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"Auf Augenhöhe" - Bettler in Salzburg kommen in Videoporträts zu Wort

Das Projekt "Auf Augenhöhe" stellt Bettler in den Mittelpunkt. dpa/A3472 Frank May
ARCHIV - Nur als Silhouette zu erkennen ist ein Bettler, der in der Frankfurter Innenstadt im Gegenlicht um Geld bittet (Archivfoto vom 18.03.2008). Die Stadt G?ttingen hat einem Sozialhilfeempf?nger die Unterst?tzung gek?rzt, weil er sich durch Betteln Geld dazu verdient hat. Ein Mitarbeiter der Beh?rde hatte den Hilfeempf?nger zweimal beim Betteln beobachtet. Einmal z?hlte er 1,40 Euro und das andere Mal 6 Euro in der Blechdose. Daraufhin reduzierte die Stadt auf Basis einer ÇHochrechnungÈ die monatliche Unterst?tzung zun?chst um 120 und nach einem Widerspruch des Mannes schlie§lich um 50 Euro. Foto: Frank May dpa/lni (zu lni 0277 vom 27.03.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ein neues Salzburger Projekt versucht in der Diskussion über die Bettler in der Stadt auch die Seite der Betroffenen selbst zu zeigen. "Auf Augenhöhe" stellt acht Bettler aus Rumänien in den Mittelpunkt, die in fünf- bis zehnminütigen Videoporträts darüber berichten, woher sie kommen, warum sie ihre Heimat verlassen haben und mit welchen Erwartungen sie nach Salzburg gefahren sind.

Die Protagonisten Eva, Floarea, Florin, Ioan, Ioanela, Lamaitsa, Nela und Petre haben sich im Jahr 2014 in Salzburg aufgehalten und erzählen in den Kurzporträts auch, wie sie ihren Aufenthalt in der Stadt erleben. "Es wird zu viel über Armutsmigranten gesprochen, aber zu wenig mit ihnen geredet", sagte Projekt-Initiator Heinz Schoibl gegenüber der APA. "Mir war es wichtig, die Leute selbst zu Wort kommen zu lassen." Die Auswahl der Gesprächspartner sei dabei zufällig erfolgt. "Wir wollten aber keine Frage-und-Antwort-Interviews machen. Zentral war, dass die Menschen selbst über sich erzählen."

Mehr über Bettler erfahren

So erfährt man, welche Schul- und Berufsbildung manche Bettler haben, ob sie einmal eine Arbeitsstelle hatten, wie die Sozialleistungen und Lebensbedingungen in der Herkunftsregion aussehen, wie sie sich in Salzburg durchschlagen und wie Passanten und Anrainer auf sie reagieren.

Projekt will aufklären

Der öffentliche Diskurs sei durch unbelegte Gerüchte, Vermutungen oder Behauptungen geprägt, heißt es auf der Internetseite zum Projekt: "Unterm Strich sind Notreisende demnach eine Angelegenheit von kriminellen Banden arbeitsscheuer Roma, die mittels Menschenhandel und Ausbeutung abhängiger, also etwa minderjähriger oder behinderter Personen im reichen Westen das große Geld machen." Um den Wahrheitsgehalt derartiger Behauptungen kümmere sich niemand.

"Auf Augenhöhe" wurde von Sommer bis Herbst 2014 in Kooperation des Runden Tisch Menschenrechte der Stadt Salzburg und dem außeruniversitären Forschungsinstitut Helix realisiert.

Erste Bettler-Portraits bereits veröffentlicht

Die ersten sechs Porträts können bereits auf der Internetseite https://notreisendesalzburg.wordpress.com heruntergeladen oder gestreamt werden. Die öffentliche Präsentation der einzelnen Videos findet dann am 18. Mai ab 16.00 Uhr im ABZ in Salzburg-Itzling statt.

(APA)

(Quelle: S24)

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