Jetzt Live
Startseite Stadt
Shakshuka bis Basbusa

"Eleven Eleven" bringt syrische Küche in Kaigasse

Von der Flucht bis zum Restaurant in der Altstadt

Alber Al Haddad hat sich in Salzburg seinen Traum erfüllt. Vor vier Jahren flüchtete er aus Syrien vor dem Bürgerkrieg. Nun bringt er mit seiner Familie den Salzburgerinnen und Salzburgern die Küche seiner Heimat näher. Überraschenderweise darf dabei auch das Schnitzel nicht fehlen.

Salzburg

Von außen sieht das „Eleven Eleven“ in der Kaigasse in der Salzburger Altstadt eher wie ein kleiner Imbiss aus. Einzig die Bilder im Schaufenster geben einen Hinweis darauf, dass hier weder Kebap noch Bosna verkauft werden. Beim Öffnen der Tür wird man von arabischer Musik und einem Lächeln von Albers Frau Ayda empfangen.

Familie Al Haddad eröffnet Restaurant

Bis zu 50 hungrige Gäste hätten hier Platz, erklärt uns Sohn Ammar. Der 20-Jährige schmeißt das Restaurant gemeinsam mit seinen Eltern. Seine jüngere Schwester Ola hilft aus, wenn viel los ist. Die 18-Jährige macht gerade eine Ausbildung in einer Apotheke. Auch der jüngste Spross der Familie ist an diesem Nachmittag im Lokal. Myaar (10) hat Ferien. Der Name Al Haddad lässt sich übrigens auf Deutsch übersetzen und heißt „Der Schmied“.

"Eleven Eleven" SALZBURG24/Wurzer
Das Lokal in der Kaigasse.

Flucht aus Syrien nach Salzburg

40 Jahre lang hat Vater Alber in Syrien als Koch und Restaurantleiter gearbeitet. Dabei träumte er immer von einem eigenen Lokal. Der Bürgerkrieg in Syrien machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Was 2011 als friedlicher Protest gegen das Regime begann, eskalierte zu einem bald neun Jahre andauernden, bewaffneten Konflikt. Familie Al Haddad war in der Hauptstadt Damaskus daheim, vor vier Jahren schlug sich Alber schließlich bis nach Österreich durch. Zwei Jahre lang arbeitete er freiwillig als Koch in einem Salzburger Studentenheim, dann konnte er seine Familie nachholen.

Sprache als größte Herausforderung

Bis zur endgültigen Eröffnung dauerte es: Zuerst mussten die passenden Räumlichkeiten gefunden werden. Das Lokal in der Kaigasse ergab sich durch Zufall. Die größte Herausforderung sei jedoch die Sprache, schildert Sohn Ammar bei unserem Besuch. Während die Kinder bereits sehr gut Deutsch sprechen, tue sich sein Vater noch schwer damit. Die Finanzierung sei nicht einfach gewesen.

Erfahrung in der Gastronomie hat zudem nur Alber. Ayda ist eigentlich Englischlehrerin, in Damaskus hat sie eine Schule geleitet. Ammar sagt von sich selbst, dass er als Kellner „nicht gut ist“ und lacht dabei herzlich. Er möchte künftig Medizin studieren.

Traditionelle Küche im "Eleven Eleven"

Trotz allen Schwierigkeiten ist das „Eleven Eleven“ seit Ende August geöffnet. Der Küchenchef empfiehlt Ouzi, ein Gericht mit Rindfleisch, Erbsen und Nüssen. Auch Kibbeh, eine Art arabische Fleischbällchen, gefüllte Zucchini und Okra müsse man probieren. Letzteres gebe den Gästen immer wieder Rätsel auf. „Die meisten fragen mich, was es bedeutet. Es steht aber schon auf Deutsch in der Speisekarte“, erzählt Ammar mit einem Schmunzeln. Einmal habe er das Gemüse vier Touristen sogar roh mitgegeben – sie wollten die Schote zuhause beim Einkaufen herzeigen.

Doch nicht nur syrische Spezialitäten stehen auf der Karte. Sachertorte und Apfelstrudel sollen die neue Heimat Österreich repräsentieren. Schnitzel gibt es ebenso, das isst man auch in Syrien. Neugierige Naschkatzen werden bei Basbusa sowie Baklava und Spinatkuchen fündig.

"Eleven Eleven" SALZBURG24/Wurzer
Die Süßigkeit  Mabroume heißt auf Deutsch "Die Eingerollte".

Salzburger haben Lieblingsessen gefunden

Nach fünf Monaten Betrieb zeigt sich auch schon das Lieblingsessen der Salzburgerinnen und Salzburger. „90 Prozent bestellen den gegrillten Schafskäse und Shakshuka“, weiß Ammar. Besonders freut sich die Familie, dass das „Eleven Eleven“ bereits Stammgäste hat.

Den Namen hat sich übrigens Ola ausgedacht. Er steht dafür, dass man sich um 11:11 Uhr etwas wünschen darf. „Der Name ist wohl etwas überraschend, weil er nichts mit unserer Küche zu tun hat“, sagt Ammar. Dafür mit der Einstellung der Familie, alle Wünsche der Gäste zu erfüllen.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 19.02.2020 um 08:40 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/eleven-eleven-familie-eroeffnet-restaurant-nach-flucht-aus-syrien-83354707

Kommentare

Mehr zum Thema