Jetzt Live
Startseite Salzburg
Salzburg

Spar-Chef warnt vor geplanter Richtlinie zu unfairen Handelspraktiken

Gerhard Drexel spart nicht mit Kritik (Archivbild) Neumayr/SB
Gerhard Drexel spart nicht mit Kritik (Archivbild)

Spar-Chef Gerhard Drexel übt scharfe Kritik am Richtlinien-Vorhaben gegen unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittellieferkette, das kürzlich den Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments passierte. Demnach sollen Supermarktketten bei Eigenmarken von Produzenten nur mehr gesetzliche Mindeststandards verlangen dürfen und etwa keine höheren Tierschutzstandards.

Der Richtlinien-Vorschlag des EU-Agrarkommissars Phil Hogan sei "OK gewesen, die vier EU-Parlamentarier der CDU/CSU Albert Deß, Peter Jahr, Norbert Lins, Jens Giesek hätten aber Abänderungsanträge eingebracht, sagte Drexel am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. "Es ist eine unfassbare Geschichte." Händler könnten dann den Bauern und Produzenten ihrer Eigenmarken nichts mehr vorschreiben, was "über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgeht", etwa beim Pestizideinsatz. Drexel forderte die österreichische Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) auf, diesen Teil der Richtlinie zu verhindern.

"Es handelt sich um eine Forderung des Landwirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments. Ich habe ein klares Verhandlungsmandat der Mitgliedsstaaten bekommen und in diesem ist diese Forderung nicht enthalten", sagte die Landwirtschaftsministerin am Donnerstagnachmittag in einer schriftlichen Stellungnahme. "Für uns ist aber klar, dass es keinen Eingriff in bestehende Verträge geben darf."

Supermärkte können keine Initiativen mehr setzen

Auch Politiker und Umweltschutzorganisationen warnen vor den Auswirkungen des Änderungsantrags. "Von der Gentechnikfreiheit über Pestizidreduktionsprogramme bis hin zum Ende von Palmöl, solche Initiativen könnten Supermarktketten mit diesem Gesetz künftig nicht mehr setzen", sagte Sebastian Theissing-Matei, Sprecher bei Greenpeace in Österreich, in einer Aussendung. "Dem Handel nun aber verbieten zu wollen, ehrgeizige Umwelt- und Tierschutzstandards für Qualitätsmarken einzuführen, ist ein Rückschlag auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen und ökologischen Agrarwende", kritisierte der EU-Abgeordnete der Grünen Thomas Waitz.

Spar will unabhängiger von großen Konzernen sein

In den vergangenen zehn Jahren hat der Spar-Konzern den Ausbau der Eigenmarken (u.a. S-Budget, Premium, Veggie, wie früher) forciert. Der Spar-Chef verwies darauf, dass der Eigenmarkenanteil bei Spar bereits bei 45 Prozent oder 2,56 Milliarden Euro liegt. 2005 hätte man mit Eigenmarken nur 790 Millionen Euro (Umsatzanteil 24 Prozent) umgesetzt. Dies würde Spar unabhängiger von internationalen Markenartikelherstellern wie Nestle, Unilever, Henkel oder Procter & Gamble machen. Keiner dieser Konzerne hätte beispielsweise das Thema Bio gepusht.

Spar wartet bei Online-Handel noch ab

Auch der angenommene Änderungsantrag 360 der CDU/CSU-Abgeordneten sorgt für große Aufregung bei Supermarktketten, weil es ein Verbot für den Zusammenschluss von Einzel- und Großhandel zu Einkaufsgemeinschaften beinhaltet. Dies hätte massive Auswirkungen für Händler wie Spar, Edeka und Rewe, die mit tausenden selbstständigen Kaufleuten zusammenarbeiten. Diese Änderungsanträge haben "Stammtischniveau", kritisierte der Spar-Chef. Das Büro des CSU-Europaabgeordneten Deß versucht nun zu beruhigen. Gemeint seien nicht Edeka und Rewe, heißt es gegenüber der deutschen Zeitung "Welt". Vielmehr gehe es um Zusammenschlüsse auf supranationaler Ebene.

Beim Thema Online-Lebensmittel wartet Spar im Gegensatz zum Mitbewerber Billa noch etwas ab. Derzeit können 20.000 Artikel von Interspar in Wien und Umgebung sowie Salzburg und Umgebung nach Hause zugestellt werden. Die Belieferung in weiteren Städten ist laut dem Spar-Chef derzeit noch nicht in Planung.

(APA)

Aufgerufen am 12.12.2018 um 03:50 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/spar-chef-warnt-vor-geplanter-richtlinie-zu-unfairen-handelspraktiken-60378964

Kommentare

Mehr zum Thema