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Nach Schlägen vor Kirche

Wieder Debatte um Bettelverbot in Salzburg

Ein Zwischenfall eines Franziskanerpaters mit mehreren Bettlern in der Salzburger Innenstadt hat nun in der Landeshauptstadt eine neuerliche Debatte über Bettelverbote entfacht.

Salzburg

Der Bettelorden hatte als Folge der Auseinandersetzung und wegen anderer Vorfälle mit Bettlern die Armen-Ausspeisung vorübergehend geschlossen. Am Dienstag kritisierte die Erzdiözese die Vorgangsweise der Mönche.

Brutale Szenen vor Franziskanerkirche

Unmittelbarer Auslöser war ein Vorfall am vergangenen Samstag. Vor der Franziskanerkirche waren mehrere Bettler in Streit geraten. Als ein Pater wegen des Lärms aus der Kirche kam und versuchte, den Streit zu schlichten, kam es zu einem Handgemenge, das letztlich von der Polizei geschlichtet werden musste. Am Montag zog der Orden die Konsequenzen und schloss vorübergehend seine Obdachlosenstube mit der Armen-Ausspeisung.

In den vergangenen Monaten sei es immer wieder zu Gewalt gegenüber Mitbrüdern gekommen. "Einem wurde im Vorjahr ein Zahn ausgeschlagen, ein anderer wurde geschlagen", sagte Provinzial Oliver Ruggenthaler. Die Bettler würden immer aggressiver auf Menschen zugehen und um den besten Platz streiten. "Vor allem ältere Menschen fürchten sich. Sie werden auf dem Weg zur Kirche bedrängt." Außerdem würden viele Obdachlose aus Angst vor den Bettlern nicht mehr zur Ausspeisung kommen.

Preuner winkt Ausweitung von Bettelverbot ab

Der Pater forderte eine Ausweitung des Bettelverbotes auf die Straßen rund um sein Kloster. Aber Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) winkte gleich ab. Gefordert sei die Polizei, die für Ordnung sorgen müsse, so der Stadtchef, der den Mönchen aber einen Gesprächstermin anbot. Die Erzdiözese kritisierte die Forderung des Paters nach einer Ausweitung der Verbotszone. Der Zwischenfall mache betroffen, "allerdings halten wir es für bedenklich, von diesem Vorfall eine Verschärfung des Bettelverbots abzuleiten", sagte Alois Dürlinger, Referent von Erzbischof Franz Lackner in Armuts- sowie in Asyl- und Flüchtlingsfragen, am Dienstag gegenüber Kathpress.

Bettelverbot: Erzdiözese warnt vor Ausweitung

Der Umgang mit Bettlern bleibe weiterhin eine große Herausforderung für die Stadt Salzburg. Eine Ausweitung des Bettelverbot werde die Situation allerdings nicht verbessern, sondern nur verlagern. "Als Kirche von Salzburg warnen wir vor so einer Vorgangsweise", so Dürlinger. Auch die Caritas Salzburg sprach sich am Dienstag in einer Presseaussendung gegen eine Ausweitung des Bettelverbots aus. "Ein weiteres Verbot wird keine Lösungen bringen", so Caritas-Direktor Johannes Dines. Man sei bereits die Franziskaner zu unterstützen.

Die Caritas ist durch Streetwork und Notschlafstellen im regelmäßigen Kontakt mit Armutsmigranten. Rund 18.400 Nächtigungen hat es 2018 im Notquartier im Haus Franziskus gegeben und ca. 3.000 Kontakte mit Notreisenden durch das Streetwork. "Seit Jahren kommt die gleiche Gruppe aus Rumänien nach Salzburg. Hier gibt es ein gutes Miteinander. Hin und wieder sind kleinere Gruppen in der Stadt, mit denen es weniger Kontakt gibt", erzählt Torsten Bichler, Fachbereichsleiter der Wohnungslosenhilfe. 

(APA/S24)

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