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Spannende Chronologie

Von der Brodhäuslau zum Park in Salzburg-Parsch

Volksgarten im Wandel der Zeit

Der Volksgarten im Salzburger Stadtteil Parsch scheint aus einem langen Dornröschenschlaf zu erwachen. Wir zeigen euch die wichtigsten Punkte von der Entwicklung aus einer unberührten Au hin zum neuen Schmuckstück der Landeshauptstadt.

Salzburg

"Die erste Nutzung des heutigen Volksgartens ist in den 1850er-Jahren nachweisbar", weiß Josef Hofinger vom städtischen Stadtarchiv gegenüber SALZBURG24 zu berichten: "Dieser lange Zeitraum ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, auch welchem guten Baugrund sich das Areal befindet." Grund dafür ist die ewige Widmung des Salzburger Gemeinderats, dass der Volksgarten den Bewohnern als Park dienen soll.

Blick in Salzburgs Stadtgeschichte

Doch beginnen wir am Anfang. Historiker Hofinger nimmt uns auf eine Zeitreise ins Salzburg des vorletzten Jahrhunderts: Denn erst seit der Salzachregulierung um 1858 sind die Flächen im heutigen Gebiet des Volksgartens zu Fuß zu erreichen. Damals gab es nur einen Bootsanlegeplatz am Bürglstein. Durch weitere Infrastruktur-Maßnahmen, wie etwa dem Bau der Karolinenbrücke, konnte die restliche Salzburger Bevölkerung das Gebiet erreichen.

Rundgang durch neuen Volksgarten SALZBURG24 / Pfeifer
Ein S24-Lokalaugenschein im Salzburger Volksgarten.

Das ist der neue Volksgarten

Summende Insekten, quakende Frösche und zahlreiche Menschen in Bewegung: Es tut sich derzeit einiges im drittgrößten Park der Landeshauptstadt. Die Umgestaltung des Volksgartens befindet sich in den …

Die allerersten dokumentierten Bademöglichkeiten gab es im Aubach, einem ehemaligen Seitenarm der Salzach. "Das alte Freibad an der Brodhäuslau war wohl mehr ein Tümpel als eine erfrischende Badeanstalt", erzählt Hofinger. Zwar gab es einen Steg, Umkleidekabinen und das Bad war mit Pflöcken im Wasser abgesteckt, "doch Frauen und Männer waren voneinander getrennt." Das namensgebende Häuschen – das Brodhäusl – befand sich übrigens nördlich des heutigen Gasthauses Steinlechner.

Freibad in der Brodhäuslau 

"Um 1888 hat der Gemeinderat den Park in die Stadtplanung eingebettet", schildert Hofinger. 1892 wurde im Augelände, dass damals noch mehr Wildnis als Stadtgebiet war, dann nicht nur eine Schutzhütte für 100 Personen errichtet, sondern auch ein großer Kinderspiel- und Turnplatz und zusätzlich ein rund 680 Quadratmeter großes Schwimmbecken. "In der ersten Saison kamen etwa 20.000 Besucher", zeigt der Historiker auf. "Männer und Frauen waren weiterhin strikt voneinander getrennt und mussten sich alle drei Stunden abwechseln." Dieses Prozedere hielt sich bis etwa 1930.

 

1898 war wohl das geschichtsträchtigste Jahr des heutigen Volksgarten, denn in diesem Jahr fand die feierliche Eröffnung zu Ehren des 50-jährigen Thronjubiläums des Kaisers statt, "weshalb der Park zuerst auch Franz-Josef-Park hieß, worauf heute noch eine Gedenktafel hinweist", führt der Experte vom Stadtarchiv aus.

Rundgang durch neuen Volksgarten SALZBURG24 / Pfeifer
Das alte Denkmal zu Ehren von Kaiser Franz-Josef wurde saniert.

"Damals war ganz Salzburg und die Stadt-Prominenz auf den Beinen, um den Kaiser zu ehren." Das Besondere: "Der Park wurde in einen Ausstellungs- und Belustigungspark umfunktioniert und die grundlegende Strukturen sind bis heute größtenteils erhalten geblieben." Es folgten ständige Ausbauten und Erweiterungen, wie etwa ein zweites Schwimmbecken im Freibad.

Dult steigt im Franz-Josef-Park

Und in der Zwischenzeit – ab 1897 – fand die Dult in aller Regelmäßigkeit in dem künftigen Naherholungsgebiet statt. "Ausnahme waren Kriegszeiten", wirft Hofinger ein, "das letzte Mal stieg dort das traditionelle Fest im Jahr 1957. Es gab schon immer Veranstaltungen im Volksgarten, die Verbindung aus Kultur und Sport zieht sich bis zum heutigen Tag."

EINMALIGE NUTZUNG VOM STADTARCHIV (nicht verwenden!), Volksgarten, Dult Stadtarchiv Salzburg
Kurz vor der Jahrhundertwende fand die Salzburger Dult erstmals im Volksgarten statt. Eine Aufnahme auf dem Jahr 1929.

Eine Trabrennbahn am jetzigen Ignaz-Rieder-Kai erweiterte ab 1902 das Angebot rund um den Park in Salzburg-Parsch. Bis 1961 fanden dort über 1.000 Rennen statt, ehe man nach Liefering übersiedelte.

EINMALIGE NUTZUNG VOM STADTARCHIV (nicht verwenden!), Volksgarten, Dult Stadtarchiv Salzburg
Kurz vor der Jahrhundertwende fand die Salzburger Dult erstmals im Volksgarten statt. Eine Aufnahme auf dem Jahr 1929.

Umbenennung in Volksgarten

Seinen heutigen Namen hat das Gebiet erst nach dem Ersten Weltkrieg bekommen. Hofinger: "Die Dynastie der Habsburger war Geschichte und die Demokratie war zumindest vorübergehend am Aufkommen. Daher auch der Name Volksgarten, so wie auch zahlreiche andere Parks in Österreich benannt wurden." So sollte die Erinnerung an die Monarchie getilgt werden. Der Name "Franz-Josef-Park" ist aber heute noch in einigen Stadtplänen zu finden.

Sauna, Minigolf und Co

Eine Salzburger Institution war die Volksgartensauna, die im Jahr 1943 von einem SS-Baukommando mit Zwangsarbeitern errichtet wurde und bis 2010 in Betrieb war. Im September 1945 stieg das erste Fußball-Länderspiel der Nachkriegszeit. Und ein halbes Jahr später eröffnete der Salzburger Vergnügungspark auf seinem alten Standplatz wieder seinen Betrieb. Im Sommer 1949 veranstaltete der Kriegsopferverband zugunsten der Kriegsversehrten im Volksgarten vor mehr als 10.000 Menschen eine Riesentombola mit einem Puch-Motorrad als Hauptpreis.

In dieser Zeit fanden sich zahlreiche Pächter im Volksgarten wider. Der Weiher war für jedermann zugänglich. Im Sommer haben Geschäftsleute versucht, Geld mit dem Bootsverleih zu verdienen und im Winter beim Schlittschuhverleih. "Die Minigolfanlage war außerdem ein richtiges Prestigeobjekt, um tatsächlich Golfer nach Salzburg zu locken“, berichtet Hofinger. 1960 wurde dann die Kunsteisbahn eröffnet, die 2001 um die Eisarena erweitert wurde.

Park schläft ein – und wacht wieder auf

Doch in den letzten Jahrzehnten ist der Volksgarten immer weiter eingeschlafen und fristete ein eher stiefmütterliches Dasein, obwohl es durchaus Angebote für die Bevölkerung gab. Mehrere Projekte, wie ein Gasthaus, scheiterten aus den unterschiedlichsten Gründen schon in der Planungsphase.

Erste Gedanken zur Umgestaltung des Volksgartens kamen in den 1990er-Jahren auf, doch daraus ist bekanntlich nie etwas geworden. Bis vor einigen Jahren, als die Salzburger Stadtgärten mit konkreten Ideen auf die Politik zugegangen ist. Seitdem hat sich einiges getan, komplett fertig sein soll das Mega-Projekt in Salzburg-Parsch heuer im Herbst.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 22.09.2021 um 12:21 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/chronologie-von-salzburger-brodhaeuslau-zum-heutigen-volksgarten-106951315

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