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Bissattacke auf Polizisten in Lehen: Hundepsychologin sieht Territorialverhalten

In Wien müssen künftig alle Listenhunde einen Maulkorb tragen und angeleint sein. APA/Herbert Neubauer
In Wien müssen künftig alle Listenhunde einen Maulkorb tragen und angeleint sein.

Für Aufregung sorgte Sonntagnachmittag eine Hundeattacke auf zwei Polizisten im Salzburger Stadtteil Lehen, bei der die beiden Beamten am Arm verletzt wurden. Wie kann es sein, dass ein Hund auf Polizisten losgeht? Wir haben bei der Salzburger Tierpsychologin Regina Schuler nachgefragt.

Wenn Hunde einfach Personen angreifen, hat dies laut der Tierpsychologin häufig mit einer Unterforderung des Tieres zu tun: "Es ist leider so, dass die meisten Hunde nicht ihren Anlagen entsprechend gefördert werden. Sie sind gewissermaßen arbeitslose Spezialisten, die sich in manchen Fällen dann selbst eine Aufgabe suchen", so Regina Schuler vom Hundekompetenzzentrum Salzburg im Gespräch mit S24 am Dienstag.

Hundeattacke: Schuler sieht Territorialverhalten

Dass bei der Hundeattacke vergangenen Sonntag derart gezielt zwei Polizisten angegriffen wurden, kann laut Schuler auf ein Territorialverhalten des Tieres zurückgeführt werden. In diesem Fall dürfte der Hundehalter die Hundewiese in Lehen häufig für sich beanspruchen. "Polizisten sind dunkel gekleidet und haben ein entsprechend autoritäres Auftreten. Es kann sein, dass in einem solchen Fall bei einem Hund bestimmte Verhaltensmuster ausgelöst werden, die sehr wohl zuvor trainiert wurden", gibt die Tierpsychologin an.

Bei der Rasse Dogo Argentino handelt es sich zudem um einen Jagdhund. Als solche haben sie auch entsprechend viel Kraft, eine Bissattacke fällt in diesem Fall dann schwerwiegender aus als beispielsweise bei einem Dackel.

Neue Hundeausbildung in Österreich

Dass es nun Anstrengungen gibt, die Hundeausbildung in den Bundesländern neu zu gestalten, begrüßt Schuler. Sie wünscht sich dabei eine Ausbildung nach dem Vorbild der Stadt Hamburg: "Hamburg hat einen tollen Hundeführerschein entwickelt. Hier werden die Tiere wirklich auf Herz und Nieren geprüft. Die Halter müssen mit einem lizensierten Trainer in den Stadtpark gehen. Dabei muss sich der Hund unauffällig gegenüber anderen Hunden und Menschen verhalten." Erst dann darf das Tier auf ausgewiesenen Flächen frei herumlaufen.

Attraktivere Ausbildung gewünscht

Auch Elisabeth Färbinger vom Verein Partner-Hunde Österreich ist der Ansicht, dass die Ausbildung nicht nur auf Listenhunde abzielen sollte: "Viele Leute melden ihre Hunde gar nicht an. In Wahrheit sollten aber nicht nur Besitzer von Listenhunden in die Hundeschule gehen, sondern jeder Hundehalter." Sie wünscht sich, die Ausbildung generell attraktiver zu machen und hier nicht gänzlich über Verbote und Strafen zu handeln. Dass diese Attacken letztlich Auswirkungen auf alle Hundehalter haben, hält Färbinger für problematisch.

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