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Ehemaliges Heimkind wirft Kloster in Salzburg Freiheitsberaubung vor

Die Salzburgerin fordert jenen Lohn zurück, den ihren Angaben zufolge das Kloster einbehalten habe. Bilderbox/Symbolbild
Die Salzburgerin fordert jenen Lohn zurück, den ihren Angaben zufolge das Kloster einbehalten habe.

Ein ehemaliges Heimkind wirft dem Kloster St. Josef in Salzburg-Nonntal "Freiheitsberaubung" vor. Die Frau war in den 1980er Jahren vom 14. bis zum 22. Lebensjahr in dem Kloster untergebracht. Für die Jahre nach ihrer Volljährigkeit habe es für die Einweisung in das Heim keinen dafür erforderlichen Gerichtsbeschluss gegeben, erklärte die Salzburgerin gegenüber dem ORF Salzburg.

Seitens der Kongregation der "Schwestern vom Guten Hirten", die für das Kloster zuständig ist, hieß es, dass den Vorwürfen nachgegangen werde und mögliche Ansprüche geprüft würden. "Wenn von unserer Seite ein Fehlverhalten vorliegen sollte, dann bin ich gerne gewillt, mich im Namen der Schwestern zu entschuldigen", sagte Schwester Maria Gratia Schneeweiß gegenüber dem ORF. Das Kloster hatte 1992 das Heim geschlossen.

Kloster als geschlossene Erziehungsanstalt

Das Heim St. Josef galt damals als geschlossene Erziehungsanstalt. Die Mädchen wurden von der Jugendwohlfahrt und davor über die Fürsorge eingewiesen. Für einen Verbleib über die Volljährigkeit hinaus war ein Gerichtsbeschluss nötig. Die Salzburgerin hatte Einsicht in ihren persönlichen Akt bekommen, fand aber keinen derartigen Beschluss. "Ich bin um einen normalen Berufsstart betrogen worden, weil ich die Welt draußen überhaupt nicht gekannt habe. Ich fühle mich mehrfach betrogen - zum Beispiel um meine Karriere und um meine Pension."

Salzburgerin fordert Lohn zurück

Die Salzburgerin fordert jenen Lohn zurück, den ihren Angaben zufolge das Kloster einbehalten habe. In einem Tagebuch dokumentierte sie, wie sie in den 1980er Jahren putzen gehen und für das Kloster arbeiten musste, ohne dafür Geld zu bekommen. Innerhalb der Klostermauern seien das 40-Stunden-Wochen gewesen, erklärte die Frau. Für diese Arbeitszeiten sei sie auch nicht angemeldet gewesen, und diese Zeiten gingen ihr jetzt als Pensionszeiten ab. Das Geld, das sie für Arbeiten in einer Konditorei außerhalb des Klosters vom Konditor erhalten habe, habe sie im Kloster abgeben müssen. "Aber das Geld habe ich nie gesehen", schilderte die Betroffene, die mit 14 Jahren nach Salzburg gekommen ist und vorher bereits in zwei Heimen in Klöstern untergebracht war.

Opfer bezeichnet Zeit im Kloster als schrecklich

Die Frau wurde bereits von der Klasnic-Kommission als Opfer anerkannt. Darüber hinaus erwarte sie sich an Wiedergutmachung die Rückgabe des abgenommenes Geldes und ihrer Aufzeichnungen sowie eine Entschuldigung. Die Zeit im Kloster St. Josef bezeichnete sie als schrecklich: Alles sei versperrt gewesen, die Fenster vergittert und die Gruppentüren zugesperrt worden.

Keine Meldungen bei Ombudsstelle

Aus der Ombudsstelle der Erzdiözese Salzburg für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch hieß es am Mittwoch gegenüber der APA, es seien in den vergangenen Tagen Meldungen über körperlichen und sexuellen Missbrauch im Kontext mit der katholischen Kirche eingelangt, aber nicht bezüglich des Klosters St. Josef. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.09.2019 um 12:01 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/ehemaliges-heimkind-wirft-kloster-in-salzburg-freiheitsberaubung-vor-41695480

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