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Erste Stolpersteine für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt Salzburg verlegt

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden tausende Homosexuelle in Konzentrationslager deportiert, gefoltert und getötet. Am Freitag fand um 9.30 Uhr vor der Lasserstraße 23 die erste Verlegung von Stolpersteinen für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in Salzburg statt.

Die "Grünen Andersrum", die grüne Organisation für Lesben, Schwule und Transgenders haben für einen der verlegten Stolpersteine die Patenschaft - also die Finanzierung - übernommen.

Stolpersteine für homosexuelle Opfer: Sichtbares Zeichen

„Bis heute sind Homosexuelle nicht als Opfergruppe anerkannt. Umso mehr ist es den Grünen Andersrum ein Anliegen, das Projekt Stolpersteine auch aktiv zu unterstützen. Salzburg setzt mit der Verlegung der Stolpersteine für homosexuelle Opfer als erste Stadt in Österreich ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen“, resümiert Alexander Zwink, der Landessprecher der Grünen Andersrum Salzburg.

Stolpersteine für Adolf Aaron Weiss

Bis heute Abend werden es in Salzburg 168 sein: 168 Stolpersteine, die in die Gehsteige der Stadt eingelassen sind und an die Schicksale von 168 Menschen in dieser Stadt erinnern, die als Opfer der Nazis zu Tode kamen. Adolf Aaron Weiss war einer diese Salzburger. Bürgermeister Heinz Schaden hat die Patenschaft für den Stolperstein an dem Ort übernommen, wo Weiss zuletzt zu Hause gewesen war. Seit heute Vormittag erzählt der Stein vor dem Haus Vierthalerstraße 5 auf seiner Messingoberfläche vom Leben und Tod des Adolf Aaron Weiss: Geboren 1874 im ungarischen Komitat Neutra der damaligen Habsburgermonarchie, zog er 1903 nach Salzburg und wurde Geschäftsleiter im Kleiderhaus „Zum Matrosen“ am Mirabellplatz. Glaubensjude blieb Adolf Aaron Weiss auch, als er 1934 seine katholische Lebensgefährtin Anna in Zivilehe heiratete. Die Nationalsozialisten verboten ihm seine Arbeit, zwangen ihn zum Tragen des Judensterns, kennzeichneten sein Haus damit und entzogen ihm Schritt für Schritt sämtliche Lebensgrundlagen, weil er mit der „Judenkarte“ systematisch von der Lebensmittelzuteilung ausgeschlossen wurde. 1944 starb Adolf Aaron Weiss 70-jährig an Unterernährung.

Bürgermeister Schaden als Pate

„Man hat den Mann über Jahre zu Tode gefoltert“, sagte Bürgermeister Heinz Schaden bei der Verlegung des Stolpersteins. Und das Schicksal von Adolf Aaron Weiss erinnere ihn an die Novelle „Mein ist die Rache“, die von einem KZ-Chef erzählt, der die Häftlinge zu Tode brachte, indem er sie systematisch in den Selbstmord trieb. Die Patenschaft für Weiss’ Stolperstein hat Heinz Schaden als „Nachbar von heute“ in der Vierthalerstraße übernommen, und weil er erfahren habe, „dass hier zur Nazi-Zeit besonders viele Hakenkreuzfahnen an den Häusern hingen.“
(Quelle: S24)

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