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„Das ist Tierquälerei“

Falsche Hochzeitstauben verenden in Salzburg

Brautpaaren droht bei Nicht-Anmeldung Strafe

Völlig orientierungslos, ausgehungert und dehydriert irrten vergangene Woche zwei Hochzeitstauben durch die Stadt Salzburg. „Einmal ausgesetzt sind sie sich selbst überlassen“, ärgert sich Hans Lutsch vom Verein ARGE Stadttauben Salzburg im Gespräch mit SALZBURG24. Warum diese Tiere in der Regel nicht zu ihrem Schlag finden und weshalb sich Brautpaare bei diesem Brauchtum strafbar machen können – wir haben nachgefragt.

Salzburg

„Die Situation ist als Tierquälerei einzustufen“, hat Lutsch eine klare Meinung in der Thematik. „Immer wieder werden verlorengegangene Hochzeitstauben in der Nähe des Standesamtes im Schloss Mirabell gefunden. Sie sind hilflos diesen Lebensbedingungen ausgesetzt. Das heißt sie haben kaum eine Überlebenschance.“ Von den aktuell zwei gemeldeten Tauben wurde eine mittlerweile gefunden, von der zweiten fehlt jede Spur. Vor rund sieben Wochen wurde eine verhungerte weiße Taube in einem Blumenbeet im Mirabellgarten gefunden.

Tiere sich selbst überlassen

Auch die Österreichische Tierrettung musste zuletzt zu einer Taubenrettung ausrücken, berichtet Präsident Oswin Mair auf S24-Nachfrage: „Ich hatte vergangene Woche einen Einsatz, wo die Hochzeitsgesellschaft die Lokalität gewechselt und der Taubenlieferant die Tauben sich selbst überlassen hat.“ Die Tiere wurden später in eine Auffangsstation gebracht: „Diese Einsätze verursachen Kosten, die die Tierrettung und auch die Auffangstationen nie bekommen“, so Mair.

 

Finden Tauben zu ihrem Schlag zurück?

Doch wieso treten die Fälle verendeter Hochzeitstauben aktuell vermehrt auf? „Normalerweise werden weiße Brieftauben als Hochzeitstauben verwendet. Diese sind so gezüchtet, dass sie auch wieder zu ihrem Schlag zurückfinden“, erklärt der Landeszuchtwart für Tauben, Franz Strumegger, im S24-Gespräch. Aktuell gebe es das österreichweite Problem, dass stattdessen verschiedene Rassetauben bei Hochzeiten eingesetzt werden, die nicht entsprechend trainiert sind. „Diese Tiere werden dadurch mehr oder weniger ausgesetzt, weil sie nicht diese Fähigkeit besitzen, um nach Hause zu finden.“ Oft werden diese Tiere von Hobbyzüchtern vertrieben, „die fast damit rechnen, dass die Tauben nicht mehr nach Hause kommen“, so Strumegger, der in diese Fällen auch von Tierquälerei spricht.

Hinzu kommt, dass Tiere von Hobbyzüchtern oft nicht beringt und damit nicht rückverfolgbar sind. „Für organisierte Taubenzüchter ist ein Ring verpflichtend“, weiß der Experte. Er empfiehlt Brautpaaren Hochzeitstauben bei eingetragenen Züchtern zu kaufen, weil diese im Regelfall auch die richtige Taubenrasse anbieten, die wieder zu ihrem Schlag zurückfindet.

Worauf Brautpaare achten müssen

Brautpaare müssen zudem einen weiteren Punkt beachten, sollten sie Hochzeitstauben fliegen lassen wollen. Der Amtstierarzt der Stadt Salzburg, Christophorus Huber, klärt im S24-Gespräch auf: „Sind mehr als 20 Personen anwesend – das wird bei einer Hochzeit meist gegeben sein – ist das als Veranstaltung einzustufen. Wirken bei einer Veranstaltung Tiere mit, muss man sich um eine tierschutzrechtliche Genehmigung bemühen.“ So müsse man nachweisen können, dass die Tiere wieder nach Hause finden. Bei Brieftauben sei das kein Problem, bei anderen Taubenrassen schon: „Das wäre dann ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, weil die Tiere nicht nach Hause finden. Hier spricht man von einer Auswilderung von Haustieren und das ist verboten“, betont der Mediziner.

Anzeigen ja, Genehmigungen nein

Pikant: Bislang wurde bei Huber – „und ich bin jetzt schon einige Jahre dabei“ – noch kein einziges Mal um eine tierschutzrechtliche Genehmigung für Hochzeitstauben angesucht: „Nur weil es nicht gemeldet wird, heißt das nicht, das so etwas nicht stattfindet“, so der Amtstierarzt. Anzeigen oder Beschwerden anderer, die den Einsatz von Hochzeitstauben meldeten, habe es indes schon gegeben.  

Keine Hochzeitstauben im Marmorsaal

Direkt im Marmorsaal der Stadt Salzburg können Hochzeitstauben ohnehin nicht wegfliegen, berichtet der Leiter des Standesamtes, Stefan Fuchs, auf S24-Nachfrage: „Wir haben Schutzgitter vor den Fenstern, weil wir keine fremden Tauben drinnen haben möchten. Die Brautpaare lassen die Tauben meistens im Mirabellgarten fliegen, da sind wir aber nicht mehr dabei.“

 

Taube gefunden – was tun?

Wer eine orientierungslose Hochzeitstaube in der Stadt Salzburg entdeckt, der wählt am besten die Telefonnummer 0664 2360 130. „Wir bemühen uns dann, die Tier einzusammeln, aufzupeppen und zum Tierarzt zu bringen“, erklärt Hans Lutsch vom Verein ARGE Stadttauben. Haben sich die Tiere erholt, kommen sie zu einem betreuten Taubenschlag. Um das Problem aus der Welt zu schaffen, wünscht sich Lutsch ein Verbot der Hochzeitstauben. „Es gibt in Deutschland Städte und Standesämter, die dieses Brauchtum untersagen. Ein solches Verbot könnte man in Salzburg auch aussprechen.“

(Quelle: SALZBURG24)

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