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Auszeichnung für Salzburg

Mehr Gäste durch "Ritterschlag" erwartet

Weiter Kritik an Massentourismus

Die Stadt Salzburg ist am Dienstag in den touristischen Adelsstand erhoben worden: Der Reiseverlag "Lonely Planet" hat sie als "beste Stadt zum Bereisen" 2020 gekürt. Mit einem weiteren Anstieg der Gäste ist zu rechnen. Und das in einer Zeit, in der die Stimmung in Teilen der Bevölkerung bereits zu kippen droht.

Salzburg

Ausschlaggebend bei der Kür sind laut Becky Henderson, Europa-Managerin der Verlages, die Themen der Stadt, das unvergleichliche Erlebnis und der "Wow-Effekt". Und hier habe Salzburg neben den Festspielen mit der barocken Altstadt als UNESCO-Weltkulturerbe, der Hochkultur von Ausstellungen bis Konzerten, der mittelalterlichen Festung und dem Bergpanorama wahnsinnig viel zu bieten. Eine Aufzählung, die Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) beim Pressegespräch als Steilvorlage diente: "In Zeiten, in denen wir über Massentourismus reden, ist das ein klarer Kontrapunkt. Es geht um den Qualitätstourismus, weil sich diese Sachen nicht in zwei Stunden erleben lassen. Es zielt auf eine Verlängerung der Aufenthaltsdauer ab."

Salzburg wurde zur "besten Stadt zum Bereisen" gekürt ????

Gepostet von SALZBURG24 am Montag, 21. Oktober 2019

Ein Nächtigungsplus jagt das nächste

Der Tourismus in der Stadt Salzburg verzeichnet seit Jahren ständige Zuwächse. Im Mozartjahr 2006 (250. Geburtstag des Komponisten) wurde das Knacken der Zwei-Millionen-Grenze bei den Übernachtungen noch als Schallmauer betrachtet, inzwischen wurde die nächste Millionen-Marke überschritten. Keine aktuelle Zahlen gibt es hingegen über Tagestouristen. Die jüngste Studie datiert aus 2008, damals ging man von 5,5 Millionen Tagesgästen im Jahr aus.

Dass der heutige "Ritterschlag" mehr Gäste nach Salzburg spülen wird, ist laut Henderson aus der Erfahrung früherer Sieger-Städte zu erwarten, allein schon deswegen, weil die Nennungen meist mit Ereignissen zusammenfallen, wie in Salzburg mit dem Festspiel-Geburtstag. Und dass die Touristenmassen längst nicht mehr von allen Einheimischen als Segen empfunden werden, ist auch Preuner und Bert Brugger, Chef der Tourismus Salzburg GmbH (TSG), klar. Die heutige Auszeichnung ziele aber eindeutig auf den Nächtigungstourismus ab, und der sei nicht das Problem, so Brugger.

Tourismus in Salzburg: "Stoßen an Belastungsgrenzen"

Dieses ortet er vor allem bei jenen 60 Prozent der Bustouristen, die nicht in Salzburg übernachten, und bei den vielen Sommerurlaubern im Umland, die die Stadt als Schlechtwetterprogramm nutzen. Bei den Reisebussen hat Salzburg bereits mit einem Reservierungssystem mit fixen Slots reagiert, und für die Sommermonate wurde ein Bus-Shuttle vom Parkplatz bei Messezentrum eingerichtet. "Im Hochsommer und im Advent stoßen wir an die Belastungsgrenzen", räumte Brugger ein.

Daher sei man gerade auf der Suche nach einem Kompetenzpartner, mit dem Modelle entwickelt werden sollen, wie die Massen besser gelenkt werden können, welche "Interventionen" ergriffen werden sollten. Dazu sei auch die Auswertung vieler Daten, etwa von Bewegungsprofilen, Verkehrsströmen etc., erforderlich. Ergebnisse stellte Brugger für die kommenden ein bis drei Jahre in Aussicht. Zudem führe die TSG gemeinsam mit Salzburg Research gerade eine Umfrage durch, bei der alle Einheimischen eingeladen werden, Ideen für ein besseres Miteinander zu entwickeln.

Preuner strikt gegen Zutrittsbeschränkungen

Eines kommt für Preuner jedenfalls nicht infrage: Eine Zutrittsbeschränkung, wie sie zurzeit beispielsweise in Venedig diskutiert wird. "Das kann für Salzburg nicht der Weg sein, wir wollen eine offene, eine weltoffene Stadt bleiben."

Für die Bürgerliste (BL) sind die Maßnahmen zu wenig. D9ie Stadt Salzburg und ihre Bewohnerinnen und Bewohner würden vom Massenansturm überfordert. Für den Tourismussprecher der BL, Markus Grüner-Musil, fehle es grundlegend an der Bereitschaft, das alte System, wie mit Reisenden umgegangen wird, kritisch zu hinterfragen.

(Quelle: APA/S24)

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