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30-Jähriger tot in Badewanne: Zwei Syrer vor Gericht

Nachdem im Juli letzten Jahres ein 30-Jähriger tot und gefesselt in der Badewanne seiner Wohnung in der Elisabethstraße in der Stadt Salzburg gefunden wurde, wurde zwei Tatverdächtigen am Dienstag der Prozess gemacht. Einer der beiden Syrer ist wegen Mordes und Raubes beschuldigt, der zweite wegen schweren Raubes. Der Erstangeklagte sprach von einer Racheaktion.

Die beiden Männer sind rund zwei Wochen nach der Tat am 10. Juli festgenommen worden. Der Erstangeklagte, der den Mann erwürgt haben soll, zeigte sich im Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen grundsätzlich geständig.

Badewannen-Mord: Opfer mit Klebeband gefesselt

Laut Anklage hätten die beiden jungen Erwachsenen ihr Opfer geschlagen, gewürgt und an Händen und Füßen mit einem Klebeband gefesselt, wie der Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Robert Holzleitner, bereits in einem Interview mit der APA im November erklärte. Die Burschen hätten den Serben gezwungen, ihnen den Code seiner Bankomatkarte zu nennen. Während der Zweitangeklagte versucht habe, mit der Karte Geld zu beheben, habe der Erstangeklagte den 30-Jährigen weiter misshandelt und so lange gewürgt, bis eine Kompression der Halsstruktur und eine massive Verletzung des Kehlkopfes eingetreten sei, sodass der Mann verstorben ist, schilderte der Staatsanwalt.

Angeklagter spricht von Racheaktion

Der Serbe habe ihm am Vortag einen Pornofilm gezeigt und erzählt, dass er gerne Geschlechtsverkehr mit einem Mann habe. Aus Angst habe er die Wohnung verlassen und dem Zweitangeklagten diese "Beleidigung" erzählt, um "diese Sache zu rächen". Zur "Erziehung" habe man dem 30-Jährigen sein Handy stehlen und ihn zusammenschlagen wollen.

Bevor die beiden Beschuldigten den Serben besuchten, besorgten sie sich bei einer Tankstelle zwei Rollen Klebebänder, um den Serben zu fesseln, sowie Handschuhe und Bier, wie der 19-Jährige der vorsitzenden Richterin Bettina Maxones-Kurkowski schilderte. Zuhause hätten sie bereits Wodka getrunken und Marihuana geraucht. "Wir wollten den Mann ausrauben. Meine Absicht war aber nur, dass ich ihm sein Mobiltelefon wegnehme."

Komplize holte Geld vom Bankomat

Damit sich der Serbe nicht wehren konnte, habe er ihn in den Schwitzkasten genommen, erzählte der Erstangeklagte. Sein Freund habe den Mann gefesselt, geschlagen, ihm einen Stofffetzen in den Mund gesteckt und dessen Geldtasche aus der Hose gezogen. Da kein Geld darin gewesen sei, habe der Zweitangeklagte die Bankomatkarte herausgenommen und den Code verlangt. Während der Zweite zu einem Bankomat gegangen sei, um Geld abzuheben, sei er bei dem Serben geblieben und habe ihn weiter gehalten. "Als er sich nach vor streckte, um ein Messer vom Couchtisch zu nehmen, habe ich ihn zurückgezogen und zugedrückt. Das dauerte fünf Sekunden, dann hörte ich ein Auspusten", sagte der anerkannte Flüchtling.

Syrer legt Angeklagten in Badewanne

Aus Angst, der Mann sei ohnmächtig geworden oder gestorben, habe er wieder locker gelassen, schilderte der Syrer. Dann habe er gemerkt, dass der Serbe nicht mehr atmet. Als der Zweitangeklagte ohne Geld zurückgekommen sei, denn der Code sei falsch gewesen, "war das Opfer schon fünf Minuten tot", übersetzte ein Dolmetscher die Angaben des Beschuldigten. Sein Freund habe den 30-Jährigen wegen des falschen Codes noch beschimpft, ihn in die Badewanne gelegt und Wasser eingelassen.

"Sachen mitnehmen, denn er ist ohnehin tot"

Dass ihn der Zweitangeklagte beschuldigt, auch er hätte den Mann in die Wanne gelegt, habe er sich nicht erwartet. "Er hat auch zu mir gesagt, wir sollen die Sachen des Mannes mitnehmen, der ist ohnehin tot. Und er hat in der Wohnung nach Geld gesucht, nicht ich", belastete der 19-Jährige den Zweitangeklagten, der vor der Polizei ausgesagt hatte, dass sie gemeinsam nach Geld gesucht hätten. "Er hat auch die Wohnung mit Wasser besprüht, damit niemand Verdacht schöpft." Mit den gestohlenen Kleidungsstücken, die sie in "fünf bis sieben Müllsäcke" gestopft hatten, ließen sich die Burschen nach der Tat mit einem Taxi nach Puch (Bezirk Hallein) fahren, wo der Erstangeklagte in einem Zimmer wohnte.

Männer bestreiten Tötungsabsicht

Die Männer haben eine Tötungsabsicht bestritten. Der Erstangeklagte meinte, es handelte sich um einen Unfall, der Tod "war nicht einkalkuliert". Sein Komplize sagte, sie hätten den Mann bestehlen oder ausrauben wollen. Als dieser leblos war, hätten sie ihn in die Wanne gelegt und den Kopf nass gemacht. "Ich sagte, vielleicht wird er wach. Aber es war kein Puls mehr da", so der Zweitangeklagte.

Angeklagte liefern unterschiedliche Versionen zum Tathergang

Was den detaillierten Ablauf des Überfalls betrifft, so lieferten die Syrer zum Teil unterschiedliche Versionen und belasteten sich dabei gegenseitig. Nicht er habe den 30-Jährigen geschlagen, sondern der andere, wies der Zweitangeklagte die Angaben des Mitbeschuldigten von sich. Dass dieser wegen homosexueller Neigungen des Serben beleidigt gewesen sei, davon habe er nichts mitbekommen, sagte der "Wuschelkopf".

Der Verfahrenshelfer des Zweitangeklagten zweifelt an dessen Zurechnungsfährigkeit zum Tatzeitpunkt./Neumayr/SB

Alkohol getrunken und Drogen konsumiert

Der Erstangeklagte habe ihm vor der Tat erzählt, dass der Mann schwul und schwach, also nicht kräftig sei, schilderte der 19-Jährige. Das Opfer soll nur rund 50 Kilogramm gewogen haben. "Er hat mir nicht erzählt, dass ihn etwas gestört hätte. Er sagte, dass der Mann viel Geld und ein oder zwei Golduhren zu Hause hätte." Da habe er dem Plan zugestimmt. Der Asylwerber schilderte noch, dass sie vor dem Überfall Alkohol getrunken hätten, auch Drogen seien konsumiert worden.

Als sich der Serbe nach der Tat nicht mehr gerührt habe, habe er dem anderen vorgeworfen, dass er ihn getötet habe, erklärte der Zweitangeklagte. "Er antwortete, 'das war nicht meine Absicht'." Sein Freund habe noch den Gang der Wohnung mit Wasser besprüht, um Spuren zu beseitigen.

Verfahrenshelferin sieht keinen Tötungsvorsatz

Die Verfahrenshelferin des Erstangeklagten, Julia Steffen, erklärte, "ein Tötungsvorsatz an sich war nicht vorhanden". Der Syrer habe den 30-Jährigen wegen des Vorspielens der Pornofilme nur "erziehen" wollen. Die Tat tue dem 19-Jährigen sehr leid, er würde gerne alles rückgängig machen, sagte die Rechtsanwältin.

Zweitangeklagter zurechnungsunfähig?

Der Verfahrenshelfer des Zweitangeklagten, Georg Zechbauer, sprach von einer Zurechnungsunfähigkeit des Beschuldigten, dieser sei schwer alkoholisiert gewesen und unter Drogeneinfluss gestanden. Die beiden Angeklagten hätten vor der Tat gemeinsam eine Flasche Wodka getrunken, der Zweitangeklagte noch fünf bis sechs Flaschen Bier. "Das ergibt drei bis 3,5 Promille Blutalkoholkonzentration. Ab 2,5 Promille liegt eine volle Berauschung vor." Die Beschuldigten hätten in diesem Zustand "keine sichere Erinnerung an die Vorgänge" gehabt. Die Anklage sei auch bezüglich einer Absprache über die Tötung des Opfers falsch, denn über eine Tötung sei nicht gesprochen worden, sagte der Rechtsanwalt. Der Tod des Serben sei für den Zweitangeklagten jedenfalls nicht vorhersehbar gewesen.

Opferanwalt fordert Schmerzensgeld

Opfer-Anwalt Stefan Rieder forderte für den hinterbliebenen Vater des Opfers 35.000 Euro Teilschmerzensgeld, für die Witwe 25.000 Euro. Das Interesse an dem Prozess war groß: 17 Medienvertreter waren zu Verhandlungsbeginn im Gerichtssaal. Vermutlich ergeht am Mittwoch ein Urteil. Der Strafrahmen beträgt in dieser Causa von einem Jahr bis zu 15 Jahren Haft.

(Quelle: S24)

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