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Toter Winkel

Abbiegeassistent für Salzburgs Lkw?

Lkw Bilderbox/Symbolbild
Abbiegeassistenten bei Lkw sind gute Hilfsmittel, sie vermeiden aber keine Unfälle, so Experten.

Nach dem tragischen Unfalltod eines Neunjährigen Ende Jänner in Wien will Salzburgs Bau-Stadtrat Lukas Rößlhuber (NEOS) nun die ressorteigenen Lkw mit modernen Abbiegeassistenten ausrüsten lassen. Neben der Mozartstadt gibt es entsprechende Überlegungen auch in Wien und Klagenfurt.

Bei dem folgenschweren Unfall in Wien wurde ein Kind auf einem Schutzweg von einem abbiegenden Lkw niedergefahren und getötet. Die Bundeshauptstadt hat daraufhin angekündigt, die ersten 37 Lkw der Verkehrsabteilung mit Abbiegeassistenten auszurüsten.

So funktioniert das Gerät

Ist ein Lkw damit ausgestattet, wird eine Kamera aktiviert, sobald der Blinker betätigt wird. Befindet sich etwas im Blickfeld, ertönt ein lautstarkes Signal. Salzburgs Bau-Stadtrat Rößlhuber (NEOS) will nun nachziehen und das Ressort mit Lkw-Abbiegeassistenten umrüsten lassen.

Lkw-Abbiegeassistent für Salzburg?

Dieses System sei besonders auf schmalen und engen Straßen ein sehr wertvoller Assistent. "Dieses Abbiegeassistenzsystem rettet Leben", ist Rößlhuber überzeugt: "Bei der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer darf an keiner Stelle gespart werden.“ Der NEOS-Bürgermeister-Kandidat will nun die Nachrüstung der Fahrzeuge seines Ressorts prüfen lassen. 40 bis 50 Fahrzeuge würden infrage kommen.

"Toter Winkel nicht auszuschalten"

Der Assistent sei eine großartige Unterstützung und könne auch viele Unfälle vermeiden, sagt Maximilian Gruber. Der Spediteur warnt im SALZBURG24-Gespräch jedoch davor, sich nur auf diesen Assistenten zu verlassen: "Man kann den toten Winkel nicht komplett mit einem Assistenzsystem ausschalten." Gruber appelliert, ein umfangreiches Maßnahmenpaket zu schnüren und mit der Sensibilisierung bereits im Kindergarten und in Schulen zu beginnen. Auch Fahrschüler sollten in ihrer Ausbildung lernen, was im Blickfeld eines Lkw-Fahrers aufscheint und was eben nicht.

"Wir haben eine sehr gut funktionierende Selbst-Abbiegeassistenz im Einsatz, können uns aber nicht zu 100 Prozent darauf verlassen“, macht Gruber klar. Eine verpflichtende Einführung solcher Abbiegeassistenzsysteme begrüßt der Spediteur, der Bund müsse bei der Finanzierung aber mit in die Verantwortung genommen werden.

Im Land Salzburg gibt es im Übrigen keine Stellen, bei denen sich Unfälle von Lkw mit Fußgängern oder Fahrradfahrern häufen würden. Das gab die Landespolizeidirektion auf SALZBURG24-Anfrage am Dienstag bekannt.

Zehntausende stimmen für Petition

Neben Salzburg wollen auch Wien und Klagenfurt entsprechende Geräte testen. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) forderte die Nachrüstung des gesamten öffentlichen Lkw-Fuhrparks mit Abbiegeassistenten.

"Ziel muss sein, dass bereits heuer alle Lkw der öffentlichen Hand mit Assistenzsystemen ausgestattet sind", sagte VCÖ-Experte Markus Gansterer. Eine von Eltern initiierte Petition für die verpflichtende Ausstattung mit derartigen Systemen, um die Gefahr des toten Winkels zu minimieren, hat bis Dienstagmittag bereits mehr als 43.000 Unterstützer gefunden.

Über 1.000 Lkw beim Bundesheer

Beim Österreichischen Bundesheer sind "weit über 1.000 Lkw über 3,5 Tonnen" im Einsatz, sagte Pressesprecher Michael Bauer. Die "Causa Abbiegeassistenten" werde gerate beurteilt, Fachleute würden prüfen, ob eine Nachrüstung möglich ist. Bauer wies allerdings darauf hin, dass im Heereskraftfahrdienst Lkw immer zu zweit gefahren werden, also Fahrer mit Beifahrer. Dadurch gebe es beim Bundesheer auch automatisch bereits eine "andere Sensibilisierung".

So schaut es bei der Post aus

Bei der Österreichischen Post sind im Eigenfuhrpark 140 Lkw über 3,5 Tonnen im Einsatz. Die Fahrzeuge seien sehr modern und bereits mit vielen Assistenzsystemen ausgerüstet, sagte Pressesprecher David Weichselbaum. Abbiegeassistenten gibt es noch keine.

EU: Abbiegeassistenten ab 2024

Der VCÖ forderte, dass auch für Lkw privater Unternehmen eine verpflichtende Nachrüstung rasch beschlossen wird. Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) hat für kommenden Dienstag einen Lkw-Sicherheitsgipfel angekündigt. Die EU plant den verpflichtenden Einbau von Abbiegeassistenten für neue Lkw für das Jahr 2024.

Eine weitere Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sei, Halte- und Parkverbote vor Schutzwegen von fünf auf zehn Meter auszuweiten, um diese übersichtlicher zu gestalten. Auch der Einsatz von Spiegeln auf unübersichtlichen Kreuzungen sei denkbar.

(S24/APA)

(Quelle: SALZBURG24)

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