Sparte Handel, bezweifelt, dass aufgrund einer Sonntagsöffnung eine Entzerrung der Besucher erreicht werden kann. „In letzter Zeit haben wir in Salzburg gesehen, dass bei starker Bewerbung, wie es bei speziellen Eröffnungsangeboten der Fall war, trotz der Corona-Krise ein Besucheransturm entsteht“, gibt Höflmaier zu bedenken.

Außerdem vertritt die Salzburger Wirtschaftskammer die Meinung, dass so der Standort-Wettbewerb noch mehr angeheizt wird. Und ob der Umsatz tatsächlich den finanziellen Mehraufwand, wie zum Beispiel 100-prozentige-Sonntagszuschläge, wieder ausgleicht, ist laut Höflmaier nicht gesichert.

„Schlag ins Gesicht“

Die Salzburger Handelsgewerkschaft GPA nennt Mahrers Vorschlag einen „Schlag ins Gesicht für Handelsangestellte“. In Salzburg wären 40.000 Handelsmitarbeiter von einer Sonntagsöffnung betroffen. „Eine Umfrage der GPA Salzburg hat gezeigt, dass Sonntags- und Feiertagsarbeit von 98 Prozent der Handelsangestellten abgelehnt wird“, betont Geschäftsführer Michael Huber.

ÖVP-Klubobfrau ebenfalls skeptisch

Ausgesprochen skeptisch sieht auch ÖVP-Klubobfrau Daniela Gutschi neuerliche Vorstöße in Richtung Sonntagsöffnung für den Handel: „Ich verstehe zwar, wenn man sich Überlegungen macht, wie Besucherströme nach dem Lockdown entzerrt werden könnten. Eine generelle Sonntagsöffnung im Handel halte ich aber für den falschen Weg.“

Nachteil für Frauen und kleinere Betriebe

Vor allem weibliche Handelsangestellte würden unter einem verkaufsoffenen Sonntag leiden, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ohnehin schon durch die Corona-Pandemie verschärft werde. Auch für Klein- und Mittelbetriebe würde durch die Sonntagsöffnung ein Nachteil entstehen. Gutschi erklärt, dass kleinere Geschäfte nicht dieselben Möglichkeiten hätten, wie etwa große Einkaufszentren. „Das gefährdet Arbeitsplätze dort, wo sie dringend gebraucht werden, in den Ortskernen", so Gutschi.

AK-Salzburg-Präsident: „Mogelpackung“

Massive Kritik an Mahrers Vorschlägen kommt auch von der Arbeiterkammer Salzburg. Präsident Peter Eder (SPÖ) erläutert im Gespräch mit S24: „Bei dieser Mogelpackung machen wir sicher nicht mit. Wenn der Handel nun auch am Sonntag aufsperrt, wird die Kaufkraft nicht steigen, sondern sich lediglich auf sieben anstatt auf sechs Tage verteilen.“

Kein Geld zum Einkaufen übrig

Grund dafür ist laut Eder, dass viele Menschen aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin ihren Job verloren hätten. „Die Kaufkraft sinkt, weil die Menschen kein Geld haben und nicht aufgrund der Öffnungszeiten“, betont Eder.

Arbeitnehmer leiden

„Die Arbeitnehmer haben bis jetzt die Krise mitgetragen und sind dadurch auch mitbelastet. Die Angestellten müssen den ganzen Tag Masken tragen, eine bezahlte Maskenpause lehnt die Wirtschaftskammer ja ab“, kritisiert Eder. Außerdem sollen die Handelsmitarbeiter wenigstens den Sonntag mit ihren Familien verbringen können, so Eder.

Klares „Nein“ von ÖGB

Der ÖGB bezeichnet Mahrers Idee als „absolutes No-Go“. Der Vorstoß sei inakzeptabel. „Auch wenn demnächst das erste Türchen am Adventkalender geöffnet wird, diesen Wünschen werden wir uns mit aller Macht entgegenstemmen“, stellt ÖGB-Landesgeschäftsführerin Gabi Proschofski entschieden fest. Auch Proschofski kritisiert, dass die bezahlte Maskenpause bisher noch nicht umgesetzt wurde.

140.000 Salzburger haben finanzielle Einbußen

Gleichzeitig weist Gabi Proschofski auf die schwierige wirtschaftliche Lage von Menschen in Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit hin: „Selbst wenn die Läden sonntags öffnen würden, so bezweifle ich, dass der entgangene Umsatz auffangbar wäre. Denn aktuell haben 140.000 Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer große finanzielle Einbußen und haben vermutlich andere, weitreichendere, teils sogar existentielle Sorgen!“

Absage von Erzdiözese

Die Erzdiözese Salzburg schließt sich der Kritik der Arbeiterkammer an. „Die Handelsangestellten haben uns so gut durch den ersten Lockdown gebracht und sind auch jetzt, im zweiten Lockdown, für uns da. Sie haben es sich nicht verdient, im Advent zusätzlich belastet zu werden“, argumentiert Elisabeth Mayer, Salzburger Sprecherin der Allianz für den freien Sonntag und Präsidentin der Katholischen Aktion.

Zustimmung aus Wals

Der Walser Bürgermeister Joachim Maislinger (ÖVP) hingegen befürwortet Mahrers Vorschlag grundsätzlich. In der Flachgauer Gemeinde liegt ein großes Einkaufszentrum, das Designer Outlet Salzburg. „Für manche Geschäfte wären die Maßnahmen wahrscheinlich überlebenswichtig“, vermutet Maislinger.

Familienfreundliche Umsetzung wichtig

Damit Familien nicht unter einer Sonntagsöffnung des Handels oder den verlängerten Öffnungszeiten leiden, hofft der Walser Bürgermeister auf Freiwilligkeit: „Ich bin dagegen, dass eine Mutter gezwungen wird, am Sonntag zu arbeiten. Ich bin aber zuversichtlich, dass es viele Kollegen gibt, die gerne solche Dienste übernehmen würden, weil viele Handelsmitarbeiter sowieso während des Lockdowns gar nicht zur Arbeit gehen konnten.“

Richard Lugner unterstützt Mahrer

Wirtschaftskammer-Chef Mahrer bekommt auch prominente Unterstützung. Richard Lugner, dem die Lugner City in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus gehört, spricht sich schon seit längerer Zeit für erweiterte Öffnungszeiten und einen offenen Sonntag aus. Auch bei den Kunden sei die Nachfrage da, versichert Lugner gegenüber der APA. Für diese sei der gemeinsame Familieneinkauf ein Event.

Sonntagsöffnung steigere Umsatz in Einkaufszentrum

Während der Fußball-Europameisterschaft 2008 hätte sich bereits gezeigt, als die Händler in seinem Einkaufszentrum an den Sonntagen mehr Umsatz gemacht hätten, als an jedem anderen Tag, und das bei deutlich kürzeren Öffnungszeiten. Händler sollen sich endlich gegen Amazon und Co. wehren können. Außerdem soll verhindert werden, dass die Kaufkraft vor allem sonntags ins Ausland abfließt, erklärt Lugner.

(Quelle: SALZBURG24)

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