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Fahrerflucht: Angst vor Konsequenzen ist für Opfer lebensgefährlich

In Tirol starb eine 26-Jährige bei einem Unfall mit Fahrerflucht am Mittwoch APA
In Tirol starb eine 26-Jährige bei einem Unfall mit Fahrerflucht am Mittwoch

Fahrerflucht nach einem Unfall kann über Leben und Tod entscheiden und drei Jahre Gefängnis bedeuten. Oft bekommen die Unfallverursacher aber Panik.

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit Fahrerflucht ereignete sich in der in der Nacht auf den 5. März in Tirol. Ein Pkw rammte einen 26-jährigen Fußgänger und verletzte ihn tödlich. Der Autolenker flüchtete. ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger erkennt unterschiedliche Ursachen, warum ein Lenker nach einem Unfall nicht anhält und Erste Hilfe leistet: "Unfälle, in die man verwickelt ist, stellen für Autofahrer eine massive Stress-Situation dar. Manche geraten in Panik und reagieren mit Verdrängung, Verleugnung und flüchten. Andere treffen die Entscheidung rational - sie befürchten strafrechtliche oder persönliche Konsequenzen."

2012 gab es 1.879 Unfälle mit Fahrerflucht

In beiden Fällen sieht der Kraftfahrer in der Flucht den einzigen Ausweg. "Die Angst, die er plötzlich hat, steht jedoch in keinem Verhältnis zu den möglichen Folgen. Die richtige Reaktion des Unfalllenkers kann für das Opfer über Leben und Tod entscheiden", betont die ÖAMTC-Expertin. 2012 gab es in Österreich laut Statistik Austria 1.879 Unfälle mit Fahrerflucht. Dabei wurden 2.093 Personen verletzt, 13 Personen kamen ums Leben. Im Vorjahr ereigneten sich acht tödliche Unfälle mit Fahrerflucht, heuer war der gestrige gleichzeitig der erste.

Fahrerflucht führt zu Geldstrafen oder Gefängnis

"Rechtlich wird unterlassene Hilfeleistung bei einem Unfallverursacher anders gewertet als bei jemandem, der zufällig am Unfallort vorbeikommt", erklärt ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer. Als fahrerflüchtig bei einem Unfall mit Personenschaden gilt, wer als Unfallverursacher eine verletzte Person im Stich lässt und nicht die Polizei verständigt. "Dabei ist zu beachten, dass bereits das Entfernen vom Unfallort als Fahrerflucht gilt", betont Hoffer. Wird ein Fahrerflüchtiger ausfindig gemacht, so muss er mit rechtlichen Folgen rechnen. "Einem fahrerflüchtigen Lenker drohen je nach Unfallfolge entweder eine Geldstrafe bis zu 2.180 Euro, der Entzug der Lenkberechtigung oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre", warnt der ÖAMTC-Jurist. Außerdem kann in diesem Fall die Haftpflichtversicherung das an den Geschädigten ausbezahlte Geld vom fahrerflüchtigen Lenker zurückfordern.

Gesetzliche Verpflichtung zu "richtiger Reaktion"

Wer an einem Unfall beteiligt ist, hat laut Straßenverkehrsordnung mehrere Verpflichtungen. Personen, die im weitesten Sinn als Unfallverursacher zu bezeichnen sind, müssen - ohne Rücksicht darauf, ob sie am Unfall schuld sind - als Fahrzeuglenker sofort anhalten, die Unfallstelle absichern sowie an der Aufklärung des Sachverhaltes mitwirken. Wurden Personen verletzt, muss der Verursacher Hilfe leisten oder zumindest Hilfe holen. Auf jeden Fall muss sofort die Polizei verständigt werden. "Zeugen eines Unfalls sind aufgefordert, sich bei der Polizei zu melden", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Seidenberger. "Es ist wichtig, sich die Zeit zu nehmen. Damit leistet man einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung und Lösung des Falles."

(Quelle: S24)

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