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Chefs zweigen 756.000 Euro von Personalleasingfirma ab: Prozess in Salzburg

Die beiden Männer musste sich am Dienstag vor Gericht verantworten. Neumayr/Symbolbild
Die beiden Männer musste sich am Dienstag vor Gericht verantworten.

Mindestens 756.000 Euro an erwirtschaftetem Umsatz sollen zwei geschäftsführende Gesellschafter einer Personalleasingfirma nicht zur Tilgung von Gläubigerforderungen, sondern für betriebsfremde Zwecke verwendet haben. Zudem sollen die beiden Männer, die am Dienstag vor einem Salzburger Schöffensenat standen, 90 Mitarbeitern den Lohn in Gesamthöhe von 247.741 Euro nicht ausbezahlt haben.

Diese beiden Vorwürfe sind zwar nicht die einzigen, aber die schwerwiegendsten, die Staatsanwalt Leon-Atris Karisch gegen die bisher unbescholtenen Angeklagten erhob. Die Beschuldigten, 43 und 42 Jahre alt, hätten zwischen Oktober 2010 und Mai 2011 das Vermögen der Gesellschaft verringert. Hohe Geldbeträge seien möglicherweise auf eigene Konten transferiert worden. Anhand Kundenausgangsrechnungen und Meldeverzeichnissen bei den Sozialversicherungsträgern habe man aber den Umsatz von 756.000 Euro rückrechnen können, sagte Karisch. Im Juni 2011 sei die Personalleasing GmbH dann insolvent geworden.

Salzburger Unternehmen mit 204 Mitarbeitern

Von Oktober 2010 bis Juni 2011 waren den Ausführungen des Staatsanwaltes zufolge 204 Arbeitnehmer bei dem Salzburger Unternehmen beschäftigt. In einem kurzen Zeitraum, nämlich von Jänner bis Juni 2011, seien 90 Arbeitnehmer angemeldet worden. "Für ihre Arbeitsleistung haben sie aber kein Geld bekommen", erklärte Karisch. Er warf den Beschuldigten in diesem Zusammenhang schweren, gewerbsmäßigen Betrug vor. Sie hätten einen Schaden von 247.741 Euro erwirkt und sich damit bereichert. Für viele Mitarbeiter seien auch keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt worden, Karisch nannte einen Gesamtbetrag von 119.428 Euro. Zudem seien 82.000 Euro in die Urlaubs- und Abfertigungskasse nicht einbezahlt worden.

Erstangeklagter bekennt sich teils schuldig

Der erstangeklagte 43-Jährige bekannte sich laut seinem Verteidiger zum Vorwurf der betrügerischen Krida schuldig, auch wenn der Schaden "wesentlich geringer" sei als 756.000 Euro. "Er gesteht jedenfalls über 50.000 Euro zu", sagte der Anwalt. Zum Vorwurf des schweren gewerbsmäßigen Betruges bekenne er sich aber nicht schuldig, denn sein Mandant sei seit März 2011 nicht mehr tätig in der Gesellschaft gewesen.

Zweitangeklagter weist alle Vorwürfe zurück

"Da war nur mehr der Zweitangeklagte als Geschäftsführer tätig." Der 42-Jährige wies aber jede Schuld von sich. "Er war nicht in diesen Funktionen tätig, wo er eine Verantwortung zu übernehmen hätte", erklärte Verteidiger Peter Lechenauer.

Die vorsitzende Richterin Gabriele Glatz wunderte sich allerdings darüber, dass der Zweitangeklagte trotz des anhängigen Strafverfahrens derzeit als gewerberechtlicher Geschäftsführer wieder bei einer Personalleasingfirma arbeitet. "Sie sollten kein Geschäftsführer sein", sagte die Richterin und schüttelte den Kopf. Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn Schulden in Höhe von einer Million Euro angegeben, sein ehemaliger Kollege gab 130.000 Euro an Schulden an.

Weitere Strafanträge anhängig

Gegen den Zweitangeklagten, der auch noch geschäftsführender Gesellschafter einer Baugesellschaft war, und gegen zwei weitere Österreicher wurden noch Strafanträge wegen grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Vorenthaltens von Sozialversicherungsabgaben, Veruntreuung eines Pkw und falsche Beweisaussage in das Verfahren einbezogen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

(APA)

(Quelle: S24)

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