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18-Jähriger in Salzburg wegen Terrorverdachts vor Gericht

Schwer bewacht wird der 18-Jährige am Salzburger Landesgericht. NEUMAYR/MMV
Schwer bewacht wird der 18-Jährige am Salzburger Landesgericht.

Ein 18-Jähriger ist am Mittwoch wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor einem Schöffengericht in Salzburg gestanden. Der Asylwerber aus Pakistan soll sich 2014 freiwillig der Terror-Organisation "Tehrik-i-Taliban" (TTP) angeschlossen und zumindest einen Monat lang in einem Trainingscamp den Gebrauch von Schusswaffen und "Bombenwesten" geübt haben. Er beteuerte seine Unschuld. Er wurde am Nachmittag zu einem Jahr teilbedingter Haft verurteilt.

Der 18-jährige Angeklagte ist vom Schöffensenat am Landesgericht Salzburg wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zu einem Jahr teilbedingter Haft, davon drei Monate unbedingt, nicht rechtskräftig verurteilt worden. Das Gericht ging davon aus, dass der beschuldigte Pakistani freiwillig an dem Trainingscamp des Terror-Netzwerkes "Tehrik-i-Taliban" (TTP) teilgenommen hat.

Weder der Staatsanwalt noch die Verteidigerin gaben nach dem Urteilsspruch eine Erklärung ab. Der Angeklagte hat den unbedingten Strafanteil von drei Monaten bereits in der Untersuchungshaft abgesessen. Der Bursch war im September verhaftet und in die Justizanstalt Salzburg gebracht worden.

Der 18-Jährige hat seine Strafe bereits in der U-Haft abgebüßt./NEUMAYR/MMV Salzburg24
Der 18-Jährige hat seine Strafe bereits in der U-Haft abgebüßt./NEUMAYR/MMV

"Tehrik-i-Taliban" als Terror-Organisation eingestuft

Laut Anklage wird "Tehrik-i-Taliban" von den Vereinten Nationen als terroristische Organisation eingestuft. Die Bewegung der pakistanischen Taliban hat ihre Basis im Norden Pakistans an der Grenze zu Afghanistan, die Splittergruppe setze sich auch für einen weltweiten Jihad ein, sagte der Staatsanwalt. Der beschuldigte Pakistani habe vor der österreichischen Fremdenbehörde im Asylverfahren selbst angegeben, dass er, als er als 15 Jahre alt und Koranschüler in seinem Heimatdorf gewesen sei, freiwillig das Trainingscamp besucht habe. Erst in einer späteren Aussage habe der Beschuldigte erklärt, er sei dazu gezwungen worden, erläuterte der Staatsanwalt.

18-Jähriger sagt unter Tränen aus

Die Angaben, wonach er freiwillig an dem Training mitgemacht hätte, beruhten wohl auf Übersetzungsfehler des Dolmetschers, meinte der Pakistani. Er sei zur Teilnahme genötigt worden. Eines Morgens seien Männer in die Moschee gekommen, hätten ihn und drei weitere Burschen gefesselt und in ein Auto gesetzt. Er habe nicht gewusst, dass der Koranlehrer, der auch der Imam in der Moschee gewesen sei, mit diesen Personen kooperierte, die ihn verschleppt hätten.

"Sie hatten Waffen in der Hand und wollten, dass ich mit ihnen zusammenarbeite. Doch ich wollte das nicht, weil ich der einzige Sohn meiner Eltern bin. Ich hatte große Angst", schilderte der zierliche Angeklagte. Er habe versucht zu flüchten, sei aber erwischt und 15 Tage lang an einem Baum gefesselt worden. "Ich habe so gut wie nichts zu essen bekommen." Die folgenden rund zehn Tage habe er meistens Geschirr abgewaschen. "Ich habe sehr viel geweint, ich war sehr jung." Auch beim Prozess kamen ihm die Tränen.

Terrorprozess in Salzburg: Verteidiger plädiert auf Freispruch

Schließlich habe er das Camp nahe der Stadt Lahore verlassen und zu seinen Eltern nach Hause dürfen, erzählte der Pakistani. Allerdings hätten ihn die Männer wieder zurückholen wollen. Doch er habe zunächst Zuflucht bei einem Onkel im Nachbardorf gefunden und sich dann in Islamabad, Lahore und Karatschi aufgehalten. Als er gemerkt habe, die Taliban würden ihn suchen, flüchtete er nach Europa. Die 6.000 Dollar für den Schlepper und umgerechnet 300 Euro Taschengeld hätten seine Eltern zur Verfügung gestellt.

Im Jahr 2016 kam der Bursch nach Österreich, wo er um Asyl ansuchte. Mittlerweile hat er einen negativen Bescheid in Händen, "dagegen habe ich berufen." Vor seiner Verhaftung habe er Zeitungen verkauft, "auch hier im Gericht", sagte der Beschuldigte. "Das Beweisverfahren wird zeigen, dass der Angeklagte freizusprechen ist", erklärte seine Verteidigerin.

(APA)

(Quelle: S24)

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