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Ein Quadratmeter Wohnfläche für eine Stunde Hilfe: Neues Wohnkonzept für Studenten in Salzburg?

Leistbarer Wohnraum ist für Studenten in Salzburg kaum mehr vorstellbar. dpa/Felix Kästle
Leistbarer Wohnraum ist für Studenten in Salzburg kaum mehr vorstellbar.

Ein Quadratmeter Wohnfläche für eine Stunde Hilfeleistung im Monat: Dieses neue Wohnkonzept für Salzburgs Studenten soll kommen – zumindest, wenn es nach den NEOS der Stadt Salzburg geht. Was „Wohnen für Hilfe“ genau ist, welche Chancen und Risiken es bringt und wer davon profitieren könnte, haben wir uns näher angesehen.

400 Euro monatlich müssen Salzburgs Studierende für ein Zimmer im Studentenheim oder einer Wohngemeinschaft im Durchschnitt allemal rechnen. Geld, das neben dem Studium oft hart verdient werden muss, vor allem dann, wenn die Eltern nicht aushelfen (können). Um wieder mehr günstigen Wohnraum für junge Menschen in der Landeshauptstadt zu schaffen, lassen nun die NEOS mit einem – für Salzburg – völlig neuartigen Konzept aufhorchen. „Wohnen für Hilfe“ soll den Studierenden einerseits günstige Mietpreise bescheren, andererseits älteren oder alleinlebenden Menschen durch die Hilfeleistungen der Jungen das Leben erleichtern.

„Ein Quadratmeter für eine Stunde Hilfe im Monat“, lautet also die Faustformel für des Sozial- und Wohnprojekts. Als Hilfeleistungen angerechnet werden etwa Einkäufe, Hilfe in Haus und Garten, Rasenmähen, Begleitung zum Arzt oder ein gemeinsamer Spaziergang. Ein konkretes Beispiel: Im Falle eines 20 Quadrameter großen Zimmers müsste der Untermieter also 20 Stunden Gartenarbeit, Hausarbeit, etc. im Monat verrichten. Die Hilfe, die zwischen Wohnraumgeber und Studierenden vorab schriftlich vereinbart wird, kann alle Bereiche des täglichen Lebens betreffen.

"Wohnen für Hilfe" vor 26 Jahren entstanden

Die Idee, die die NEOS der Stadt Salzburg aufgreifen, ist freilich nicht völlig neu. „Wohnen für Hilfe“ wurde vor 26 Jahren in Darmstadt (Bundesland Hessen) in Deutschland ins Leben gerufen und seither von zahlreichen Städten im deutschsprachigen Raum übernommen. Vergleichbare Wohnprojekte gibt es außerdem in Neuseeland, den USA, Kanada, Belgien, Frankreich, Italien und Spanien.

Auch in der Studentenstadt Graz wird dieses Projekt bereits seit 23 Jahren betrieben. Als Teil der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) und wohlgemerkt ohne Budget, versuchen dabei drei ehrenamtliche Helferinnen Pensionisten mit freiem Wohnraum und Studierende zusammenzubekommen. Pro Jahr werden so etwa zehn Wohnungen vermittelt. „Jeder, der von unserem Konzept erfährt, ist begeistert“, erzählt Claudia Kastner, Leiterin von „Wohnen für Hilfe“ in Graz, im Gespräch mit SALZBURG24.

Wohnen für Hilfeleistungen bei Studierenden beliebt

Unter den Studenten habe sich diese Form der Wohnungssuche schnell herumgesprochen und werde sehr gut angenommen. Schwieriger sei es hingegen, den Bedarf an Wohnungen zu decken. „Es ist leider nicht so einfach, genügend ältere Menschen zu finden, die für diese Art des Zusammenlebens sofort offen sind“, so Kastner. Nicht jeder habe ein zweites Bad oder wolle Küche und Badezimmer mit einer anfangs fremden Person teilen. "Aber wenn es klappt ist das eine wirkliche Win-Win-Situation für alle Beteiligten."

"Projekt ist Sache der Politik"

Mit ausreichend finanzieller und personeller Unterstützung könne dieses Konzept für viele Menschen aber eine echte Bereicherung sein, ist Kastner überzeugt. „Wir würden daher gerne aktiv auf die älteren Menschen zugehen und die Werbetrommel rühren, doch dafür haben wir leider kein Geld.“ Ein solches Projekt sei eigentlich Sache der Politik, würde es dort initiiert und umgesetzt oder alternativ subventioniert werden, seien die Chancen für den Erfolg vermutlich sehr hoch, meint Kastner.

NEOS bringen Antrag ein

Der Salzburger Gemeinderat Lukas Rößlhuber hat nun einen entsprechenden Antrag im Sozialausschuss eingebracht und plädiert dafür, dass die Stadt Salzburg gemeinsam mit der ÖH und der Universität Salzburg ein Wohnprojekt für Studierende, angelehnt an „Wohnen für Hilfe“, ausarbeitet. Dadurch könne den Studierenden endlich kostengünstiger Wohnraum zur Verfügung gestellt und älteren Menschen zu Hause Unterstützung angeboten werden, ist der 24-Jährige überzeugt.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 08:29 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/ein-quadratmeter-wohnflaeche-fuer-eine-stunde-hilfe-neues-wohnkonzept-fuer-studenten-in-salzburg-57819469

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