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Nachhaltigkeit

Salzburg unterstützt "faire" Schokolade

Fairtrade Schokolade in Salzburg Fairtrade Österreich / Franz Neumayr
Landeshauptmannstellvertreter Heinrich Schellhorn, Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind Österreich) und Hartwig Kirner (Geschäftsführer Fairtrade Österreich) beim Pressegespräch zum Thema Fairtrade-Schokolade in Salzburg. 

Neun Kilo Schokolade konsumieren die Salzburgerinnen und Salzburger jährlich. Während sich Kakao in den vergangenen Jahren von der Massenware zum Luxusprodukt entwickelt hat, arbeiten die Kakaobauern weiterhin unter prekären Bedingungen. In Salzburg – der Wiege des fairen Handels – wurde am Donnerstag eine richtungsweisende Maßnahme für eine nachhaltige Kakaoproduktion vorgestellt.

„Wer auch morgen noch Schokolade essen will, muss schon heute Kakao-Bauernfamilien angemessen bezahlen“, sagt Hartwig Kirner von Fairtrade Österreich im Rahmen einer Pressekonferenz mit LH-Stv. Heinrich Schellhorn (Grüne) in der Landeshauptstadt. Seine Aussage stützt er auf jüngste Studienergebnisse, wonach Kakao-Bauernfamilien innerhalb des Netzwerks in Westafrika – hier wird weltweit der größte Anteil an Kakao abgebaut – unter der absoluten Armutsgrenze leben. „Und deshalb erhöht Fairtrade mit Oktober 2019 den Mindestpreis für Fairtrade-Kakao um 20 Prozent auf 2.400 US-Dollar pro Tonne“, verkündet Kirner. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, die Lebensbedingungen der Kakao-Bauern in Westafrika zu verbessern. Die Kooperativen nutzen dieses Geld, um ihre Organisation zu stärken sowie für Direktleistungen für die Bauernfamilien und Gemeinschaftsprojekte.

Der Fokus der Kakaoindustrie liege derzeit auf Produktionssteigerung. Dabei gehe es darum, die Einkommen der Produzentenorganisationen zu erhöhen. Doch dadurch sinke der Kakao-Weltmarktpreis kontinuierlich. „Seit Herbst 2016 ist er um ein Drittel gefallen“, so Kirner.

Fairtrade, Grafik Fairtrade

„Unternehmen müssen mehr für Kakao bezahlen“

Stefan Grasgruber-Kerl von Südwind Österreich bezeichnet am Donnerstag die Erhöhung des Mindestpreises von Fairtrade „als wesentlichen Schritt in die richtige Richtung“. Die Kakaoproduktion könne nur dann nachhaltig gesichert werden, wenn die Familien im Kakaoanbau ein existenzsicherndes Einkommen erhalten. Derzeit bleiben den Bauernfamilien lediglich 6,6 Prozent (in den 80er-Jahren betrug der Anteil noch 16 Prozent) einer im Geschäft verkaufen Tafel Schokolade. Supermärkte und Hersteller erhalten 80 Prozent. „Wenn Schokolade-Unternehmen es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen, müssen sie auch bereit sein, mehr für den Kakao zu bezahlen“, appelliert Grasgruber-Kerl an andere Siegel und Unternehmen. Derzeit werden zwei Drittel des weltweiten Kakao-Markts von drei Firmen dominiert und kontrolliert: Barry Callebaut (Schweiz), Cargill (USA) und Olam (Singapur). Die sechs größten Hersteller von Schokolade-Produkten sind: Mondelez (USA), Nestlé (Schweiz), Mars (USA), Hersheys (USA), Ferrero (Italien) und Lindt & Sprüngli (Schweiz).

Kakao, Fairtrade und Österreich

Der Anteil von Fairtrade-Schokolade im österreichischen Handel beträgt derzeit sieben Prozent. Im Jahr 2017 wurden in Österreich 2.535 Tonnen Fairtrade-Kakao konsumiert, das sind um 11,6 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr. Zum Fairtrade-Netzwerk im Bereich Kakao zählen derzeit 189 Kleinbauernkooperativen in 22 Ländern – darunter Elfenbeinküste, Peru, Ghana, Kolumbien, Ecuador und Nicaragua.

 

Salzburg als Wiege des Fairtrade

Deutliche Unterstützung für die Erhöhung des Kakao-Mindestpreises von Fairtrade kommt auch aus der Salzburger Politik. Fairtrade wird in Salzburg schon seit vielen Jahren großgeschrieben. So gibt es im Bundesland elf Fairtrade-Gemeinden, die sich auf vielfältige Art und Weise für den fairen Handel stark machen. Derzeit arbeiten die Regionen Salzburger Seenland und Lungau an der Bildung einer gemeindeübergreifenden Fairtrade-Region. „Ich freue mich sehr, dass so viele Salzburgerinnen und Salzburger hinter Fairtrade stehen und so tatkräftig unterstützen. Jede und jeder von uns kann mit bewussten Kauf-Entscheidungen zu verbesserten Lebensbedingungen weltweit beitragen. Jeder Einkauf ist also auch eine kleine politische Entscheidung, die wir tagtäglich treffen können“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn bei der Pressekonferenz am Donnerstag.

Das ist Fairtrade in Salzburg

  • 1975 begann die EZA Fairer Handel damit, Produkte zu „fairen Bedingungen“ in Österreich zu vertreiben. Damals wurden die EZA und ein erster „Weltladen" in der Mozartstadt gegründet.
  • Mit Berger Feinste Confiserie und BioArt sind in Salzburg zwei Premium-Hersteller vielseitiger Schokoladen-Produkte beheimatet.
  • Der Handelspartner Spar, mit Hauptsitz in Salzburg, hat 2002 erstmals fair gehandelte Bananen für eine große Zielgruppe verfügbar gemacht und tut das bis heute – das Sortiment an Fairtrade-Produkten wird von Spar generell laufend erweitert, auch beispielsweise saisonal im Schokolade-Bereich.
  • Der Gemeinderat der Stadt Salzburg hat sich in einer Resolution einstimmig zum fairen Handel bekannt. Seit April 2014 ist Salzburg als Fairtrade-Stadt ausgezeichnet. 2018 wurde der Fairtrade-Status von Fairtrade Österreich verlängert und 2019 feiert man das Fünf-Jahrjubiläum.
  • Im Bundesland Salzburg gibt es bereits elf Fairtrade-Gemeinden, die sich auf vielfältige Art und Weise für den fairen Handel stark machen.
  • Insgesamt wurden in Salzburg auch schon drei Fairtrade-Schools ausgezeichnet. Der faire Handel wird im Unterricht thematisiert
  • Zahlreiche Gastronomiebetriebe unterstützen Fairtrade– darunter das Grüne Hotel zur Post in der Landeshauptstadt, das AfroCafe oder die Oberforsthof Alm.
  • Der geschätzte jährliche Umsatz mit Fairtrade-Produkten liegt in Salzburg bei ca. 19 Millio-nen Euro.
  • Innovativ: Seit 2018 setzt die Universität Salzburg auf Fairtrade-Labormäntel. Projektpartner: Universität Salzburg, Land Salzburg, BioFairConnection, facultas, Firma Litz.

Kakao - der Stimmungsmacher hat's in sich

Kakaobauer Fairtrade Österreich

In einer Kakaobohne befinden sich rund 300 Inhaltsstoffe. So viele sind es, dass ihre Anzahl bis jetzt nur geschätzt werden kann – und auch deren gesundheitliche Wirkung ist bisher noch nicht gänzlich erforscht.

Was man inzwischen weiß, ist beeindruckend. Entgegen der landläufigen Meinung enthält natürlicher Kakao lediglich ein Prozent Zucker. Der Hauptbestandteil ist hingegen Fett: Rund 54 Prozent Kakaobutter befinden sich in einer Bohne, dazu kommen 11,5 Prozent Eiweiß, 9 Prozent Zellulose, 5 Prozent Wasser sowie 2,6 Prozent Mineralstoffe – darunter Kalium und Magnesium – sowie wichtige Ballaststoffe und Vitamin E.

Der Hauptgrund aber, weshalb Kakao das Wohlbefinden steigern kann und des Winters durchaus auch zum Vertreiben der trüben, ja depressiven Stimmung genossen wird, ist das in ihm enthaltene Serotonin und Dopamin: Diese Stoffe können beim Menschen eine stimmungsaufhellende Wirkung hervorrufen und das Wohlbefinden steigern. Gleichzeitig wird vor allem den Schokoladen mit über 70 Prozent Kakaoanteil auch eine Blutdruck senkende Wirkung und eine Minderung des Schlaganfall-Risikos nachgesagt: Schweizer Kardiologen sprechen sogar von „süßem Aspirin“.

Die Geschichte des Kakao

Kakao hat eine lange Historie, die im Gebiet des heutigen Ecuadors begann. Neueste wissenschaftliche Funde lassen nämlich darauf schließen, dass die braunen Bohnen in der Amazonas-Region schon vor mehr als 5.000 Jahren angebaut wurden. Die Kakaobohnen wurden gegessen, getrunken und für die Herstellung von Medizin von der indigenen Bevölkerung verwendet.

Aus dem Amazonasgebiet gelangte die Kakaopflanze schließlich auch nach Mittelamerika, wo sie schon von der altmexikanischen Hochkultur der Olmeken kultiviert wurde. Auch Mayas und Azteken schätzten die Pflanze und das Getränk für ihre Eliten und für besondere Anlässe. Die spanischen Eroberer berichteten vom „Geld, das auf Bäumen wächst“, da die Kakaobohnen ein beliebtes Zahlungsmittel waren. In Europa wurde Kakao erst im 17. Jahrhundert durch Beigabe von Zucker und Milch zu einem beliebten Genussmittel und Statussymbol der herrschenden Schichten.

In Westafrika wurde Kakao Ende des 19. Jahrhunderts von den Kolonialmächten eingeführt, um die steigende Nachfrage in Europa zu decken, als hier nach Erfindung der Schokolademaschine zahlreiche Schokoladefabriken für den Massenmarkt entstanden.

Produktion und Export

Mit 4,7 Millionen Tonnen geernteten Kakaobohnen im Anbaujahr 2016/17 zählt Kakao neben Erdöl und Kaffee zu den wichtigsten Rohstoffen auf dem Weltmarkt. Über 90 Prozent der europäischen Nachfrage wird durch Westafrika gedeckt. Mehr als ein Drittel der Welternte stammt aus Anbaugebieten in der Elfenbeinküste, wo fast jeder Vierte vom Kakaoanbau lebt. Weitere große Anbauländer sind Ghana, Indonesien, Nigeria, Ecuador, Brasilien und Kamerun.

Kakaokonsum

Konsumiert wird Schokolade hauptsächlich in Europa (47% Weltmarktanteil) und den USA (20%), aber auch sogenannte Schwellenländer wie China und Indien kommen zunehmend auf den Geschmack. Dadurch steigt die Nachfrage. Mit einem Schokoladekonsum von 9 Kilo pro Kopf und Jahr liegt Österreich im weltweiten Spitzenfeld. Überholt werden wir nur von Deutschland (12 Kilo), der Schweiz (11 Kilo), Norwegen (10 Kilo) und Großbritannien (9,5 Kilo).

Was läuft falsch im Kakao-Handel?

Kein existenzsicherndes Einkommen für die Kakaobauernfamilien

Trotz der Nachfrage an Kakao ist die Existenz der Kakaobauernfamilien nicht gesichert. So leben deutlich mehr als die Hälfte der Kleinbauernfamilien unter der Armutsgrenze. Da der Kakaoanbau im Schnitt mehr als 70 Prozent des Einkommens ausmacht bestätigt sich – die Preise, die für Kakao bezahlt werden, sind zu niedrig, um ein gutes Leben für die Bauernfamilien zu ermöglichen.

Ausbeuterische Kinderarbeit

Im Kakaosektor ist vor allem das Ausmaß der ausbeuterischen Kinderarbeit in Westafrika erschreckend. Allein in der Elfenbeinküste und in Ghana arbeiten über zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen unter ausbeuterischen Bedingungen, die laut den ILO Richtlinien 182 und 138 verboten sind (siehe Exkurs), da die Kinder durch starke körperliche Belastungen sowie den Umgang mit gefährlichen Werkzeugen und Chemikalien massiven Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind und ein Schulbesuch meist unmöglich ist.

Überalterung der Kakaobäume

Der Kakaobaum ist anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Aufgrund der niedrigen und unsicheren Einkommen, kann nicht in wichtige Maßnahmen zum Pflanzenschutz und zur Produktionssteigerung investiert werden, wie in den Ersatz von kranken und alten Bäumen. Nach 20 Jahren verlieren die Bäume rasch an Ertragskraft und werden anfälliger für Schädlinge.

Mangel an Kakaobäuerinnen und -bauern der nächsten Generation

Immer mehr Kakaobauernfamilien sehen mittlerweile keine Zukunft mehr im Kakaoanbau. Vor allem junge Leute geben die Landwirtschaft auf und wandern in die Slums der Großstädte ab. Das Durchschnittsalter der Kakaobäuerinnen und -bauern beträgt in Westafrika 51 Jahre, was angesichts einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 50 Jahren in der Elfenbeinküste (in Ghana: 61 Jahre) alarmierend ist. Während die globale Nachfrage nach Kakao massiv steigt, fehlt zunehmend die nächste Generation, die die Kakaoerträge der Zukunft einbringen könnte.

Die Kakao-Lieferkette – Wenige haben das Sagen

Die Konzentration der globalen Wertschöpfungskette von Kakao nimmt weiter zu – durch mehrere Fusionen und Übernahmen in der Branche. Derzeit machen fünf Konzerne zwei Drittel des weltweiten Umsatzes mit Schokoladeprodukten. Und – sofern die Kartellwächter nicht noch Einspruch erheben – produzieren in Zukunft nur zwei Verarbeiter (Barry Callebaut und Cargill/ADM) 70 bis 80 Prozent der weltweit produzierten Industrieschokolade. Diese Konzentration schwächt die Verhandlungsposition der Bauernfamilien weiter.

Aufgerufen am 25.04.2019 um 03:43 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/fairtrade-erhoeht-mindestpreis-fuer-kakao-68643535

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