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Ein besonderes Zuhause in Salzburg-Parsch

Familienähnliches Leben ist in kleinen Wohngruppen möglich. Caritas Salzburg
Familienähnliches Leben ist in kleinen Wohngruppen möglich.

Das Albertus-Magnus-Haus (AMH) im Salzburger Stadtteil Parsch bietet Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen ab dem 45. Lebensjahr seit diesem Sommer ein neues Zuhause. Nach den umfangreichen Umbauarbeiten ist das Caritas-Haus die einzige suchtakzeptierende Einrichtung in ganz Salzburg. Wir waren am Donnerstag auf Lokalaugenschein.

Bis zu 36 Personen finden in vier Wohngruppen ein neues Zuhause, Mitte November soll der komplette Einzug geschafft sein. "Dann kehrt endlich etwas Ruhe ein", lacht Einrichtungsleiterin Marion Kreidenhuber im Gespräch mit SALZBURG24. Im AMH herrscht rund um die Uhr Betrieb, vom psychiatrischen Krankenpfleger über Sozialbetreuer und Pflegeassistenz bis zur Behindertenbegleitung und dem hauswirtschaftlichen Dienst sind verschiedenste Berufsgruppen angestellt.

Ziel: Selbstbestimmtes Leben

Diese qualifizierten Fachkräfte unterstützen die Bewohner dabei, ihr Alltagsleben möglichst selbstbestimmt und selbstständig zu gestalten. "Ich habe eine riesen Freude mit unserem Personal. Es ist ein tolles Team und der Fokus liegt nicht allein auf der Pflege – das ist eine wichtige Mischung", erklärt Kreidenhuber. 27 Arbeitsplätze werden durch den Einsatz von Ehrenamtlichen, Praktikanten und Zivildienern ergänzt.

Verschiedenste Berufsgruppen arbeiten im Albertus-Magnus-Haus. /Caritas Salzburg Salzburg24
Verschiedenste Berufsgruppen arbeiten im Albertus-Magnus-Haus. /Caritas Salzburg

So ist das AMH aufgebaut

Im AMH leben vier Wohngruppen verteilt auf vier Etagen – allesamt Einzelzimmer mit Dusche und Toilette. Davon sind drei Gruppen für Menschen mit psychischen Erkrankungen und einem hohen Pflegebedarf vorgesehen. Eine weitere Gruppe bietet Langzeitwohnen für Menschen mit geringerem Betreuungsaufwand. Es werden auch zwei Kurzzeitpflegeplätze im Maximalzeitraum von 35 Tagen jährlich für Personen angeboten, die in privaten Haushalten leben. Jede Etage hat einen gemeinsamen Wohnbereich mit großer Küche. Täglich wird frisch gekocht und die Bewohner helfen mit, soweit es geht. Zusätzlich gibt es allerlei Aktivitäten, die aber nicht angenommen werden müssen. Der Rückzug in den privaten Bereich ist jederzeit möglich.

Aufgenommen im AMH werden Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen ab dem 45. Lebensjahr. Mit dem kombinierten Angebot von Betreuung der psychischen Besonderheit der Bewohner und gleichzeitiger körperlicher Pflege will man eine ständig größer werdende Versorgungslücke dieser Personengruppe schließen. Das AMH ist gleichzeitig die einzige suchtakzeptierende Einrichtung in Salzburg. Heißt: Alkohol und Zigaretten sind gestattet, sofern es das Allgemeinwohl nicht gefährdet. "Im Bereich mit Menschen mit psychiatrischer Erkrankung und Pflegebedarf sind wir in Österreich führend – andere Einrichtungen in Salzburg bieten keine gesonderte Pflege an", so AMH-Leiterin Kreidenhuber, die auch die Angehörigen der Hausbewohner aktiv miteinbezieht.

Es werden Aktivitäten angeboten, die aber nicht bindend für die Bewohner sind. /Caritas Salzburg Salzburg24
Es werden Aktivitäten angeboten, die aber nicht bindend für die Bewohner sind. /Caritas Salzburg

Caritas bietet Aufnahmebegleitung an

Eine weitere Besonderheit ist die Aufnahmebegleitung. Hier haben Personen, die noch keinen Wohnplatz haben, die Möglichkeit einen Einblick in die zukünftige Wohnform zu bekommen. Das soll die spätere Aufnahme erheblich erleichtern. Die Hausbewohner können auch kommen und gehen, wann immer sie wollen, denn im AMH wolle man keinen Institutionscharakter. "Jeder unserer Bewohner hat einen eigenen Lebensstil und uns ist es wichtig, dass dieser möglichst fortgeführt wird und Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können", führt Kreidenhuber aus. Die größte Herausforderung sei es, sich selbst einzugestehen, dass man tatsächlich Hilfe und Unterstützung braucht.

Psychische Erkrankungen in der Gesellschaft

Psychische Erkrankungen nehmen in der Gesellschaft nämlich immer mehr zu. Bereits jeder fünfte Mensch erkrankt mindestens einmal im Leben an einem psychischen Leiden. Über 30 Prozent der krankheitsbedingten Frühpensionierungen erfolgen wegen psychischer Erkrankungen. So wie auch bei Bernhard Sonnberger. Der AMH-Bewohner der ersten Stunde leidet seit 1995 an Epilepsie, ein Jahr später rutschte der Tennengauer zwangsläufig in die Invaliditätspension.

Walter Sonnberger hat einen traumhaften Ausblick vom Balkon. /S24/Pfeifer Salzburg24
Walter Sonnberger hat einen traumhaften Ausblick vom Balkon. /S24/Pfeifer

Nach mehreren Aufenthalten in verschiedenen Salzburger Einrichtungen klappte im Sommer die Aufnahme ins AMH. "Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich hier Hilfe bekomme", erzählt Sonnberger im S24-Gespräch. In Parsch wurde er dauerhaft aufgenommen, etwas Vergleichbares gebe es für ihn in Salzburg nicht. Neben dem aufmerksamen und freundlichen Personal gefalle ihm besonders sein helles Zimmer mit Ausblick auf die Festung Hohensalzburg. Sein nächstes Ziel ist es, die unzähligen alten Kassetten und Langspielplatten auf USB-Sticks zu überspielen "Ich bin ein Sammler und habe ja Zeit", schmunzelt er.

Herausforderungen für die Pflege

Das Land Salzburg hat im Sommer unlängst eine Pflege-Offensive angekündigt. Doch das allein wird der Branche nicht helfen, weiß Leiterin Kreidenhuber: "Der Pflegeberuf braucht ein besseres Image und mehr Attraktivität in der Langzeitpflege, wie beispielsweise durch Kinderbetreuung der Träger." Bei der Caritas versucht man auch das Arbeitsklima durch eine invertierte Pyramide zu verbessern. Das bedeutet, dass alle Mitarbeiter einen großen Handlungsspielraum eingeräumt bekommen und auch dazu befähigt werden, Entscheidungen zu treffen. "Ich glaube, das führt zu Zufriedenheit", so Kreidenhuber.

Finanziell gefördert wird das AMH über die Behindertenhilfe vom Land Salzburg. Falls das persönliche Einkommen und verwertbare Vermögen zur gänzlichen Abdeckung der Heimkosten nicht ausreicht, kommt meist die Sozialhilfe bzw. Mindestsicherung für den Restbetrag auf. In einem solchen Fall verbleiben den Heimbewohnern 20 Prozent der Pension als Taschengeld.

Aufgerufen am 14.12.2018 um 07:52 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/ein-besonderes-zuhause-in-salzburg-parsch-60294802

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