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"Baulehre 2020" für Salzburger Landesinnung längst überfällig

Auf dem Bau sind nicht nur handwerkliche, sondern auch digitale Fähigkeiten gefragt. (Symbolbild) APA/HERBERT PFARRHOFER/Archiv
Auf dem Bau sind nicht nur handwerkliche, sondern auch digitale Fähigkeiten gefragt. (Symbolbild)

Die Lehre am Bau wird reformiert, die neuen Rahmenbedingungen sollen ab Juni 2019 in Kraft treten. Für den Salzburger Landesinnungsmeister Peter Dertnig war diese Reform längst überfällig, wie er im Gespräch mit SALZBURG24 erklärt. Es sei höchste Zeit, den Bau aus der "Steinzeit" zu holen.

Der Bau hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Digitalisierung, moderne Technologien und die dynamische Marktentwicklung nehmen einen immer größeren Stellenwert ein. In Österreich hinke man dabei aber noch etwas hinterher. "Die Branche befindet sich überspitzt gesagt noch in der Steinzeit", sagt Dertnig.  Das Projekt "Baulehre 2020" will die Lehrlingsausbildung neu ausrichten, um diese der modernen Berufswelt anzupassen.

Ein Beispiel der Modernisierung ist etwa die Anwendung Building Information Modeling (BIM). Mit dieser Software können die einzelnen Beteiligten – vom Architekten, Baumeister, Polier und Facharbeiter – ihre Teilmodelle erstellen, die Kostenermittlungen und Leistungsverzeichnisse (teil)automatisiert aus dem Modell generieren. Der Bauunternehmer führt seine Kalkulation und Arbeitsvorbereitung anhand desselben Modells durch, erspart sich dadurch aufwändige Massenermittlungen. Komplexe Bauvorhaben können bis ins Detail virtualisiert und in 3D-Modellen dargestellt werden.

"Nicht nur die Kelle, sondern auch modernes Werkzeug beherrschen"

"Für diese Umstellung brauchen wir natürlich auch Facharbeiter, die vereinfacht gesagt nicht nur die Kelle schwingen, sondern auch diese modernen Werkzeuge beherrschen", so der Landesinnungsmeister, der in Wagrain (Pongau) eine Baufirma mit rund 160 Mitarbeitern führt. Jährlich werden zwischen drei und vier Lehrlingen in seinem Betrieb aufgenommen. In Salzburg stehen derzeit ca. 320 zukünftige Facharbeiter in Ausbildung. Jedes Jahr beginnen an die 100 Jugendliche mit einer Baulehre, die zwischen drei und vier Jahren dauert.

"Früher gab es den Spruch 'Wer zu dumm für die Schule ist, wird Maurer'. Die Anforderungen des Berufs widersprechen diesem Vorurteil deutlich", stellt er klar. So werden künftig neue Arbeitstechniken wie digitale Vermessung, elektronisches Daten-Management etc. in die Lehre einfließen. Praxisbezogenes Denken und Grundfertigkeiten wie etwa Kopfrechnen seien dennoch weiterhin gefragt. Gerade Letzteres vermisst der Lehrlingsprüfer aber regelmäßig bei den heutigen Auszubildenden.

Baubranche setzt auf  mehrteilige Lehrausbildung

Die Bauausbildung in Österreich sei bereits jetzt einzigartig, erklärt Dertnig. Zusätzlich zur Ausbildung im Lehrbetrieb und der Berufsschule verbringen alle Maurer (künftig Hochbauer), Tiefbauer und Schalungsbauer (künftig Betonbauer) insgesamt bis zu neun Wochen an einer der acht österreichweiten Bauakademien. In diesen Lehrbauhöfen erlernen und vertiefen die zukünftigen Facharbeiter ihre Fertigkeiten. Finanziert wird dies von den Unternehmen des Baugewerbes und der Bauindustrie. "Jährlich ist das österreichweit eine Summe von rund 18 Millionen Euro", so Landesinnungsmeister Dertnig.

(Quelle: S24)

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