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Reaktionen zu Vorverlegung

Frühere Sperrstunde ein "blanker Irrsinn"

Opposition und Gastro wettern gegen Corona-Maßnahme

Die Sperrstunden-Vorverlegung im Bundesland Salzburg sorgt für heftige Reaktionen. Während der Bürgermeister der Landeshauptstadt, Harald Preuner, und Landeshauptmann Wilfried Haslauer (beide ÖVP) die Maßnahme verteidigen, kommt von Seiten der Gastronomie und der Opposition massive Kritik.

Der Bürgermeister stellte zunächst eine Verlegung der Sperrstunde in der Gastronomie auf 24.00 Uhr zur Diskussion. Er schlug zudem vor, die Sperrstunde nicht nur in der Stadt Salzburg vorzuverlegen, sondern auch in Umlandgemeinden, damit Nachtschwärmer nicht in dortige Lokale ausweichen könnten.

Salzburg, Tirol und Vorarlberg verlegen in Abstimmung mit der Bundesregierung die Sperrstunde in der Gastronomie von...

Gepostet von Wilfried Haslauer am Dienstag, 22. September 2020

Frühere Sperrstunde auf "Westachse"

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) betonte am Dienstag in einer Aussendung die Notwendigkeit der heute von der "Westachse" beschlossenen Maßnahme. "Die aktuelle Entwicklung macht eine Vorverlegung der Sperrstunde auf 22.00 Uhr zwingend notwendig, da eine der größten Verbreitungsgefahren auf ausufernde Feiern in Nachtlokalen zurückzuführen ist."

Diese Maßnahme ziele darauf ab, einerseits nach der Sperrstunde "private Feiern" (außerhalb von Privatwohnungen) in Lokalitäten zu unterbinden und andererseits auf den Schutz der gesamten Gastronomiebranche. "Kurzsichtige Leichtsinnigkeit bringt damit nicht nur eine ganze Branche unter Druck, sondern bedroht unser ganzes Land mit Reisewarnungen und einem zweiten Lockdown", erklärte Haslauer. Es gehe auch um die Rettung der Wintersaison.

NEOS sehen "Todesstoß für viele Betriebe"

Vom "Todesstoß für viele Betriebe" spricht hingegen der Sepp Schellhorn, NEOS-Wirtschaftssprecher und selbst Gastronom. Für die Unternehmen breche jede Planungsgrundlage weg. "Das ist kein Krisenmanagement, das ist ein Zick-Zack-Kurs, der Betriebe ruiniert", kritisiert er.

Ärgerlich an dieser Vorgehensweise sei vor allem, dass diese  maximalen  wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehe, aber das Problem nicht lösen werde. "Jugendliche und Studenten werden weiterhin mit einem Sechser-Tragerl Bier am Salzachufer feiern, denn deren private Partys im Freien bleiben von der Sperrstunde völlig unberührt", so Schellhorn. "Das einzige, was eine Sperrstunde um 22 Uhr bringen wird, das sind Trotzreaktionen", stößt NEOS-Gemeinderat Lukas Rößlhuber ins selbe Horn.

SPÖ will Gastronomen unter die Arme greifen

Salzburgs SPÖ-Chef David Egger sagt im S24-Gespräch: "Wir werden bei der Vorverlegung der Sperrstunde mit Bauchweh mitstimmen, fordern aber gleichzeitig, dass man sich überlegt, wie man den betroffenen Gastronomen unter die Arme greifen kann." Egger weiter: "Man muss ganz klar sagen, dass wir jetzt auf Landesebene ausbaden, was auf Bundesebene verbockt wurde, weil bei den Corona-Ampeln blickt niemand mehr durch."

FPÖ: Maßnahme drangsaliere Jugendliche

Auch die Salzburger FPÖ-Obfrau Marlene Svazek kann der Vorverlegung der Sperrstunde nur wenig abgewinnen, wie sie am Dienstagvormittag – noch vor der Bekanntgabe der Maßnahme – in einer Aussendung deutlich machte. "Weiteres Drangsalieren Jugendlicher wird letztlich dazu führen, dass bald niemand mehr den gemeinsamen Weg gehen will", zeigt sie sich überzeugt.

‼️ 22:00 Uhr Sperrstunde in ganz Salzburg ‼️ Junge Menschen in den 20ern wollen ihre Jugend feiern und werden daher...

Gepostet von FPÖ Salzburg am Dienstag, 22. September 2020

"Schlag ins Gesicht der Wirte"

Auch in der Branche selbst stößt die Vorverlegung der Sperrstunde auf herbe Kritik. Im SALZBURG24-Gespräch lässt der Betreiber der beiden Bars Flip und Soda Club in der Landeshauptstadt freien Lauf. HIER kommt ihr zum Interview.

Die Gastronomiesprecherin des Wirtschaftsverbandes Salzburg, Alexandra Priewasser, ortete ebenfalls einen "Schlag in das Gesicht der 99 Prozent der Wirte, welche sich penibel an die Maßnahmen halten". Sie forderte die Politik auf, "gemeinsam mit den Gastronomen Konzepte zu erarbeiten, anstatt plumpe Verbote zu erlassen".

Die Lokalmeile Rudolfskai in der Stadt Salzburg sei "ein winziger Teil" des Salzburger Nachtlebens. Daraus im Bundesland Salzburg eine Debatte um eine landesweite Sperrstunden-Vorverlegung zu konstruieren, sei absurd, meinte Priewasser. "Es gibt keinen Grund, weshalb die Sperrstunde in Tamsweg, St. Johann oder Alt-Liefering vorverlegt werden soll. Die Regierung fährt mit der Rasenmäher-Methode über alle drüber, statt gezielte Maßnahmen zu setzen."

Privatpartys kaum kontrollierbar

Eine Vorverlegung der Sperrstunde würde zu enormen Verlusten in der Gastronomie und zu mehr Privatpartys führen, ergänzte der Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes, Hermann Wielandner. Privatpartys seien im Gegensatz zur Nachtgastronomie kaum kontrollierbar. "Höhere Infektionszahlen wären wohl die logische Folge. Damit würde die Maßnahme zum Bumerang werden."

"Blanker Irrsinn"

Der Landesobmann der parteifreien Wirtschaftsliste Salzburg, Josef Fritzenwallner, bezeichnete die landesweite Vorverlegung der Sperrstunde auf 22.00 Uhr als "blanken Irrsinn". Diese "Schreckenspolitik" stoße die Wirtschaft in den Abgrund.

(Quelle: APA/SALZBURG24)

Sperrstunde in Salzburgs Lokalen um 22 Uhr

Cocktail, Bar, Party, SB Pixabay/CC0
(SYMBOLBILD)

Die drei westlichen Bundesländer legen die Sperrstunde wegen der steigenden Corona-Zahlen auf 22.00 Uhr vor. Das verkündete der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Dienstag gemeinsam mit seinen Amtskollegen Markus Wallner (Vorarlberg) und Günther Platter (Tirol) in einer Aussendung mit dem Kanzleramt.

Haslauer betont die Notwendigkeit dieser Maßnahme. Eine der größten Verbreitungsgefahren sei auf ausufernde Feiern in Nachtlokalen zurückzuführen ist. Es gelte Reisewarnungen – vor allem von deutscher Seite – sowie einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Salzburg, Tirol und Vorarlberg verlegen in Abstimmung mit der Bundesregierung die Sperrstunde in der Gastronomie von...

Gepostet von Wilfried Haslauer am Dienstag, 22. September 2020

Die Maßnahme soll vorerst auf drei Wochen befristet sein und mit kommenden Freitag in Kraft treten. Bisher mussten die Lokale um 1.00 Uhr schließen.

 

Bundesregierung heißt Maßnahme gut

Die lokalen Maßnahmen werden durch eine Verordnung des Gesundheitsministerium ermöglicht und von der Regierung auch unterstützt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nannte es in der gemeinsamen Aussendung "gut", dass drei Bundesländer bei der Vorverlegung der Sperrstunde vorangingen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hofft, dass andere Bundesländer, insbesondere jene mit hohen Infektionszahlen, diesem Beispiel folgen, so der VP-Chef wohl mit Blick auf Wien.

Für Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) ist klar, dass die erneute Einschränkung für die ohnehin gebeutelte Gastronomie ein schwerer Schlag sei: "Wir müssen diese Maßnahme aber ergreifen, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen und wieder abzusenken."

Eigenverantwortung nehme bei späterer Sperrstunde ab

Auch der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sieht eine zwingende Notwendigkeit der Maßnahme. Bei der Auswertung der verschiedenen Cluster habe sich deutlich gezeigt, dass gerade zu später Stunde die Eigenverantwortung stark abnehme: "Mit der Einschränkung der Sperrstunde sehen wir uns gezwungen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken."

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