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Ehepaar im Spital

Erster Coronavirus-Verdacht in der Stadt Salzburg

Ergebnisse zur Infektion am Wochenende

CORONAVIRUS - ERSTER VERDACHTSFALL IN SALZBURG UNIKLINIKUM =.jpg APA/VERA REITER
Das Ehepaar wird im Salzburger Landeskrankenhaus behandelt. 

In Salzburg gibt es einen ersten Coronavirus-Verdachtsfall. Eine Salzburgerin, die mit ihrem Mann von einer Schiffsreise Ende Jänner aus China zurückgekehrt war, klagte über Kreislaufprobleme und Durchfall und suchte deshalb am Donnerstagabend das Uniklinikum Salzburg auf. Dort werden sie und auch ihr Mann auf der Isolierstation betreut. Der Verdachtsfall ist noch nicht bestätigt.

Salzburg

Bevor die Mitte-50-jährige Frau mit ihrem Begleiter die Schiffsreise antrat, hielten sich die beiden einen Tag in Peking auf. Auf der Schiffsreise seien dann Symptome eines grippalen Infekts aufgetreten, mit Husten und leichtem Fieber, schilderte Richard Greil, Leiter der 3. Medizin des Uniklinikums Salzburg, in der auch die Isolierstation untergebracht ist.

Frau leidet an Durchfall und Kreislaufproblemen

Bei der Rückkehr litt die Frau an akutem Durchfall und Kreislaufproblemen aufgrund des Flüssigkeitsverlusts. In Salzburg verständigte die Frau die Rettung. "Sie erklärte, dass sie in China gewesen ist." Seitens der Rettung sei dann die Meldung erfolgt, dass es sich um einen Coronavirus-Verdachtsfall handeln könnte, erklärte der Primar am Freitag bei einem Mediengespräch in der Klinik.

Primar Richard Greil VOGL-Perspektive.at
Richard Greil, Leiter der 3. Medizin des Uniklinikums Salzburg, ist im Bundesland der Experte für das Coronavirus.

Salzburger Paar auf Isolierstation

Das Paar wurde vorsorglich stationär aufgenommen und in die Isolierstation gebracht. Eine Blut- und Harnprobe wurde nach Wien geschickt. Greil rechnet damit, dass das Ergebnis in der Nacht auf Samstag oder am Samstag im Laufe des Nachmittages vorliegen wird. Eine Influenza-Infektion wurde bei der Patientin jedenfalls nicht festgestellt. "Sie ist im Moment beschwerdefrei", sagte der Onkologe. Gestern hatte sie noch eine Körpertemperatur von "leicht über 37 Grad" und Durchfall.

Partner zeigt keine Symptome

Der Partner der Salzburgerin hat bisher keine Anzeichen einer Krankheit gezeigt. Falls die Testergebnisse negativ sind, dürfen die beiden das Krankenhaus verlassen, ansonsten müssen sie vorerst noch in der Klinik bleiben. Die maximale Inkubationszeit bei tatsächlich Erkrankten betrage 14 Tage, sagte Greil. Bei Beschwerdefreiheit spreche aber grundsätzlich nichts dagegen, wenn sich Patienten in Quarantäne nach Hause begeben. Auf der Isolierstation - die einzige im Bundesland Salzburg - gebe es vier Betten. Grundsätzlich könnten Patienten mit ansteckenden Erkrankungen auch in Standardzimmer untergebracht werden, solange diese eine Schleuse vorweisen.

Corona-Tests auch in Salzburg

Angedacht ist, dass Tests zum Nachweis des Coronavirus auch in Salzburg durchgeführt werden können, "um ressourcen- und zeitschonend vorzugehen", erklärte der Primar. Je niedriger die Definitionsschwelle eines Verdachtsfalles sei, umso mehr Nachfragen gebe es. Im Laufe der nächsten Woche werde man sich um Testsysteme im niedergelassenen Ärztebereich bemühen. Eine entsprechende Zahl von Ärzten sollte dafür geschult werden.

Mehr Verdachtsfälle in Europa erwartet

Angesichts der Tatsache, dass nun ganz China als Risikogebiet gelte, werden auch in Europa mehr Verdachtsfälle und auch mehr bestätigte Fälle erwartet, meinte Greil. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe am Donnerstagabend den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, gab er zu bedenken. Die Definition der Symptomatik eines Coronavirus habe sich mittlerweile geändert und sei niederschwelliger geworden. Zunächst musste der Patient aus Wuhan kommen und Anzeichen einer Lungenentzündung mit trockenem Husten und Fieber aufweisen. Im Laufe der Zeit habe sich herausgestellt, dass die Erkrankten auch an oberen Atemwegsinfektionen und in seltenen Fällen an Durchfällen litten. Das sei auch ein Argument dafür gewesen, die beiden Salzburger in die Klinik aufzunehmen.

Salzburg: Weitere Schritte werden überlegt

Das Gesundheitsamt und das Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Salzburg gehen mit dem aktuellen Coronavirus-Verdachtsfall "unaufgeregt um", wie die Stadt Salzburg am Freitag in einer Aussendung beruhigte. Während die unmittelbare Behandlung im Krankenhaus stattfinde, seien einige Behördenmitarbeiter aktuell damit beschäftigt, Kontaktpersonen und Umfeld zu erheben. "Sollte sich herausstellen, dass es sich um einen tatsächlichen Krankheitsfall handelt, kann die Bezirksverwaltungsbehörde auf Basis von Epidemiegesetz, Verordnungen, WHO-Vorgaben und vorbereitetem Krisenplan weiter tätig werden."

Bei den Erhebungen bestehe Auskunftspflicht. Erkrankte sowie krankheits- oder ansteckungsverdächtige Personen können laut Gesetz rechtskonform abgesondert und sanitätspolizeilich überwacht werden. "Dabei wird immer verantwortungsbewusst und nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vorgegangen", hieß es. "Mit der Grippe hat man in der Welt Erfahrung, aber eine Infektion, die von weit her kommt, löst andere Empfindungen aus, obwohl das nicht rational ist", beurteilt der Primar die derzeitige Aufregung um das Coronavirus.

(Quelle: APA)

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