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Ex mit Hammer attackiert

17-Jährige von Mordvorwurf freigesprochen

Haftstrafe für Salzburgerin

Prozess 17-Jährige, zweifacher versuchter Mord an Ex-Freund APA/VERA REITER
Die 17-Jährige musste sich am Montag in Salzburg vor Gericht verantworten.

Eine 17-Jährige ist am Montag von einem Geschworenengericht in Salzburg vom Vorwurf des zweifachen Mordes freigesprochen worden. Die junge Frau wurde wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung zu sieben Monaten bedingter Haft verurteilt.

Salzburg

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Angeklagte nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Den Freispruch vom versuchten Mord haben die Geschworenen einstimmig gefällt. Die junge Frau hatte eine Tötungsabsicht bestritten. Sie habe ihren Ex-Freund bei den zwei Vorfällen im September und Oktober 2019 nur Angst machen und ihn zwingen wollen, dass er wieder eine Beziehung mit ihr eingeht.

Die Salzburgerin war bis Sommer 2019 eine eineinhalb Jahre dauernde, intime Beziehung mit dem damals 30-jährigen Vater eines Kindes eingegangen. Dann beendete der Mann das Verhältnis. Er wollte wieder mit der Mutter seines Kindes zusammen sein. "Die Angeklagte konnte sich nicht damit abfinden", sagte Staatsanwältin Sandra Lemmermayer.

17-Jährige attackiert Ex-Freund mit Hammer und Messer

Unter dem Vorwand, sie wolle ihm einen USB-Stick mit gespeicherten Nacktfotos von den beiden zeigen, habe die Angeklagte ihren Ex-Freund am 23. September zu einem Treffen gelockt. Als dieser im Keller seines Hauses mit dem Rücken zu ihr gestanden sei, habe sie ihm mit einem Hammer auf den Hinterkopf geschlagen. Er erlitt eine blutende Wunde. "Als sie ein zweites Mal zuschlagen wollte, gelang es ihm, ihr den Hammer wegzunehmen", referierte die Staatsanwältin. Zu dem Plan, ihn nach dem Schlag zu erstechen, sei es nicht mehr gekommen.

Das Opfer begleitete die Täterin noch zum Zug und erstattete damals keine Anzeige. Am 21. Oktober kam es zu dem zweiten Vorfall. Der Anklage zufolge lauerte die Salzburgerin ihrem Ex in einem Gebüsch vor seinem Haus auf. In der Tasche hatte sie einen Pfefferspray, eine Schutzmaske, eine Sturmhaube, Einweghandschuhe und zwei Messer. Eines davon, ein rund 20 Zentimeter langes Küchenmesser, hielt sie in der Hand, als der 30-Jährige sein Haus verließ.

Anklage wegen zweifachen versuchten Mordes

Der erschrockene Mann sei geflüchtet, da habe ihn die Angeklagte mit dem Messer noch verfolgt, sagte die Staatsanwältin. "Auch in diesem Fall wollte sie ihn durch Erstechen töten." Als der Mann stürzte und um Hilfe rief, lief die Beschuldigte davon. Der Vater des 30-Jährigen und ein Nachbar rannten ihr nach und konnten sie stoppen. Zehn Minuten später wurde sie von der Polizei festgenommen. Seither befindet sie sich in Untersuchungshaft.

Die Angeklagte bestritt den Vorwurf des versuchten Mordes. Verteidiger Leopold Hirsch sagte, die Frau bekenne sich der Körperverletzung und der Nötigung für schuldig. Sie habe die Beziehung fortsetzen wollen. Doch unglücklicherweise habe der Ex-Freund eine Aussprache verweigert. Aus der Tatsache, dass er die Frau nach dem Vorfall im September noch zum Zug begleitet habe, sei ersichtlich, dass er nicht angenommen habe, er hätte umgebracht werden sollen.

Frau wollte wieder mit 30-Jährigem zusammen sein

Auch im Oktober habe die Frau keinen Mordvorsatz gehegt, so der Verteidiger. Sie habe den Mann mit dem Messer in der Hand zu einem Gespräch zwingen wollen. Der Anwalt gab zu bedenken, dass die 17-Jährige an einer Persönlichkeitsentwicklungsstörung leide und deshalb in ihrer Zurechnungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Ein Gerichtssachverständiger attestierte eine narzisstische Unreife.

Die 17-Jährige bestritt, jemals geplant zu haben, ihren Ex-Freund umzubringen. Sie sei sehr traurig gewesen, weil er den Kontakt zu ihr abgebrochen habe und er wieder mit der Mutter seines Kindes zusammen gewesen sei. "Ich war sehr verliebt. Ich konnte nicht lassen von ihm. Er hat abgeblockt. Ich wollte ihm Angst machen und ihn zwingen, dass er mit mir wieder zusammen geht."

Brisante Internet-Recherche der Angeklagten

Den Hammer habe sie ihm deshalb nur ein Mal "leicht" auf den Kopf geschlagen, damit er nachher nicht mehr aufbrausend sei und sie mit ihm reden könne, rechtfertigte sich die Beschuldigte. Das Messer habe sie damals auch nicht aus ihrer Handtasche herausgetan. Auf einige Fragen der vorsitzenden Richterin Christina Bayrhammer fand sie allerdings keine Erklärung. Warum sie vor der Tat im Internet Sätze wie "mit K.-o.-Tropfen bewusstlos machen" gegoogelt habe, wisse sie nicht.

Die Richterin konfrontierte die Angeklagte auch mit belastenden Aussagen des Ex-Freundes: Sie hätte schon länger geplant, ihn umzubringen. "Nein, das stimmt nicht. Vielleicht sagte er das aus Rache", antwortete die 17-Jährige. Warum sie Handschuhe, Mundschutz, Sturmhaube und einen Pfefferspray mitgenommen habe, wisse sie ebenfalls nicht.

17-Jährige bestreitet Mordvorsatz

Bei dem Vorfall im Oktober habe sie den 30-Jährigen nur erschrecken wollen, "damit er mit mir redet", beteuerte die Salzburgerin. Sie habe das Messer in Richtung Boden gehalten. Als er gestolpert sei, habe sie das Messer sofort wieder in die Tasche gelegt und sei zur S-Bahn-Station gerannt. "Ich bin ihm nicht mit dem Messer nachgelaufen." Schließlich erklärte sie noch, in Zukunft könne sie eine gescheiterte Beziehung besser bewältigen. So etwas werde nicht mehr vorkommen, sie habe aus der Tat gelernt und wolle nach der Haft ihre Lehre fortsetzen und wieder im Leben Fuß fassen.

(Quelle: SALZBURG24)

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