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"Macht meine Therapie!"

Bier-Philosoph Dirk Baert im Sonntags-Talk

Biersommelier, Bierbrauer, Barbesitzer, Unternehmer, Lebenskünstler und Philosoph: Dirk Baert hat sehr viele Rollen, wie er uns im Sonntags-Talk verrät. Sein Leben – das der 36-Jährige selbst als "Kunstprojekt" bezeichnet – lässt sich nur sehr schwer in Worte fassen. Wir versuchen es dennoch.

Dirk Baert kam vor rund zehn Jahren nach Salzburg. Mit seinen zwei Bars Alchimiste Belge und Beffa Bar hat er das Leben in der Mozartstadt mitgeprägt und den Salzburgern die belgische Bierkultur nähergebracht. Im Interview gibt Baert Einblick in sein neuestes Projekt in der Gemeinde Koppl (Flachgau) und erklärt, warum er eine "Top 18 der besten Kaspressknödelsuppen" erstellt hat.

SALZBURG24: Dirk, Du bist aus Belgien. Wie hat es dich nach Salzburg verschlagen?

DIRK BAERT: Ich war in Belgien, mein Studium war zu Ende und so auch meine Beziehung. Ich wollte dann auch nicht mehr länger bleiben, also habe ich meine Eltern gefragt, ob sie mich zu einer Tankstelle bringen. Von dort aus bin ich per Anhalter herumgereist. Zuerst wollte ich einmal nichts von der Welt wissen und war für zwei Monate in einem buddhistischen Kloster in Frankreich. Nach einigen weiteren Monaten des Reisens ging mir das Geld aus und es hat mich an den Neusiedler See verschlagen, wo ich Englisch unterrichtete.

Kurze Zeit später habe ich meinen damaligen Geschäftspartner in Salzburg getroffen. Er wollte Sandwiches verkaufen, ich wollte etwas mit Bier machen. Also haben wir anfangs beides im Alchimiste Belge umgesetzt. Ein paar Monate später war auch schon wieder Schluss mit dem Sandwich-Verkauf und ich konnte mich voll und ganz auf das Bier konzentrieren. In dem Moment habe ich mich dann auch dazu entschieden, dass ich in Österreich bleiben werde. Und damit nahm alles seinen Lauf.

Am 1. Mai feierst Du bereits das zehnjährige Bestehen des Alchimiste Belge. Wie blickst du auf diese Zeit zurück?

In diesen zehn Jahren ist in meinem Leben einiges passiert. Am Anfang wollte ich viel Party machen, da kam mir der Alchimiste sehr gelegen. Dann habe ich mich dazu entschieden, das Unternehmerische zu forcieren, also eröffnete ich nur eineinhalb Jahre später die Beffa Bar und eine import-Firma. Ich liebe es einfach, Strukturen schlank zu machen. Ich bin eigentlich ein sehr fauler Mensch, also versuche ich, mir so wenig Arbeit wie möglich zu machen.

All das funktioniert und nun habe ich mein eigenes Bauprojekt in Guggenthal, womit für mich wieder eine neue Lebensphase beginnt.

Menschen mit bierige Getränke, KellnerInnen und Bierbegeisterte mit Beratungen und Freunde, Familie aus Bergheim und...

Gepostet von Alchimiste Belge am Montag, 22. April 2019

Was ist in Guggenthal geplant?

"Nock 'n' Roll" ist hier geplant. Es ist an sich ein wirklich cooles Konzept. Grundsätzlich ist es eine Bar mit Shop und Event-Möglichkeit. Ich will hier mein eigenes Bier – das Nocksteiner Bier – sowie angekaufte Bier-Spezialitäten anbieten.

Es ist gewissermaßen eine Afterwork-Idee. Ich will die Menschen vor allem in der Zeit zwischen 15 Uhr und 23 Uhr mit Bier versorgen. Das ist genau die Zeit, in der wir auf uns selbst achten und mal eine Pause einlegen sollten, finde ich. Denn, wenn man acht Stunden für jemanden gearbeitet hat, dann steigt man in sein Auto und steht erst mal eine gewisse Zeit im Stau. Man hetzt sich nach Hause, geht der Hausarbeit und familiären Verpflichtungen nach und stresst sich dann ins Fitnessstudio. Es hört also nicht auf. Die Menschen sind fertig, ihre Batterien sind leer. Es fehlt einfach die Entschleunigung.

Ich hingegen will den Menschen sagen: „Trinkt Bier. Trinkt ein gutes Bier. Macht Sport, stellt eure Autos ab und geht auf den Nockstein. Nehmt euch eine halbe Stunde Zeit für euch und dann macht ein bisschen Therapie. Meine Therapie.“

Update Bauprojekt Guggenthal - Slideshow !

Gepostet von Nocksteiner Bier am Donnerstag, 25. April 2019

Wie schwierig ist es in Salzburg gegen lokale Bier-Größen wie Stiegl und Augustiner anzukommen?

Wir haben uns im Alchimiste anfangs bewusst dagegen positioniert. Wenn jemand ein Steigl bei uns bestellt hat, haben wir ihm klar gemacht, dass es das hier nicht gibt. Man muss die Leute aus der Komfort-Zone holen, sie persönlich ansprechen und dann feststellen, was sie geschmacklich wirklich wollen. Wir sind da eben etwas anders als das restliche Salzburg. Nicht steif, aber dennoch mit Qualität und Tiefgang. Und das war etwas Neues.

Welche Bier-Lokalitäten schätzt du selbst in Salzburg?

Die Kastner‘s Schenke ist mein absoluter Liebling. Das ist genau das Konzept, das ich mir zum Altwerden vorstellen kann. Ein kleiner Braukessel, ein bisschen Gastro, dazu Schinken und Käse – das passt gut zusammen. Zudem ist der Gastgarten super. Das Isi-Bräu in Bergheim mag ich auch sehr gerne, eine kleine Brauerei mit hoher Qualität. Außerdem das Bramsau Bräu in Faistenau.

Ändert sich mit Craft-Beer & Co. auch die Bierkultur in Salzburg ein Stück weit?

Das ist Wahnsinn, ich beschäftige mich jetzt schon seit zehn Jahren mit dem Thema und kann es noch gar nicht richtig beschreiben. Jeder hat seine eigene Meinung dazu. Für mich handelt es sich dabei eher um eine poetische als um eine geschmackliche Revolution. All die Zutaten waren schon da, wir haben nur andere Adjektive gefunden, um die Biere zu beschreiben.

Grundsätzlich aber ist Salzburg eine Kultur-Stadt und die Entwicklung hat mit Sicherheit gut getan.

Wie sehr wird die neue Biervielfalt in Salzburg wertgeschätzt?

Schon sehr, denke ich. Gerade junge Menschen, die sie nun mitbekommen, nehmen diese neue Vielfalt mit in ihr restliches Leben.

Die Gastgarten-Saison hat vielerorts bereits begonnen. Wo ist dein Lieblings-Freiluftbierplatz in Salzburg?

Wie bereits erwähnt, der in der Kastner‘s Schenke gefällt mir sehr gut, und auch im Weiserhof ist ein cooler Gastgarten in einem Eck, in dem man ihn nicht erwartet. Sonst bin ich eigentlich lieber am Land unterwegs. In Hintersee im Seestüberl ist es fantastisch, aber auch auf der Gruber Alm – wo es die wohl beste Kaspressknödelsuppe der Welt gibt – Ich habe übrigens meine eigene Top 18 der besten Kaspressknödelsuppen. Die auf der Buchau Hütte in St. Johann ist meine Nummer 2.

Mit Alchimiste Belge, Beffa Bar und deinem Projekt in Guggenthal hast du ein kleines Bier-Imperium geschaffen. Hast du das erwartet, als du vor zehn Jahren nach Salzburg gekommen bist?

Aber natürlich, die Weltherrschaft war immer schon mein Ziel (lacht). Nein, aber ich habe schon früher meinen Eltern immer gesagt, dass sie sich keine Sorgen um mich machen müssen. Ich habe sie nie um Geld gebeten, weil ich immer für mich selbst gesorgt habe. Und das hat bis jetzt auch funktioniert.

Das Projekt in Guggenthal aber, dass das nun gebaut wird, hätte ich mir nie gedacht. Irgendwie kommen die Dinge dann eben doch immer zustande.

What is being discussed, at the moment, with a bottle of Lupulus?

Gepostet von Alchimiste Belge am Montag, 15. April 2019

Was steht dieses Jahr noch bei dir an?

Die eine oder andere Depression, denke ich (lacht). Jetzt ist natürlich gerade eine sehr intensive Zeit: Die Zehn-Jahres-Feier steht an, dann das Linzergassen-Fest. Zudem möchte ich in Guggenthal eine schöne Eröffnungsfeier zu meinem Geburtstag am 11. Oktober. Mehr muss es nicht mehr sein, ich bin eigentlich schon ziemlich müde. Aber: Das Leben ist ein Kunstprojekt!

Lieber Dirk, vielen Dank für das nette Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 22.10.2019 um 11:00 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/dirk-baert-salzburger-bier-philosoph-im-sonntags-talk-69362275

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