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Bettler: Roma-Schlafplätze unter Salzburger Brücken werden geräumt

Bettlerquartier unter der Staatsbrücke. FMT-Pictures/T.A.
Bettlerquartier unter der Staatsbrücke.

Die Schlafplätze unter zwei Salzburger Stadtbrücken sollen geräumt werden. Ende März hat die Caritas Salzburg ihre Notschlafstelle geschlossen, seither nächtigen Bettler aus Rumänien unter der Staats- und der Lehenerbrücke.

Die kirchliche Hilfsorganisation hat angekündigt, den Roma-Bettlern 15 bis 20 Betten jetzt doch wieder zur Verfügung zu stellen.

Schaden: "Müssen sofort handeln"

Die zugig-kalten Lager unter den Brücken liegen direkt über Radwegen oder über dem Fluss. Die Menschen wohnen dort mitsamt ihren Habseligkeiten des täglichen Gebrauchs. All das sei gefährlich, betonte Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ). "Wir müssen sofort handeln. Ich habe gerade erfahren, dass unter der Staatsbrücke wirklich lebensbedrohliche Zustände herrschen. Die Leute nächtigen zum Teil offenbar über der Wasserfläche. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn da einer reinfällt und zu Tode kommt. Die Leute werden jetzt umgehend informiert und aufgefordert, ihre Lager dort zu räumen", so der Bürgermeister im ORF.

Notquartier für Bettler

Nach Ostern werde das Bauamt der Stadt die Brückenquartiere mit Seilen oder Gittern so versperren, dass man dort nicht mehr nächtigen kann, wie der städtische Baudirektor Walter Hebsacker mitteilte. Die Caritas hatte das Notquartier "Arche Süd" im Stadtteil Herrnau bis 11. Jänner geöffnet. In diesem Raum mit 15 bis 20 Betten wurden nur Männer zugelassen. Danach übersiedelte das Notquartier in die leer stehende Landespflegeanstalt der Erzdiözese im Stadtteil Mülln, dort waren zehn Männer und bis zu 15 Frauen untergebracht. Ende März wurde auch dieses Quartier geschlossen.

Auf dringende Bitte der Stadt soll die Arche Süd laut Caritas jetzt wieder eröffnet werden. "Wir überlegen einen monatlichen Wechsel zwischen Männern und Frauen", so eine Caritas-Sprecherin im APA-Gespräch. "Es ist unmöglich, Männer und Frauen gemeinsam unterzubringen, da kommt es ständig zu Übergriffen.

Priesterseminar oder Bettler?

Die Caritas sei in Gesprächen mit der Diözese über die größeren Räumlichkeiten in Mülln, so Caritasdirektor Johannes Dines zur APA. "Ideal wäre die ehemalige Landespflegeanstalt. Da könnten wir mithilfe der Stadt, des Landes und der Diözese 40 bis 50 Menschen ganzjährig unterbringen. Das würde genügen. Aber die Diözese ist der syrisch-orthodoxen Kirche im Wort, dort ein Priesterseminar einzurichten."

"Unterbringung kostet 10.000 Euro"

Dines betonte, dass eine seriöse Unterbringen für 15 bis 20 Menschen nicht unter 10.000 Euro im Monat zu machen sein. Da braucht man nicht nur ehrenamtliches, sondern auch hauptamtliches Personal. Alles in allem aber ist das viel billiger, als Betteln einfach zu verbieten. Denn das hält die Menschen nicht ab. Es drängt sie bloß in die Illegalität, fördert Kriminalität und verhindert Kontrolle und Sicherheit", argumentierte Dines. Die Caritas sei aber dabei auf Spenden und Hilfsorganisationen angewiesen. "Die Stadt hat uns finanzielle Unterstützung zugesagt, die Höhe ist allerdings noch offen."

Preuner fordert weiterhin Bettlerverbot

Bürgermeister-Stellvertreter Harald Preuner (ÖVP), der unter anderem mit einer Anti-Bettler-Kampagne bei der Gemeindevertretungswahl im März vom Wähler eine Abfuhr bekommen hat, bleibt bei seiner Linie: "Erst haben sie in Wäldern gehaust, dann in Abbruchhäusern und jetzt unter Brücken. Das ist bedrohlich und gefährlich, es gibt keine Alternative zu einem rigorosen Bettelverbot", so Preuner im APA-Gespräch. Die Stadtpolitik will im Mai einen runden Tisch zur Bettlerproblematik. In Salzburg leben derzeit rund 160 Bettler auf der Straße. (APA)

(Quelle: S24)

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