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Erster inklusiver Studiengang an PH Salzburg

An der Pädagogischen Hochschule in Salzburg wird auf spezielle Bedürfnisse eingegangen. LMZ/Franz Neumayr
An der Pädagogischen Hochschule in Salzburg wird auf spezielle Bedürfnisse eingegangen.

Seit einem Jahr gibt es an der Pädagogischen Hochschule (PH) Salzburg einen österreichweit einzigartigen Studiengang. Im Rahmen eines inklusiven Lehrprogramms bietet die Universität geistig beeinträchtigten Studenten die Chance, sich auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten.

Seit vergangenen Herbst werden zwei Studierende im Rahmen des BLuE-Programms unterrichtet: BLuE steht dabei für Bildung, Lebenskompetenz und Empowerment. Das Besondere daran ist, dass es speziell für Menschen mit Lernschwierigkeiten und kognitiven Beeinträchtigungen konzipiert wurde.

Studierende sollen Job finden

„Das Programm dauert vier Jahre und jedes Jahr nehmen wir zwei neue Studenten auf“, erklärt Vizerektor Wolfgang Plaute im Gespräch mit SALZBURG24. Er hat maßgeblich an der Gestaltung des Konzepts mitgewirkt. Ziel ist, dass die Teilnehmer nach vier Jahren einen Job am regulären Arbeitsmarkt bekommen. Sie sollen also einer entlohnten Arbeit nachgehen, nicht einer Beschäftigung. Dafür kooperiert die PH mit verschiedenen Unternehmen, aber auch dem AMS und die Studierenden absolvieren regelmäßig Praktika. Ausgebildet werden die Teilnehmer für Assistenzberufe im Tourismus, Büro und pädagogischen Bereich.

Österreichweit ist diese Art der Ausbildung einzigartig, in Europa gibt es ähnliche Programme an etwa zehn Universitäten, in den USA an fast 300. Doch das Interesse ist laut Plaute auch bei anderen Hochschulen groß. Am Mittwoch und Donnerstag tauschen sich bei einer Tagung in Salzburg Vertreter von insgesamt 31 Universitäten zum Thema Inklusion aus.

Plaute: "Vollinklusives Programm"

Die BLuE-Studierenden sind in das Universitätsleben eingebunden und besuchen dieselben Lehrveranstaltungen, wie die regulären Studenten. Ihren Stundenplan stellen sie sich selbst zusammen, je nach Interessen und Stärken, betont Plaute: „Es ist ein vollinklusives Programm, bei dem den Studierenden Tutoren zur Seite gestellt werden.“ Die Erfahrungen nach einem Jahr seien durchwegs positiv: „Die BLuE-Studierenden haben Auswirkungen auf alle Studenten und Lehrkräfte. Es ist eine andere Form des Umgangs, seit wir diese Vielfalt der Gesellschaft auch bei uns im Haus haben.“

Denn auch die Vortragenden müssen sich auf die neuen Studenten einstellen: Konzepte und Lehrmethoden werden überdacht, es weht ein frischer Wind im Universitätsalltag. Für die angehenden Lehrkräfte, die als Tutoren mitwirken, sei es eine „realitätsnahe Ausbildung, denn kein Klassenzimmer ist homogen.“

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