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Angebliche Kindesmisshandlung: Mutter freigesprochen

Eine 42-jährige Salzburgerin ist am Montag am Landesgericht Salzburg vom Vorwurf der Kindesmisshandlung nicht rechtskräftig freigesprochen worden.

Die Staatsanwaltschaft hat der Frau vorgeworfen, sie hätte ihren sechsjährigen Sohn im Frühling 2011 mit einem stumpfen Gegenstand geschlagen und ihn fest gezwickt, sodass der Bub zahlreiche blaue Flecken und Blutergüsse an Armen und Beinen sowie eine zehn Zentimeter lange Kratzwunde am Oberkörper erlitten habe.

Hund für blaue Flecken verantwortlich?

Richter Stefan Schenk begründete den Freispruch damit, dass andere Ursachen für die Verletzungen infrage kommen könnten. Als Beispiel nannte er das Herumtollen des Kindes mit dem 36 Kilogramm schweren Hund der Familie oder das Zupacken seines kräftigen Bruders. Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass Kinder oder Jugendliche auf dem Spielplatz dem sechsjährigen Johannes die Hämatome zugefügt haben, meinte der Richter. Sowohl ein medizinisches Privatgutachten als auch der Gutachter der Gerichtsmedizin Salzburg schlossen nicht aus, dass zumindest ein Teil der daumenabdruckgroßen Hämatome vom Spielen mit dem Hund herrühren könnten. Entlastet hat die ledige Mutter von drei Söhnen (sieben, 14 und 22 Jahre) zudem der Pflegschaftsakt, in dem sie als sehr fürsorglich beschrieben wird. Die Frau sei nie durch eine Gewalthandlung aufgefallen, hieß es. Der Beschuldigten sei nicht nachzuweisen, dass sie ihren Sohn misshandelt habe, konstatierte der Richter. Staatsanwältin Barbara Feichtinger kündigte volle Berufung an.

Bub trug nur lange Shirts

Der Fall war an die Öffentlichkeit geraten, nachdem Mitarbeiterinnen eines Kindergartens im Flachgau im Vorjahr rote und blaue Flecken an den Armen des Buben bemerkt und am 30. Mai Anzeige erstattet hatten. Auch an sehr warmen Tagen war Johannes im April und im Mai mit langärmeligen T-Shirts in den Kindergarten gekommen. Schließlich konnten ihn die Pädagoginnen überreden, doch etwas Kurzärmeliges anzuziehen. Die Flecken am Körper stachen den Frauen sofort ins Auge. Das Jugendamt wurde eingeschaltet.

Kindesmisshandlung durch Mutter?

Nach einer medizinischen Untersuchung wurde der Bub der Mutter "wegen Gefahr in Verzug" entzogen. Die Behörden glaubten nicht, dass der Hund die Verletzungen verursacht hatte, wie die Frau beteuerte. Johannes lebt derzeit bei seiner Großmutter im Flachgau, das gerichtliche Obsorgeverfahren ist noch anhängig. "Meine Mandatin hat ihren Sohn weder geschlagen, noch gepackt und ihm auch keine Qualen zugefügt", betonte der Verteidiger am ersten Prozesstag am 24. Jänner. Die Kindergartenleiterin, die bei Gericht als Zeugin aussagte, beschrieb die Angeklagte als fürsorgliche Mutter.
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 14.10.2019 um 09:01 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/angebliche-kindesmisshandlung-mutter-freigesprochen-59317273

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