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Arzt wegen Mordes vor Gericht: Prozess vertagt

Wegen eines mutmaßlichen Behandlungsfehlers hat sich ein 47-jähriger Oberarzt am Montagnachmittag am Landesgericht Salzburg vor einem Einzelrichter verantworten müssen.Der Prozess wurde vertagt.

  Der Arzt soll am 20. November 2009 bei der Narkotisierung eines Patienten den Intubationsschlauch irrtümlich in die Speiseröhre statt in die Luftröhre eingeführt haben. Der 66-jährige Oberösterreicher, der sich am Knie operieren lassen wollte, ist einem Gutachten der Gerichtsmedizin Salzburg zufolge erstickt. Der Arzt beteuerte seine Unschuld. Ob heute ein Urteil ergeht, steht noch nicht fest.

Arzt bekannte sich unschuldig

Laut dem Rechtsanwalt der Hinterbliebenen wäre die Operation "ein Nullachtfünfzehn-Eingriff" gewesen. Der Oberösterreicher aus dem Bezirk Braunau trug eine Knieprothese. Wegen einer Infektion am Knie hatte er sich nach Salzburg ins Krankenhaus begeben. Staatsanwältin Sandra Lemmermayer warf dem Oberarzt fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen vor. Der Mediziner bekannte sich nicht schuldig. "Die Prämisse ist falsch, dass die Intubation fehlerhaft war", sagte seine Verteidigerin Iris Harrer-Hörzinger. "Ein objektiv sorgfaltswidriges Verhalten ist nicht zu erkennen." Der Anästhesist legte dann Einzelrichter Roland Finster seine Argumente dar: Zuerst habe er den Patienten mit Narkose-Masken zu beatmen versucht, doch weil sie nicht gänzlich abdichteten, entschied er sich für den Beatmungsschlauch. Die erste Intubation sei fehlgeschlagen, der Tubus "lag nicht in der Luftröhre". Beim zweiten Versuch habe er dann erkannt, dass der Beatmungsschlauch richtig positioniert war, schilderte der Oberarzt. Auf die Frage des Richters, wie er die richtige Lage erkennen konnte, antwortete der Beschuldigte: Er habe den Rand der Stimmbänder des Patienten gesehen, spastische Atemgeräusche gehört und die Veränderungen in der Lunge bemerkt. Auch habe er am Monitor beobachtet, dass CO2 aus dem Tubus herausgekommen sei. Zudem habe sich der Beatmungsschlauch bei der Ausatmungsphase beschlagen, und das Blut habe wieder mehr Sauerstoff enthalten. Weil aber die Beatmungsgeräusche spastisch waren und ein sehr hoher Druck zur Beatmung erforderlich war, zog er eine Kollegin bei. Damit sich die Atemwege etwas weiten, habe er ein Medikament eingespritzt, erklärte der Arzt. Als kein Puls mehr zu fühlen war, wurde mit der Reanimation begonnen. Nach mindestens einer halben Stunde seien die Wiederbelegungsversuche wegen Erfolglosigkeit beendet worden.

Prozess vertagt

Warum sich der Tubus bei der Obduktion in der Speiseröhre befand, darauf fand der Angeklagte zwei mögliche Erklärungen: Der Schlauch könnte bei der Umbettung des Toten oder am Ende der Reanimation dorthin geraten sein. Er habe auch nicht gewusst, dass der Patient an einer schweren Herzerkrankung litt, wie sich bei der Obduktion herausgestellt habe, sagte der Angeklagte. Warum er vor Einleitung der Narkose keine arterielle Verweilkanüle zur Blutgasanalyse gelegt hat? Für eine Narkoseeinleitung hätte das keine Konsequenzen gehabt, antwortete er. Danach sei er mit der Beatmung zu beschäftigt gewesen. Und warum er die Lage des Tubus nicht mit einer Fiberoptik kontrolliert hat? "Das ist nicht Standard", sagte der Arzt. Der Prozess ist am späten Nachmittag auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Es seien zwei Ergänzungsgutachten angefordert worden, sagte der Präsident des Landesgerichtes, Hans Rathgeb, zur APA. Die zwei Sachverständigen, die heute beim Prozess anwesend waren, werden in den Expertisen schriftlich auf all die Fragen antworten, die heute während der Verhandlung an sie gestellt worden sind. (APA)
(Quelle: S24)

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