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Tiefergehende Probleme

Erster Kindergarten schließt wegen Personalmangels

Betreuungseinrichtung in Salzburg-Aigen dicht

Kindergarten, Kinderbetreuung, Hort, Krippe, SB Pixabay/CC0
Kindergärten in der Stadt Salzburg laufen im Notbetrieb, jener in Aigen musste sogar schließen. (SYMBOLBILD)

In Salzburg-Aigen musste diese Woche der erste Kindergarten in der Mozartstadt aufgrund Mangels an Elementarpädagog:innen schließen. Das stößt natürlich den Eltern, aber auch der Salzburger Politik auf, die Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) in die Pflicht nehmen.

Salzburg

Das Problem ist nicht neu: In Salzburg mangelt es an Kindergartenpädagog:innen, weshalb das vorhandene Personal mehr als nur überfordert ist. Im Salzburger Stadtteil Aigen musste daher diese Woche eine Einrichtung geschlossen werden. Ganz zum Ärger der Eltern, die davon Sonntagnachmittag per E-Mail erfahren haben. „Es hat sich bereits angedeutet. Erst kam ein Schreiben, dass nur berufstätige Eltern ihre Kinder bringen können“, schildert Elternbeiratsmitglied Carina Ertl gegenüber SALZBURG24. Der städtische Kindergarten lief somit bereits wochenlang im Notbetrieb. Wie übrigens viele in Stadt und Land Salzburg. Innerhalb des ohnehin schon schmal besetzten Personals, seien auch weitere Ausfälle durch psychische und physische Überlastung und Corona hinzugekommen, erzählt die Mutter von zwei Kindern. Nun müssen die Kleinen zumindest bis Ostern ganz zuhause bleiben.

Symb_Kindergarten Symb_Kinder Symb_Spielen Symb_Pädagogik APA/HARALD SCHNEIDER
(SYMBOLBILD)

"Kindergarten ist wichtigste Bildungseinrichtung"

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Salzburger Eltern koordinieren sich

So sind einige Eltern plötzlich auf Pflegeurlaub angewiesen. Dieser sei aber bei den Arbeitgebern nicht so einfach zu beantragen, da auf dem Schreiben kein Ausstellungsdatum zu finden sei. „Wir haben dann schnell überlegt, was wir auf die Beine stellen können. So passen wir nun abwechselnd auf unsere Kinder auf. Eine Mutter nimmt sogar zwei oder drei“, erzählt Ertl. Da die Gruppe schon länger gut organisiert sei, fiel das leichter. Dennoch sei es für die Salzburger Eltern natürlich keine zufriedenstellende Lösung. Weshalb sie auch eine Online-Petition für bessere Bedingungen für Elementarpädagogen fordern. Bis Dienstagmittag haben bereits über 1.000 Personen unterzeichnet.

 

Ersatz in anderen Kindergärten

„Es hieß, dass Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, einen Notfallplatz in einem anderen Kindergarten bekommen“, erzählt Ertl. „Aber das ist witzig, denn was ist systemrelevant? Einer Ärztin und einer Pädagogin wurde nichts angeboten, soweit ich weiß“.

 

Diese Vorwürfe weist das Büro vom Resort-zuständigen Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) zurück. „Es wurde Ersatz angeboten“, hieß es gegenüber S24. Auf Anfrage konnte Salzburgs Schulamtsleiterin Jutta Kodat die genaue Anzahl der vermittelten Kinder allerdings nicht benennen. „Es hat sich noch niemand gemeldet, der es benötigt“, so Kodat gegenüber S24.

Elementarpädagog:innen überfordert

Sollte der städtische Kindergarten in Aigen nach Ostern wieder öffnen, dann wohl wieder nur im Notbetrieb, befürchtet Ertl. Daher fordert sie in ihrer Petition eine grundlegende Reform im Bereich der Elementarpädagogik. Dabei steht sie allerdings nicht alleine da. Denn auch die Betroffenen selbst machen regelmäßig auf die unbefriedigende Situation aufmerksam (wir haben berichtet). Zudem habe die Salzburger Stadt- und Landespolitik bereits im letzten Jahr beraten und ein Maßnahmenpaket an Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) geschickt. „Leider ist fast nix passiert“, ärgert sich Christian Hacker vom Büro Auinger.

„Was es braucht, ist eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Elementarbildung. Nur die Zahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen, reicht nicht aus. Und für eine solche Verbesserung der Arbeitsbedingungen braucht es eben auch den klaren politischen Willen der Stadt", fordert Landtagsabgeordneter der Grünen, Simon Heilig-Hofbauer in einer Aussendung. Er sieht Vizebürgermeister Auinger in der Pflicht, diese Umstände zu verbessern.

Situation der Gesellschaft geschuldet

Ins selbe Horn bläst Kodat: „Es braucht mehr Ausbildungen. Momentan trifft es uns an allen Ecken und Enden“. Kurzfristig hätten sogar Volksschullehrer in Kindergärten ausgeholfen. Aber selbst diese wurden dann doch wieder an den Schulen benötigt, da auch dort Personalmangel herrscht. „Das sind die Vor- und Nachteile unserer Gesellschaft. Wir brauchen mehr Menschen als früher für diese Berufe“, ortet Kodat eine Ursache. Da Frauen immer früher wieder in den Beruf einsteigen, sind deutlich mehr Betreuungsplätze nötig. Auch die hohen Ansprüche an das Personal mache die Besetzung nicht einfacher.

So musste am Sonntag in Aigen der erste Kindergarten in der Stadt Salzburg aufgrund der Kombination aus Pädagog:innen-Mangel und Corona geschlossen werden. Was auch der Schulamtsleiterin missfällt: „Wir haben es uns sicher nicht leicht gemacht, aber es ging nicht anders“. Die Auswirkungen baden nun die Eltern und Kinder aus. Die Ursache liegt allerdings in einer offensichtlichen Vernachlässigung der Berufssparte seitens der Bildungspolitik.

(Quelle: SALZBURG24)

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