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Altstadt voller Menschen

Coronas Einfluss auf Salzburgs Geschäftslokale

"Große Unsicherheit" bei Ladenmietern in der Mozartstadt

Mehr als zwei Monate lang waren Salzburgs Unternehmern die Hände gebunden. Wegen des Corona-Lockdowns mussten die allermeisten Geschäfte teilweise komplett zugesperrt werden. Wir haben uns umgehört, welchen Einfluss die Pandemie auf die Geschäfte in der Landeshauptstadt hat.

Salzburg

Wenn man dieser Tage durch die Salzburger Altstadt spaziert, dann macht es den Anschein – abgesehen von vereinzelten Menschen mit MNS-Masken und Schildern mit dem Hinweis zur Einhaltung des Sicherheitsabstands – als ob es das Coronavirus gar nicht mehr gibt.

SB: Shopping, Shoppen, Einkaufen, Linzer Gasse, Linzergasse SALZBURG24 / Marcel Wurzer
Auch in der Linzer Gasse sind wieder spürbar mehr Menschen unterwegs.

Getreidegasse und Linzer Gasse platzen aus allen Nähten, Restaurants und Cafés werden von unzähligen Einheimischen und Touristen bevölkert. "Es sind spürbar mehr Menschen unterwegs", bestätigt auch Ursula Maier vom Altstadt Marketing im Gespräch mit SALZBURG24: "Die Festspiele haben natürlich einen positiven Einfluss auf Salzburg, aber wir zählen auch immer mehr Tagestouristen." Es macht den Eindruck, dass die Stimmung überall bestens ist.

Fast alle Läden mussten schließen

Doch wird hier nur gute Miene zum bösen Spiel gemacht? Zur Erinnerung: Am 16. März 2020 mussten in ganz Österreich sämtliche nicht für die Grundversorgung nötigen Geschäfte, wie Supermärkte, Apotheken oder Trafiken, schließen. Bars, Restaurants und Kaffeehäuser durften nur noch bis 15 Uhr öffnen. Der Rest musste zusperren. Die meisten von uns wussten damals wohl selbst nicht, welche Maßnahmen noch getroffen werden könnten.

Große Unsicherheit bei Mietern

"Die Unsicherheit war sehr groß", sagt Walter Windischbauer vom Salzburger Mieterschutzverband zu S24. "Zum Zeitpunkt des Lockdowns hatten wir eine enorme Zunahme an Anfragen von Mietern." Denn als Firmen aufgrund der Corona-Krise ihre Geschäfte schließen mussten, entfiel ihr Umsatz, aber die Fixkosten blieben – insbesondere für die Miete.

Diese Situation sei für alle neu gewesen, erinnert sich auch Wolfgang Maislinger von Hölzl & Hubner Immobilien im S24-Telefoninterview. "Insbesondere der Einzelhandel, die Gastronomie und Hotellerie waren stark betroffen", weiß der Salzburger Immobilientreuhänder. "Wir haben in dieser Zeit sehr viele Gespräche mit Objekteigentümern und Mietern geführt – beide Seiten waren extrem verunsichert." In den meisten Fällen habe man sich schließlich auf Stundungen, gestaffelte Zahlungen oder auch temporären Mieterlass einigen können.

Geschäftslokal, Leerstand, Geschäft, Laden, Griesgasse SALZBURG24 / Marcel Wurzer
Nach fünf Jahren hat ein Koffer-Geschäft in der Griesgasse zugesperrt.

Eine Mietzinsbefreiung wurde übrigens in 58 Fällen von Mietern von städtischen Geschäftslokalen in Anspruch genommen, teilte die Landeshauptstadt auf S24-Anfrage mit. Insgesamt vermietet die Stadt Salzburg eigenen Angaben zufolge 115 Geschäftslokale. Hierbei handelt es sich etwa um Lokale, die in der "Sockelzone" eines städtischen Wohnblocks situiert sind.

Bei gesperrten Geschäften könnte Miete entfallen

Die meisten Ladeninhaber hätten während des Lockdowns keine volle Miete zahlen müssen, erklärt Windischbauer vom Mieterschutzverband mit Verweis auf das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch. Denn wenn der Mietgegenstand aufgrund außergewöhnlicher Fälle, wie Covid-19, gar nicht benutzt werden kann, müsse auch kein Mietzins bezahlt werden. Wenn das Mietobjekt nur teilweise wie vereinbart als Verkaufsraum nutzbar ist, müsse der Mietzins nur teilweise entrichtet werden. Allerdings müsse jeder Mieter in seinen Vertrag schauen, denn er könnte beinhalten, dass der Mieter das Risiko von außerordentlichen Zufällen, wie etwa Epidemien, trägt.

 

Ob und wie viele Geschäfte konkret durch die Corona-Krise schließen mussten, konnte laut Auskunft von der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS) bis dato noch nicht erhoben werden. Einige Geschäftslokale dürften bereits vor Corona in finanzielle Schieflage geraten sein und mussten nun zusperren. Die Pandemie sei deren endgültiger Gnadenstoß gewesen. Immobilien-Experte Maislinger ergänzt: "Andere Mieter haben ihre Geschäftsschließungen vorgezogen, etwa weil in absehbarer Zeit kein Nachfolger gefunden werden konnte.“

Geschäftslokal, Leerstand, Geschäft, Laden, Kapitelgasse SALZBURG24 / Marcel Wurzer
In der Kapitelgasse hat im Sommer ein Schreibwarengeschäft nach fast 40 Jahren zugesperrt.

Auf der anderen Seite hätten bereits neue Mieter leerstehende Geschäftslokale im Zentrum der Mozartstadt bezogen. "Der Markt ist stabil", bewertet Maislinger die aktuelle Lage.

Hilfsangebote für Geschäftslokale

"Durch unsere Intervention konnten wir oft Kompromisse erzielen", erläutert Mieter-Vertreter Windischbauer, "es musste aber in jedem Einzelfall geprüft werden, ob und inwieweit Ansprüche auf Mietzinsminderung auch tatsächlich bestehen." Das bestätigt auch die Wirtschaftskammer: "Härtefallfonds und Fixkostenzuschüsse wurden gut angenommen", schildert Christian Pauer, Referent für Allgemeines Unternehmensrecht bei der WKS gegenüber S24. Noch heute würden diesbezüglich Anfragen eintrudeln – aber mittlerweile bedeutend weniger. "Im ersten Monat des Lockdowns haben wir auch am Wochenende im Journaldienst gearbeitet, um verunsicherte Mieter und Eigentümer zu beraten."

Das Mietrecht sei "eine sehr komplexe Rechtslage", betont Pauer. Man habe sich jeden Einzelfall gesondert anschauen müssen. Freilich sei deswegen künftig noch mit Rechtsstreitigkeiten zu rechnen, da sind sich alle Experten einig.

Neues Publikum in Salzburger Altstadt?

Schließlich kehrte nach Ostern das Leben allmählich in die Salzburger Altstadt zurück, zuerst durften Geschäfte unter 400 Quadratmetern wieder öffnen. Nach dem Handel folgten Mitte Mai die zahlreichen Gastronomiebetriebe, Hotels konnten Ende Mai wieder aufsperren. "Das Zielpublikum in der Getreidegasse und Linzer Gasse – das ist Salzburgs 'High Street Lage' – zeichnete sich vor Corona vor allem durch ausländische Touristen aus, die mit dem Flugzeug in die Mozartstadt kommen", sagt Maislinger. "Diese fehlen noch immer, obwohl die hohe Frequenz wieder da ist." Der Immobilien-Experte beobachtet dahingehend eine Verschiebung: "Nun bevölkern hauptsächlich Touristen aus Deutschland und aus Österreichs Nachbarländern die Altstadt."

SB: Shopping, Shoppen, Einkaufen, Getreidegasse SALZBURG24 / Marcel Wurzer
Es ist wieder einiges los im Herzen der salzburger Altstadt.

Einfluss auf die hohen Mietpreise im Salzburger Stadtzentrum dürfte die Corona-Krise übrigens nicht haben. "Einen Mietpreisverfall beobachten wir nicht", berichtet Maislinger. "Die hohen Mietpreise sind das Ergebnis der Entwicklung der letzten Jahrzehnte." Der Mietpreis hänge demnach vom Umsatz ab, der in einer bestimmten Lage erzielt werden könne. "Und solange entsprechende Umsätze generiert werden, geht das auch so weiter", ist Maislinger überzeugt.

(Quelle: SALZBURG24)

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