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Filmemacher Bernhard Wenger im Sonntags-Talk: „Ich will die Zuschauer nicht nur zum Lachen bringen“

Bernhard Wenger ist Filmemacher aus Salzburg. Der 26-Jährige hat mittlerweile über 70 Preise für seine Kurzfilme gewonnen und jüngst vom Land Salzburg ein Jahresstipendium im Wert von 10.000 Euro erhalten. Im Sonntag-Talk spricht er über seine Anfänge als Filmemacher, seinen aktuellen Kurzfilm  – und erklärt, was er an Wellnessurlauben skurril findet. 

Wenn Bernhard Wenger spricht, wird schnell offensichtlich, dass dieser Mann Humor hat. Der Salzburger weiß, wie man Schmäh führt, dementsprechend viele Lacher begleiten das Interview mit dem Filmemacher. Ebenso wird bei dem Interview-Termin deutlich, wieviel Leidenschaft der 26-Jährige in seine Profession steckt.

SALZBURG24: Bernhard, warum ist es besser, Regisseur als Schauspieler zu sein?

BERNHARD WENGER: Ich denke, man ist weniger von anderen abhängig, wenn man selbst das Drehbuch schreibt und inszenieren kann. Als Schauspieler ist man darauf angewiesen, dass der Regisseur einen gut anleitet. Als erfahrener Schauspieler braucht man den Regisseur natürlich immer weniger, aber generell ist man als Schauspieler mehr in einem Abhängigkeitsverhältnis.

Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Angefangen hat es damit, dass ich mich für Schauspiel interessiert habe. In der Unterstufe im Gymnasium habe ich mit einem Freund begonnen, am Heimweg von der Schule Handyvideos zu drehen. Zur Firmung habe ich meine erste Kamera bekommen und angefangen, die Videos zu schneiden und mir Geschichten im Vorhinein zu überlegen. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es mich mehr interessiert, etwas hinter der Kamera zu inszenieren und Geschichten zu erfinden.

Ist es heutzutage deiner Meinung nach leichter geworden, ins Filmbusiness einzusteigen? YouTube ermöglicht es jedem, Filme online und einer breiten Masse zur Verfügung zu stellen.

Ganz sicher. Es ist heute auch viel billiger, einen Film zu machen. Früher hat man eine Kamera und Filmmaterial kaufen müssen, mittlerweile hat jedes Handy eine Kamerafunktion. Heute kann man mit sehr wenig Budget schon viel machen.

Was fasziniert dich am Filmemachen?

Ich möchte Geschichten erzählen. Das ist zwar abgedroschen, aber es stimmt. Es gibt nichts Schöneres, als etwas zu inszenieren. Man kreiert eine Wirklichkeit, die das Zusammenspiel verschiedener Kunstformen, wie Schauspiel, Bildgestaltung oder Szenenbild, ist. Nur wenn das alles zusammenpasst, wird es ein guter Film.

Du hast vor kurzem das mit 10.000 Euro dotierte Jahresstipendium Film vom Land Salzburg erhalten. Was wirst du damit machen?

Jeder junge Filmemacher hat das Ziel, den Sprung vom Kurz- zum Langfilm zu schaffen. Mein nächstes Ziel ist es, das Drehbuch für meinen ersten Langfilm zu verfassen. Das ist ein großer Schritt. Durch das Jahresstipendium habe ich die Freiheit zu schreiben. Drehbuchschreiben ist etwas, worauf man sich vollständig konzentrieren muss. Man kann nicht nebenbei drehen und am Abend ein bisschen schreiben – da kommt nichts Gescheites raus. Man muss wirklich den Kopf freihaben und sich nur mit dem Thema beschäftigen. Das ermöglicht mir dieses Stipendium.

Gabriel Hüttinger/ Bernhard Wenger (re.) während der Dreharbeiten zu "Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“.

Lass uns über deinen aktuellen Kurzfilm „Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“ reden, der bereits einige Preise gewonnen hat. Um was geht es?

Es handelt sich um die Geschichte eines schwedischen Paares, das einen Wellnessurlaub in den österreichischen Bergen macht. Am Anfang des Filmes streiten sich die beiden, daraufhin verlässt sie das Hotelzimmer und den restlichen Film lang sucht er sie. Dabei taucht er in die skurrile Welt des Wellnesshotels ein – und irgendwann ist nicht mehr so wirklich klar, ob er sie oder eher sich selbst sucht.

Wie bist du auf die Idee für diese Geschichte gekommen?

An der Grundidee des Filmes ist ein Freund von mir quasi schuld. Er hat sich von seiner Freundin getrennt, ohne dass die Trennung jemals ausgesprochen wurde. Ich fand es immer schon spannend, einen passiven Hauptcharakter im Film zu haben. Also eine Figur, die sich mehr leiten lässt, als selbst Entscheidungen zu treffen. Das ist etwas sehr Seltenes und ich wollte das einmal ausprobieren.

Andererseits finde ich, dass Wellness an sich etwas sehr Skurriles an sich hat – nicht im negativen Sinne. Man spart wahnsinnig lange dafür, dass man dann ein paar Tage gar nichts tut. Man sitzt nackt Menschen in der Sauna gegenüber, die man nicht kennt und sieht sich dabei in die Augen – das hat etwas Eigenartiges an sich. Es gibt viele Situationen beim Wellness, die Humor beherbergen. Deswegen wollte ich einen passiven Hauptcharakter in dieses Setting setzen.

Welche Art von Filmen möchtest du in Zukunft machen?

Ich glaube, ich habe meine filmische Handschrift gefunden. Mir ist Humor einfach sehr wichtig – grundsätzlich im Leben. Der Humor in meinen Filmen ist sehr skurril. Früher habe ich immer versucht, die breite Masse zu treffen. Bei meinem aktuellen Kurzfilm habe ich mehr von meinen Humor eingebaut. Der Film läuft sehr gut und ich habe gemerkt, dass mein Humor gut ankommt.

Die Geschichten, die ich schreibe, sind immer sehr nahe am Menschen, Filmmachen ist immer zu großen Teilen autobiografisch, weil man eigene Erlebnisse hineinschreibt. Das muss nicht heißen, dass die Geschichte der Hauptperson mit meiner Geschichte übereinstimmt, aber viele Erlebnisse finden sich im Film als Szenen wieder.

Du lebst mittlerweile in Wien und studierst dort auf der Filmakademie. Muss man, um als Filmemacher erfolgreich zu sein, Salzburg verlassen?

Ich glaube, man muss als Filmemacher immer seine Heimatstadt verlassen, um ein bisschen die Welt zu sehen und sich inspirieren zu lassen. Salzburg hat es als Kleinstadt nicht sehr leicht. Es gibt dort keine blühende Filmbranche, die gibt es in Österreich nur in Wien. Man kann in Salzburg wunderbar Drehbücher schreiben, das mache ich irrsinnig gerne. Was man in Salzburg nicht kann, ist kurzfristig einen Film zu drehen, weil das Equipment dazu nicht vorhanden ist. 

Welchen Bezug zu Salzburg haben deine Filme?

Ich glaube, dass grundsätzlich alle meine Filme einen Salzburg-Bezug haben. Salzburg ist eine Kleinstadt, in der man sich untereinander kennt, man redet mit den Nachbarn, man grüßt sich – das bekommt man von klein auf in Salzburg mit. Daher schwingt auch die Nähe zu den Menschen immer in meinen Filmen mit. Auch die Nähe zur Natur spielt in meinen Filmen, ohne dass ich mir dessen richtig bewusst war, immer eine Rolle. Das liegt wohl auch daran, dass mein Nachhauseweg von der Schule durch einen Wald geführt hat. Das kindliche Erkunden und Entdecken hat mich sicher sehr geprägt.

Wann ist ein Film ein guter Film?

Ich denke, ein Film funktioniert dann, wenn der Zuschauer später darüber nachdenkt und sich beim Zuschauer eine gewisse Emotion stark ausprägt. Ob das jetzt bedeutet, dass man den Film amüsant findet, oder er einen furchtbar traurig macht, oder man sich ärgert: Das sind alles starke Reaktionen, die durch einen Film hervorgerufen werden können. Ein Film, der einen kalt lässt und überhaupt nicht berührt, ist kein guter Film. Ich will mit meinen Filmen die Zuseher nicht nur zum Lachen bringen, sondern auch zum Nachdenken anregen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 04:36 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/filmemacher-bernhard-wenger-im-sonntags-talk-ich-will-die-zuschauer-nicht-nur-zum-lachen-bringen-58634689

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