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836 Kindergartenkinder in Stadt Salzburg haben Probleme mit Deutsch

Gemeinsames Singen ist essentieller Bestandteil der sprachlichen Frühförderung. (Archivbild) Neumayr/MMV
Gemeinsames Singen ist essentieller Bestandteil der sprachlichen Frühförderung. (Archivbild)

Die Sprachenvielfalt in den Kindergärten der Stadt Salzburg ist groß. So sprechen die Kinder im Kindergarten "Stadtwerk Lehen" etwa 21 verschiedenen Sprachen. Eine Sprache sollten die Kinder am Ende ihrer Kindergartenzeit aber alle beherrschen: Deutsch. Herausfordernd ist das nicht nur für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache, sondern auch immer öfter für Deutschsprachige.

Damit Kinder mit so wenig Sprachdefiziten wie möglich in die Schule starten, gibt es seit 2008 die verpflichtende sprachliche Frühförderung für Drei- bis Sechsjährige. Geregelt ist diese Maßnahme in einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern. Für die Jahre 2015, 2016 und 2017 hat das Land Salzburg insgesamt 3,5 Millionen Euro vom Bund zur Finanzierung der Sprachförderung erhalten. Insgesamt wenden Bund und Länder 90 Millionen Euro dafür auf.

38 Prozent der Kindergartenkinder brauchen Sprachförderung

836 Kinder wurden im vergangenen Kindergartenjahr in den städtischen Kindergärten in Salzburg im Rahmen der sprachlichen Frühförderung betreut. Damit haben 38 Prozent der 2.177 Kindergartenkinder Förderbedarf in Deutsch.

Die Kinder werden in 110 Fördergruppen betreut, damit besteht jede Gruppe im Schnitt aus 7,6 Kindern. Den größten Bedarf an Deutschförderung hat der Kindergarten "Stadtwerk Lehen" mit 53 Kindern. Das hat eine Anfrage der NEOS ergeben, die von der ressortzuständigen Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ) im Juli beantwortet wurde.

"Jedes vierte Kind in Frühförderung hat deutsche Muttersprache"

Dabei werden aber nicht nur Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache unterstützt, sondern auch immer öfter Kinder, deren Erstsprache eigentlich Deutsch wäre. "Jedes vierte Kind in der sprachlichen Frühförderung hat deutsche Muttersprache", informiert Hagenauer im Gespräch mit SALZBURG24. Zurückzuführen sei das auf die sprachliche Armut in der Familie: "Die Kinder kommen in den Kindergarten und können nicht einmal die einfachsten Sätze sagen, weil zu Hause nicht gesprochen wird", führt Hagenauer aus.

Die Sprachförderung in den Kindergärten wird von den Pädagogen bewusst im Betreuungsalltag eingebaut. Das passiert anhand verschiedener Beschäftigungen, einen großen Anteil hat das gemeinsame Singen oder Vorlesen.

Überprüft werden die Fortschritte der Kinder in sogenannten Sprachstandsfeststellungen. Diese werden jeweils am Anfang und am Ende des Kindergartenjahres durchgeführt. Zusätzlich dazu überprüfen Fachkräfte des Magistrat Salzburg regelmäßig die Qualifikation der Sprachförderer vor Ort.

Individuelle Förderung ist Herausforderung an Pädagogen

Die größte Herausforderung für die Pädagogen ist dabei, jedes Kind trotz seines unterschiedlichen Sprachniveaus individuell bestmöglich zu fördern. Das reiche von den verschiedenen sprachlichen Entwicklungsstufen bis hin zu den Deutschkenntnissen, heißt es dazu aus dem Amt für Schule und Kinderbetreuung der Stadt Salzburg gegenüber S24. Die Anforderungen an die Kindergartenpädagogen seien in den letzten Jahren beständig geblieben. Sprachen und Herkunftsländer würden sich zwar verändern, mit der Vielfalt richtig umgehen zu können und die Kinder ihrem Sprachstand entsprechend zu fördern, stehe jedoch weiter im Vordergrund.

Sprache für Integration essentiell

Die Sprachenfrühförderung zielt nicht nur auf einen gelungenen Schulstart hin, sondern auch auf eine erfolgreiche Integration von Zuwanderern. Dass Sprache dafür essentiell ist, bestätigt auch Eva Spießberger vom Integrationsbüro der Stadt Salzburg. Sie verweist außerdem auf das "Rucksack-Projekt" mit dem die Stadt Salzburg seit zehn Jahren die Integration der Jüngsten fördert. Auch hier haben zehn Prozent der Teilnehmer Deutsch als Erstsprache. Deutsch steht dabei im Vordergrund, aber auch die jeweilige Muttersprache wird gefördert, "denn wer in der Muttersprache gefestigt ist, erlernt auch leichter eine zweite Sprache", erklärt Spießberger.

Kritik an den Sprachförderungsmaßnahmen der Stadt kommt von NEOS-Gemeinderat Lukas Rößlhuber. "Das 'Rucksack-Projekt' ist nur ein Baustein von vielen. Die Stadt benötigt weitere Konzepte und Projekte." Insbesondere fordert Rößlhuber zusätzliche Sprachförderangebote für die Kinder und ihre Eltern: "Das Geld, das die Stadt hier investiert, spart sie sich später."

Stoppt Bund die Förderung?

Einen Mangel an fachlich kompetenten Sprachförderern gebe es in der Stadt Salzburg nicht, sagt Hagenauer: "Das ist grundsätzlich ein boomendes Berufsfeld und wir bilden auch unsere eigenen Pädagogen und Pädagoginnen zu Sprachförderern aus."

Sorgen macht sich die Vizebürgermeisterin derzeit eher um die Unterstützung des Bundes. Die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zur Frühförderung läuft nämlich mit dem Kindergartenjahr 2018 aus. "Die Vereinbarung scheint auf der Kippe zu stehen, derzeit gibt es keine Anzeichen von Bundesminister Kurz (ÖVP, Anm.) diese zu verlängern", fügt Hagenauer abschließend hinzu.

(SALZBURG24/APA)

(Quelle: S24)

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