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Dauerhafte Sommerzeit: Würden wir wirklich "dicker, dümmer und grantiger" werden?

Im kommenden Jahr soll Schluss sein mit der Zeitumstellung. APA/dpa-Zentralbild/Sebastian Willnow
Im kommenden Jahr soll Schluss sein mit der Zeitumstellung.

Dass die Einführung der permanenten Sommerzeit die Europäer "dicker, dümmer und grantiger" machen würde, wie ein deutscher Chronobiologe warnt, weisen die Salzburger Schlafforscher Manuel Schabus und Christine Blume als Panikmache zurück. Aus der wissenschaftlichen Datenlage könne keine klare Empfehlung pro oder contra Sommerzeit abgeleitet werden, so die Wissenschafter der Universität Salzburg am Montag in einer Aussendung.

Ein weit größeres Problem für den Biorhythmus als eine Stunde länger Dunkelheit in der Früh bzw. länger Tageslicht am Abend sehen die Forscher in der nächtlichen Nutzung von künstlichem Licht und insbesondere Smartphones und Laptops, die wegen ihres hohen Blaulichtanteils munter machen.

In 80 Ländern wird derzeit die Zeit umgestellt

Ungefähr 80 Länder der Welt stellen zweimal jährlich die Zeit um. Am letzten März-Wochenende werden die Uhren in Europa eine Stunde vorgerückt, wir verlieren quasi eine Stunde. Am letzten Oktoberwochenende geht es andersherum, wir bekommen gewissermaßen die Stunde zurück. Vielen Menschen macht der Umstieg von der Winter- auf die Sommerzeit in den ersten Tagen der Umstellung anscheinend zu schaffen. Schlafstörungen, Leistungsabfall, sogar erhöhtes Herzinfarktrisiko werden berichtet, wobei sich die Effekte mit der Umstellung im Herbst egalisieren. Laut der Umfrage "Wie schläft Österreich?", die die Salzburger Schlafforscher derzeit durchführen, haben die meisten Österreicher jedoch keine oder nur leichte Probleme mit der Zeitumstellung (72 Prozent).

Nach einer europaweiten Umfrage will nun die EU-Kommission Schluss machen mit der Zeitumstellung. Europaweit hat sich eine deutliche Mehrheit für die Sommervariante ausgesprochen. Doch davor warnt mit drastischen Worten der deutsche Schlafforscher Till Roenneberg von der Universität München. Wir würden "dicker, dümmer und grantiger" werden. Zudem würden uns Länder, die nicht dauerhaft die Sommerzeit einführen, "akademisch überholen".

Salzburger Forscher: "Keine gut kontrolllierbare Studie zu Sommerzeit"

Der Grund: Bei permanenter Sommerzeit verschlechtere sich die Passung zwischen natürlichen Lichteinflüssen und dem Schlaf-Wach-Rhythmus. In der Konsequenz müsse man deutlich häufiger im Dunkeln aufstehen. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit für Diabetes und Depressionen. Es entstünden Schlaf- und Lernprobleme, die Leistungsfähigkeit nehme ab, besonders bei Schülern und Studenten, die das Gelernte bei einem chronischen Schlafmangel nicht genügend festigen könnten.

Für Manuel Schabus und Christine Blume vom Schlaflabor der Universität Salzburg ist das Panikmache. "Es gibt keine gut kontrollierte Studie zur dauerhaften Sommerzeit und die Faktoren, die auf den Schlaf wirken, sind komplex. Die fatalen Effekte, die Herr Roenneberg prophezeit, sind unserer Ansicht nach nicht zu erwarten", sagt Schabus. "Selbst wenn die permanente Sommerzeit den sozialen Jetlag begünstigen sollte, ist nicht von solch dramatischen Folgen auszugehen", sagt Blume. "Wir sollten die Flexibilität unserer biologischen Uhr nicht unterschätzen. Wir können große Unterschiede in der Länge der Tage und Nächte im Jahresverlauf kompensieren und uns theoretisch sogar an Tage anpassen, die länger als 24 Stunden sind wie beispielsweise ein Tag auf dem Mars. Angesichts dessen ist es wenig wahrscheinlich, dass eine Stunde länger Dunkelheit in der Früh bzw. eine Stunde länger Tageslicht am Abend für die Gesundheit unserer Gesellschaft solch drastische Konsequenzen haben wird. Sozialer Jetlag bedeutet außerdem nicht automatisch ein Schlafdefizit, sondern kann auch einfach die Folge eines aktiveren Soziallebens sein (z.B. am Wochenende zwei Stunden später zu Bett zu gehen und auch aufzustehen) und viele Studien zeigen, dass das ein enorm wichtiger Gesundheitsfaktor ist. Aus wissenschaftlicher Sicht ist nicht nachvollziehbar, wie sich daraus schwerwiegende Einflüsse auf die Gesundheit ergeben sollten."

Außerdem gebe es weltweit viele Regionen, auch in Europa, zum Beispiel in Frankreich und Spanien, in denen die Menschen immer in der "falschen" Zeitzone leben. Teilweise sind das Verschiebungen um bis zu drei Stunden. "Hätte Roenneberg Recht, müssten diese Menschen massiv unter sozialem Jetlag leiden. Dazu findet man in der wissenschaftlichen Literatur aber nichts", sagt Blume.

 

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