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"Einfach offen sein"

Franziskaner mit Youtube-Klickhits

Vernissage zugunsten der Salzburger Franziskanerkirche

Er ist Priester, seit 21 Jahren. Und er ist Youtuber, Musiker und Maler. Ab heute, Donnerstag, stellt Franziskaner-Pater Sandesh Manuel (39) seiner Kunstwerke in Salzburg aus. Die Einnahmen gehen in die Renovierung der Franziskanerkirche. Wenige Stunden vor seiner Vernissage hat uns der umtriebige Geistliche besucht – mit seiner Gitarre im Gepäck. Ein Interview mit Seltenheitswert.

Rund 70 Bilder hat Pater Sandesh von Wien nach Salzburg gebracht, um diese im Erzbischöflichen Palais auszustellen und zu verkaufen. Die Einnahmen kommen der dringend notwendigen Renovierung des Turms der Salzburger Franziskanerkirche zu gute. Der aus Indien stammende und in Wien lebende Franziskaner malt seit Kindheitstagen an. Jedes seiner Bilder erzählt eine Geschichte und hat eine ganz eigene Bedeutung. Eine Auswahl seiner Bilder gibt es auch auf Instagram zu sehen. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

The monkey mind And the meditation

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Franziskaner, Musiker und Youtuber

Pater Sandesh ist aber nicht nur Künstler aus Leidenschaft, sondern auch Musiker und Youtuber. Vor allem das Singen und Komponieren hat es dem 39-Jährigen angetan – 120 Songs hat er bereits geschrieben. Sein meistgeklicktes Video auf Youtube, ein Cover von Coldplays "Fix you", zählt über 100.000 Aufrufe. 

Bei seinem Besuch bei uns in der Redaktion hat der Geistliche einen eigenen Song gesungen.

Wie reagieren die Menschen auf einen singenden Pater mit eigenem Youtube-Kanal?

Die Leute haben natürlich eine ganz andere Vorstellung davon, wie ein Pater sein und was er machen soll. Und wenn sie mich sehen, sind sie oft ein bisschen verwirrt. Aber sobald sie merken, um was es mir geht, verschwindet das ganz schnell.

Um was geht es Ihnen?

Ich möchte mit meiner Musik einfach Friede und Freude teilen und das in einer neutralen Sprache, die keine Blockade hat. Mir geht es nicht darum, anders zu sein oder mit den Vorstellungen zu brechen. Ich möchte einfach Malen, Musik machen und Youtube-Videos produzieren.

Sehen Sie sich mehr als Priester oder mehr als Künstler?

Ich sehe das als Kombination. Ich mache mir da nicht so viele Gedanken darüber. Denn ich lebe im Hier und Jetzt. Ich möchte offen sein.

Was ist Ihre Lieblingsmusik?

Eigentlich höre ich alles. Von Metall bis hin zu Klassik und Country.

Helene Fischer auch?

Ja. Ich möchte unbedingt zu einer Live-Show gehen. Ich habe bisher nur viele Videos von ihr auf Youtube gesehen.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie singender Priester geworden sind?

Musik hat mich schon immer interessiert und Priester wollte ich eigentlich nie werden. Mit 17 Jahren hatte ich mich schon für das Medizinstudium eingeschrieben, doch dann bin ich doch bei den Franziskanern eingetreten. Ich dachte, ich probiere es einfach mal kurz aus. Und dann war das eine sehr schöne Zeit in der auch die Musik in mein Leben getreten ist. Bei den Franziskanern gab es nämlich die Möglichkeit, das zu tun, was meine Leidenschaft ist. Sie haben mich unterstützt.

Und heute studieren Sie Musik in Wien.

Ja. Es gab vor fünf Jahren die Möglichkeit, dass ich zu den Franziskanern nach Österreich komme und hier ein Studium beginne. Das habe ich gemacht. Aber ich wollte nicht Orgel lernen, so wie es für einen Pater eigentlich typisch wäre, sondern ein weltliches Instrument wie die Gitarre – da bin ich sicherlich eine Ausnahme.

Wie geht es Ihnen damit, dass Sie eine „Ausnahme“ sind?

Manchmal ist das schon schwierig. Man zweifelt und fragt sich selbst, ob das alles richtig ist, was man tut. Aber manche Dinge wollen einfach raus und ich will sie dann auch auf eine Art ausdrücken.

Als ich in Österreich angekommen bin, konnte ich keine Noten lesen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich am ersten Tag im Mozarteum in Salzburg saß. Das war eine Katastrophe. Kein Deutsch, keine Noten. Ich wollte einfach nur wieder zurück. Doch ein anderer Pater hat mich wieder aufgebaut. Ich habe dann mit einem Privatlehrer ein Jahr Noten gelernt und die Aufnahmeprüfung gemacht. Und nächstes Jahr bin ich mit meinem Studium fertig.

Das was ich jetzt mache, liegt mir sehr am Herzen und das habe ich gesucht und gefunden. Es ist bereits mein fünftes Studium – neben Philosophie, Theologie, Indischer Philosophie und Indischer Musik.

Kann man sagen, dass Sie angekommen sind?

Nein. Aber das macht nichts.

Woher kommt Ihre Inspiration?

Das weiß ich nicht wirklich. Ich kann nur sagen, dass ich viele Konzerte und Ausstellungen besuche. Und, dass es für mich die beste Motivation ist, andere Menschen lächeln zu sehen, wenn sie mich singen hören oder meine Videos ansehen. Das ist für mich das Allerschönste. Wenn ich singe oder male geschieht das in mir – meistens ganz plötzlich. Es kann sein, dass ich zwei Monate nur für mein Studium übe und dann gehe ich irgendwann in mein Atelier und plötzlich sind 20 Bilder fertig. Ich bin der Überzeugung, dass die Dinge einfach passieren sollen und ich versuche, sie einfach passieren zu lassen.

Gibt es etwas, das Sie unseren Lesern noch mitgeben möchten?

Ja, aber ich möchte nicht, dass es klingt wie eine Predigt oder so. Ich wünsche mir, dass die Menschen offen sind. Offen für Friede und Freude und offen dafür, glücklich zu sein.

Pater Sandesh, vielen Dank für das Gespräch.

Pater Sandesh Manuel wird seine Vernissage heute Abend selbst musikalisch begleiten. Die Ausstellung startet um 19 Uhr im Salzburger Bischofshaus (Kapitelplatz 2) und dauert bis zum 28. Mai.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 23.05.2019 um 06:04 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/franziskaner-musiker-und-youtuber-vernissage-in-salzburg-69994078

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