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Umstrittenes Vakzin

Wie wirksam ist Sputnik V?

Salzburger Corona-Experte Greil über russischen Impfstoff

symb_sputnik, symb_Impfstoff APA/AFP/Marcelo Manera
Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V soll eine Wirksamkeit von über 90 Prozent aufweisen. (SYMBOLBILD)

Die Bundesregierung verhandelt mit Russland über die Lieferung des Corona-Impfstoffs Sputnik V. Noch vor einer Zulassung durch die Europäische Arzneimittel Agentur (EMA) könnte das Vakzin in Österreich eingesetzt werden. Doch wie wirksam ist der russische Impfstoff und welche Bedenken gibt es? Wir haben bei Dr. Richard Greil, Leiter des Salzburger Corona-Krisenstabes, nachgefragt.

Noch vor seinem Gespräch mit dem russischen Botschafter am Mittwochnachmittag in Wien hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärt, man befinde sich "auf den letzten Metern, was die Beschaffung von Sputnik betrifft".

Russischer Impfstoff umstritten

Dabei war Sputnik V lange umstritten. Es war der weltweit erste Corona-Impfstoff, der zugelassen wurde. Die Freigabe für die russische Bevölkerung erfolgte bereits im August 2020. Damals hagelte es internationale Kritik, da diese Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse sogenannter Phase-III-Studien stattfand und keine Daten dazu vorlagen.

 

Sputnik V: Wirksamkeit von über 90 Prozent

"Mittlerweile sind die Daten veröffentlicht und es sind, soweit man das aus der Publikation sagen kann, sehr saubere Daten", teilt Mediziner Richard Greil am Mittwoch gegenüber SALZBURG24 mit. Die Effektivität und die Produktion von Antikörpern würden dem entsprechen, was man von einem hochwertigen Impfstoff erwarten könne. Sputnik V weise eine Wirksamkeit von über 90 Prozent auf.

"Verkauf ist hochgradig politische Strategie"

Greil weist dabei auch darauf hin, dass der "Verkauf eine hochgradig politische Strategie" sei. Das Corona-Vakzin werde vor allem in nicht-westliche Länder exportiert, weshalb in Europa – mit einigen Ausnahmen – kaum Erfahrung mit dem Impfstoff vorhanden sei.

Keine Auffälligkeiten bei Nebenwirkungen

Auch bei den Nebenwirkungen weise Sputnik V keine Auffälligkeiten auf. Greil: "Grundsätzlich sind die Nebenwirkungsprofile sehr ähnlich zu anderen Impfstoffen." Es könnte somit zu Reaktionen an der Einstichstelle kommen, aber auch Fieber, Abgeschlagenheit, Schwächezustände, Muskel- und Kopfschmerzen seien möglich. "Inwieweit es zusätzliche, sehr seltene Nebenwirkungen gibt, kann man im Moment nicht ausreichend beurteilen, weil es dazu keine großen Datenbanken gibt", so Greil.

KURZ LIUBINSKII APA/HERBERT PFARRHOFER
Der russische Botschafter Dmitrii Liubinskii (l.) und  Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)  vor Beginn des Arbeitsgespräches.

Kurz: Sputnik-Beschaffung "auf den letzten Metern"

Nach seinem Gespräch mit dem russischen Botschafter in Wien, Dmitri Ljubinski, hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärt, man befinde sich "auf den letzten Metern und eine Bestellung von …

Kaum Daten zu Virusmutationen

Bezüglich der Wirksamkeit gegen Virusmutationen sei ebenfalls wenig bekannt. "Ich gehe davon aus, dass die Tests ausschließlich in Russland und da nur in Moskau erfolgen. Über die tatsächliche Konstellation der Virusmutation vor dem epidemiologischen Hintergrund in Russland gibt es jedoch wenig Daten", teilt Greil mit. Man wisse diesbezüglich bei Sputnik V weitaus weniger, als bei anderen Impfstoffen, die aktuell am Markt sind. "In Wirklichkeit kann man das erst beurteilen, wenn man die Impfung am Menschen durchführt."

Corona-Impfstoff weltweit im Einsatz

Der russische Corona-Impfstoff wird mittlerweile in mehr als 50 Ländern weltweit eingesetzt. Erfahrungsberichte im Umgang mit dem Vakzin seien jedoch kaum vorhanden, wie der Salzburger Mediziner weiter ausführt: "Ich kenne ganz wenig dazu. Das hängt einfach damit zusammen, dass die medizinischen Systeme dramatisch überlastet sind." Das medizinische Personal sei durch die Pandemie somit derart gefordert, dass nicht ausreichend Kräfte zur Verfügung stünden, Nebenwirkungen und Zusammenhänge mit Medikamenten zu überprüfen.

Primar Richard Greil VOGL-Perspektive.at
Richard Greil, Leiter der 3. Medizin des Uniklinikums Salzburg, ist im Bundesland der Experte für das Coronavirus.

Greil gegen österreichischen Alleingang

Von einem österreichischen Alleingang bei der Zulassung von Sputnik V hält Greil nichts. "Die Prüfung von Impfstoffen ist unglaublich aufwendig, braucht hohe Expertise und sehr viele hoch qualifizierte Menschen. Ehrlicherweise halte ich sehr wenig davon, ich glaube, das sollte wirklich von den exzellent besetzten Gremien der EMA gemacht werden."

Schleppende Impfkampagne

Für die aufgrund von Lieferschwierigkeiten schleppend verlaufende Impfkampagne in Österreich wäre ein weiterer Impfstoff dennoch wichtig. Greil: "Faktum ist, dass es ein Lieferproblem gibt und so schnell keine anderen Impfstoffe erhältlich sein werden. Das heißt, wenn sich ein weiterer Impfstoff in die Strategie einbauen lässt, dann würde ich nichts sehen, das dagegen spricht."

 

Greil für Vorgehen ohne Vorbehalte

Der Salzburger Mediziner spricht sich grundsätzlich für ein Vorgehen ohne politische Vorbehalte aus. "In meinen Augen ist es so, dass man alle Medikamente mit der notwendigen Neutralität aus einer wissenschaftlichen und medizinischen Perspektive betrachten muss." Es brauche also eine schnellere Durchimpfung der Bevölkerung. "Und wenn wir das mit guten Medikamenten tun können, dann sollten wir das so schnell wie möglich tun."

70 Prozent der Österreicher für Sputnik V

Laut einer aktuellen Umfrage von research affairs befürworten fast 70 Prozent der Österreicher den Ankauf von Sputnik V. 57 Prozent der Befragten könnten sich demnach auch vorstellen, sich mit dem in der EU noch nicht zugelassenen Vakzin impfen zu lassen.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 17.05.2021 um 04:06 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/sputnik-v-wie-wirksam-ist-russischer-corona-impfstoff-101833081

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