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Fall Gurlitt: 178 weitere Bilder in Salzburger Villa entdeckt

Die Geschichte um die Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt ist seit Mittwoch um eine Facette reicher: So dürfte die Zahl jener Werke, die in der Salzburger Villa des 81-Jährigen gefunden wurden, weit höher liegen als bisher bekannt. 178 weitere Bilder wurden nun "im Hausrat" entdeckt.

Zusätzlich zu den am 10. Februar entdeckten 60 Exponaten seien in Gurlitts verlassenem Haus in Salzburg bei Begehungen am 24. und 28. Februar 178 weitere Kunstgegenstände gefunden worden, hieß in der Erklärung seines Sprechers Stephan Holzinger am Mittwoch.

Darunter sind den Angaben zufolge Ölgemälde und Aquarelle von Auguste Renoir, Edouard Manet, Gustave Corbet, Max Liebermann und Claude Monet. Zu den bekanntesten Werken gehören laut den Recherchen von SZ, WDR und NDR Renoirs "Mann mit Pfeife" und Monets "Waterloo Bridge". Der Wert dieses Bildes könne bei bis zu zehn Mio. Euro liegen.

Nach Angaben seiner Berater will Gurlitt für den Salzburger Teil seiner Sammlung renommierte internationale Experten für eine Provenienzforschung gewinnen, um die Herkunft aller Bilder zweifelsfrei klären zu können.

1.400 Werke in Münchner Wohnung

In Gurlitts Münchener Wohnung waren 2012 über 1400 Kunstwerke beschlagnahmt worden. Ein Großteil davon soll Nazi-Raubkunst sein, darunter Werke des Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus oder Kubismus - Kunstströmungen, die von Adolf Hitler als "entartet" stigmatisiert worden waren. Gurlitt hatte die Gemälde, darunter Meisterwerke von Picasso, Dürer, Renoir und Toulouse-Lautrec, von seinem Vater, dem Kunsthistoriker und Kunsthändler Hildebrand Gurlitt geerbt.

Der Wert der nun rund 240 Salzburger Bilder dürfte somit deutlich über demjenigen der Münchner Sammlung Gurlitts liegen - die immerhin rund 1.000 Werke umfasst. Überdies dürften die Salzburger Funde aus dem Besitz von Gurlitts Großvater Louis stammen und deshalb nicht unter Raubkunstverdacht stehen.

Gurlitt will Werke zurückgeben

Der Münchener Kunsterbe Cornelius Gurlitt will nach eigenen Angaben alle aus jüdischem Besitz geraubte Kunstwerke an die jeweiligen Besitzer oder deren Nachfahren herausgeben. Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger erklärte am Mittwoch, die Übergabe des ersten Exponats stehe unmittelbar bevor. Als erstes Werk soll demnach das Porträt "Sitzende Frau" von Henri Matisse in Kürze an die Nachfahren des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg übergeben werden.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe), des Norddeutschen Rundfunks und des Westdeutschen Rundfunks soll in Kürze die Übergabe von Matisses Porträt "Sitzende Frau" an Nachfahren des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg vereinbart werden.

Nazis beschlagnahmten Bilder

Das von den Nazis gestohlene Werk gehörte zeitweise zur Kunstsammlung des führenden Nazi-Politikers Hermann Göring und gelangte auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt, hieß es unter Berufung auf den gerichtlich bestellten Betreuer des schwer erkrankten Gurlitt, Rechtsanwalt Christoph Edel.

Dieser wurde in der Erklärung Gurlitts mit der Äußerung zitiert, derzeit werde ein "Restitutionsrahmen" in Anlehnung an die sogenannten Washingtoner Prinzipien erarbeitet. Dieser Rahmen solle als Basis für Anspruchsteller dienen - sei es in Fällen von Raubkunst, sei es in Fällen, "die weniger oder eben gar nicht eindeutig sind". (APA)

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(Quelle: S24)

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