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Demo bei Volksgarten eskaliert: Ermittlungen nach Angriff auf Polizisten

Nach der eigentlich friedlichen Demonstration am Donnerstagnachmittag kam es beim Volksgarten zu einer Eskalation. Polizei und Demonstranten stellen die Ereignisse jeweils anders dar. Vor allem der Angriff auf einen Polizisten mit einer Eisenstange wird von den Demonstranten bezweifelt. Laut Polizeisprecher Michael Rausch, hat die Behörde dafür aber "gesicherte Aufnahmen."

Beim Zusammenstoß zwischen Demonstranten und der Polizei beim Kreisverkehr des Volksgartens (einen ausführlichen Bericht dazu findet ihr HIER) wurden mehrere Personen in Gewahrsam genommen, zwei wurden festgenommen. Einer der Festgenommenen wurde in die Justizanstalt Puch-Urstein gebracht.

Solidarisches Salzburg: Reaktion der Polizei "unverhältnismäßig"

Man wisse nicht, ob die Polizei überfordert war oder, ob es generell eine Eskalationstaktik gegeben habe, sagt ein Sprecher von "Solidarisches Salzburg" im Gespräch mit S24. Die Version der Polizei, nach der Polizisten mit einer Eisenstange angegriffen wurden, zweifelt man an. Ob es von Seiten der Demonstranten Beschimpfungen gegeben hat, kann "Solidarisches Salzburg" nicht ausschließen. Dieses Verhalten werde nicht gutgeheißen, die Reaktion der Polizei auf den zivilen Protest sei dennoch unverhältnismäßig gewesen.

Die Polizei ging bei der Demonstration gegen Teilnehmer vor. Foto: Solidarisches Salzburg Salzburg24
Die Polizei ging bei der Demonstration gegen Teilnehmer vor. Foto: Solidarisches Salzburg

Rausch: "Gesicherte Aufnahmen von Angriff mit Stange"

Aus Sicht der Polizei waren die Festhaltungen gerechtfertigt. Polizeisprecher Michael Rausch erklärt gegenüber SALZBURG24: "Wir haben gesicherte Aufnahmen die zeigen, wie ein Demonstrant mit einer Stange auf einen Beamten losgeht. Man sieht auch, wie das Plexiglas-Schild des Beamten zu Bruch geht." Rausch relativiert aber vorhergehende Informationen der Polizei, dass es sich um eine Eisenstange gehandelt habe. Diese könnte auch aus einem anderen Material gewesen sein. Wie Polizei am Freitag kurz vor elf Uhr Vormittag in einer Aussendung bekannt gab, passierte dieser Angriff bereits während einem Handgemenge am Platz in der Linzergasse.

Die Polizei veröffentlicht am Freitag ein Bild des Angriffs. Foto: LPD Salzburg Salzburg24
Die Polizei veröffentlicht am Freitag ein Bild des Angriffs. Foto: LPD Salzburg

Der mutmaßliche Angreifer, ein 23-Jähriger aus dem deutschen Passau, wurde später beim Volksgarten festgenommen und in die Justizanstalt Puch-Urstein gebracht. Gegen ihn wird wegen versuchter schwerer Körperverletzung, versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt und schwerer Sachbeschädigung derzeit ermittelt.

Nach Demonstration: Ermittlungen gegen acht Personen

Zusätzlich dazu ermittelt die Polizei gegen acht weitere Personen. Ihnen wird Sachbeschädigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen. Die weitere Vorgangsweise ist nun Sache der Staatsanwaltschaft. Diese war für SALZBURG24 am Freitagvormittag nicht erreichbar. Bei der spontanen Protestaktion am Abend vor dem Gebäude der Landespolizeidirektion hat es laut Rausch eine weitere Festnahme gegeben: Diese Person wurde aber wenig später wieder freigelassen.

Für das Rote Kreuz verlief der Abend der Demonstration hingegen ruhig. " Wir haben eine leicht verletzte Person mit dem Rettungswagen ins Landeskrankenhaus gebracht", erklärt Marie Schulz gegenüber SALZBURG24. Im Unfallkrankenhaus wurden ebenfalls drei Personen behandelt. In der Linzergasse haben einige Demonstranten am Donnerstag schon während der großen Kundgebung am Nachmittag Parolen wie "No Borders", "No Cops" oder "Stop Being Nazis" auf ein halbes Dutzend Geschäftsfassaden und Auslagenscheiben gesprüht, auf das Straßenpflaster wurden mehrfach Hammer und Sichel und anarchistische Symbole gemalt. Angaben über die Höhe des Schadens liegen noch nicht vor, berichtet die APA am Freitag.

Tamino Böhm hält Rede in Polizeiwagen

Einer, der sich trotz Festhaltung nicht von seinen Plänen abhalten ließ, ist Tamino Böhm. Der Leiter der Seenotrettungsmission "Moonbird" von "Seawatch" hätte am Donnerstag eigentlich noch eine Rede halten sollen. Alina Kugler, Sprecherin von "Solidarisches Salzburg", schildert die Situation in einem Statement auf Facebook: "Kurz bevor wir nach der eigentlichen Demo (...) noch im Volksgarten eine zweite Kundgebung mit Reden und Musik beginnen wollten, erreichte uns die Nachricht von der Festsetzung mehrerer Personen vor dem Freibad beim Volksgarten. Wir haben die Teilnehmenden der Kundgebung zu Solidarität aufgerufen. Mit dabei war auch der Projektleiter von Seawatch Tamino, der gleich nach unserer Ankunft dort – ohne für mich erkennbaren Grund – festgenommen wurde. Da ich direkt neben ihm stand, konnte ich die Festnahme unmittelbar beobachten. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, warum die Polizei ihn festgenommen hat, wenn nicht um die Situation zu eskalieren."

Als Polizisten ihn in einen Polizeiwagen bringen, streamt er seine Ansprache kurzerhand live über Facebook: "Ich lasse mir das Reden auf Demos nicht verbieten und ich werde jetzt diese Rede halten", spricht er in die Kamera, während im Hintergrund die Menge "Lasst sie frei" skandiert.

Stimmung bei Demonstration generell friedlich und positiv

Aus Sicht von "Solidarisches Salzburg" waren der Alternativ Gipfel und die begleitenden Demonstrationen bis zur Eskalation am Donnerstagabend ein Erfolg. Die Stimmung war friedlich und positiv, heißt es von den Organisatoren. Beim Platzl gab es ebenfalls einen kleinen Zwischenfall, in den auch der Grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon verwickelt war (wir haben berichtet). Vor der Konfrontation beim Volksgarten habe man auch die Polizei als zurückhaltend erlebt, umso überraschender sei die Eskalation am Abend beim Volksgarten gewesen.

(SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 18.12.2018 um 05:56 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/demo-bei-volksgarten-eskaliert-ermittlungen-nach-angriff-auf-polizisten-60249421

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