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Frauenzahlen 2016: So sieht die Lage der Frauen in Salzburg aus

Der aktuelle Bericht der Landesstatistik "Frauenzahlen 2016" gibt eine detaillierte Übersicht zur Lage der Frauen im Land Salzburg. "Der Bericht bietet eine fundierte statistische Analyse zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Land Salzburg. Die Daten sind eine wichtige Grundlage für frauen- und gleichstellungspolitische Maßnahmen", betonte dazu Gernot Filipp, der Leiter der Landesstatistik in einem gemeinsamen Informationsgespräch mit Frauen- und Familienlandesrätin Martina Berthold.

Erstmals enthalten in den Frauenzahlen sind umfassende Gleichstellungsindikatoren zu gesellschaftlichen Schlüsselthemen. Die Indikatoren für die sechs Bereiche Kinderbetreuung und Bildung, Erwerbstätigkeit, Sozioökonomische Situation, Gesundheit, Sicherheit sowie Repräsentation und Partizipation bilden die Entwicklung im zeitlichen Verlauf ab und zeigen der Politik die konkreten Handlungsbedarfe auf.

Frauenanteil mit universitärer Ausbildung gestiegen

Eine positive Entwicklung gibt es im Hinblick auf die höchste abgeschlossene Ausbildung. So hat sich der Anteil der Frauen in Salzburg mit Pflichtschulabschluss als höchste Ausbildung seit 2001 um mehr als zehn Prozentpunkte reduziert, während sich der Anteil der Frauen mit universitärer Ausbildung um fünf Prozentpunkte erhöht hat.

Der Wermutstropfen: Technische Zweige an berufsbildenden mittleren Schulen (BMS) und berufsbildenden höheren Schulen (BHS) werden von Mädchen – trotz eines leichten Anstiegs – noch sehr schwach besucht. Auch in der Metalltechnik, dem beliebtesten Lehrberuf der Burschen im Jahr 2014, sind Mädchen nur vereinzelt zu finden. In den Jahren 2013 und 2014 war jedoch bereits eine leichte Zunahme erkennbar. In naturwissenschaftlichen oder technischen Studienrichtungen waren 2013 etwa vier von zehn Studierenden weiblich und damit etwas mehr als noch fünf Jahre zuvor.

Von links: Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik, Landesrätin Martina Berthold Daniela Diethör, Geschäftsführerin von Frau und Arbeit, Karoline Brandauer und Isolde Bertram, Frau und Arbeit/LMZ Salzburg Salzburg24
Von links: Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik, Landesrätin Martina Berthold Daniela Diethör, Geschäftsführerin von Frau und Arbeit, Karoline Brandauer und Isolde Bertram, Frau und Arbeit/LMZ Salzburg

Armut ist noch immer weiblich

Die ökonomische Situation stellt sich für Frauen deutlich schwieriger dar als für Männer: Sie verdienen weniger, arbeiten zu rund 44 Prozent in Teilzeit und sind häufiger von Armut betroffen – vor allem im Alter. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Kindererziehung und die Pflegearbeit in der Hauptverantwortung der Frauen liegen. Zum Vergleich: Jedes zehnte  Kind (11,1 Prozent), das in Salzburg eine Kinderbetreuungseinrichtung besucht, lebt bei der alleinerziehenden Mutter (insgesamt 2.166 Kinder). Nur 92 Kinder (0,5 Prozent) leben beim alleinerziehenden Vater.Die Armutsgefährdungsschwelle lag im Jahr 2014 in Salzburg bei 13.336 Euro, das entspricht einem monatlichen Einkommen von 1.111 Euro (zwölfmal). Das bedeutet: Liegt ein äquivalisiertes Haushaltseinkommen einer Person unter diesem Wert, dann gilt sie als armutsgefährdet. Von Armutsgefährdung sind insbesondere betroffen: alleinlebende Frauen, Mehrpersonenhaushalte mit mindestens drei Kindern und nicht-österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Landesweit waren 2014 7,2 Prozent der Salzburgerinnen und Salzburger von materieller und 2,8 Prozent sogar von erheblicher materieller Deprivation betroffen. Dies sind zirka 38.000 beziehungsweise 15.000 Menschen. Für alleinlebende Frauen lagen die Anteile über diesen Durchschnittswerten (10,1 beziehungsweise 2,9 Prozent). Bei den alleinlebenden Männern waren die Anteile mit 7,6 beziehungsweise 2,3 Prozent geringer. Die Quote der materiellen Deprivation beziehungsweise Entbehrung misst, inwieweit sich Personen die als üblich geltenden Güter und Aktivitäten überwiegend nicht leisten oder ausführen können.

Insgesamt hat der Anteil der erwerbstätigen sowie auch der arbeitslosen Frauen zwischen 2001 und 2013 in Salzburg leicht zugenommen: 2013 waren etwa zwei Drittel der Frauen erwerbstätig, 4,5 Prozent waren arbeitslos. Während fünf Jahre zuvor noch deutlich mehr der aktiv erwerbstätigen Frauen Vollzeit als Teilzeit beschäftigt waren (47,0 Prozent beziehungsweise 35,2 Prozent), unterscheiden sich diese beiden Werte nun nahezu kaum mehr.

Multiple Herausforderungen bei alleinerziehenden Frauen

Dass vor allem alleinerziehende Mütter überdurchschnittlich von Armut betroffen sind, zeigen auch die Zahlen des Kinderbetreuungsfonds. Rund 37 Prozent (580 von insgesamt 1.550 Personen) der Antragstellenden sind Alleinerzieherinnen. Ab 1. Jänner 2016 wurden die Einkommensgrenzen des Kinderbetreuungsfonds sowie bei der Förderung von Schulveranstaltungen erhöht, die Förderungen können somit von einem größeren Personenkreis abgerufen werden. Eine weitere Unterstützung, vor allem für alleinerziehende Frauen, ist die Hilfe bei Notlagen während der Schwangerschaft, die beim Familienreferat beantragt werden kann. Insgesamt wurden im Jahr 2015 190.000 Euro an finanziellen Hilfen für Schwangere in Not und für Zuschüsse nach der Geburt ausbezahlt."Das Land Salzburg greift alleinerziehenden Müttern in Notsituationen unterstützend unter die Arme. Die finanziellen Förderungen bilden ein wichtiges soziales Schutznetz. Es steht aber außer Zweifel, dass wir das Netz an Hilfeleistungen ausbauen müssen, um die Situation von alleinerziehenden Müttern – aber auch Vätern – im Land Salzburg zu verbessern", unterstrich Landesrätin Berthold.

Sicherheit: Frauen öfters Opfer als Täter

Während unter den Opfern der Anteil der Frauen mehr als ein Drittel beträgt, sind es unter den Tatverdächtigen nur rund 20 Prozent und unter den Verurteilten nur 15 Prozent. Im Jahr 2014 hat die Anzahl der vom Gewaltschutzzentrum betreuten Frauen wieder deutlich zugenommen: Mehr als 1.000 Frauen wurden unterstützt, 444 Wegweisungen beziehungsweise Betretungsverbote wurden ausgesprochen.

Ziel ist, Gewalt frühzeitig erkennen und stoppen

Das neue Gewaltpräventionstool "DyRias" wird aktuell in den Salzburger Opferschutzeinrichtungen neu implementiert. Dieses neue psychologische Analysetool bringt eine verbesserte Risikoeinschätzung und Früherkennung von Gewaltgefährdung. Insbesondere Hochrisiko-Situationen von besonders oder mehrfach von Gewalt bedrohten Personen und Familien können damit professionell eingeschätzt werden. Ziel dabei bleibt immer, Gewalt zu verhindern und Eskalationsprozesse frühzeitig zu stoppen. Den betroffenen Frauen kann damit individuelle Unterstützung angeboten werden.

Enormer Nachholbedarf bei politischer Repräsentation

Bei der politischen Teilhabe von Frauen, konkret in Entscheidungs- und Machtfunktionen, besteht in Salzburg nach wie vor massiver Aufholbedarf. Sowohl auf Gemeinde- als auch auf Landesebene liegt der Frauenanteil deutlich unter der 50-Prozent-Marke, und es ist auch keine positive Veränderung seit den vergangenen Wahlen feststellbar. Am eklatantesten ist der Gender-Gap bei den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern: Nur vier von 119 Gemeinden werden von einer Frau regiert.

Die "Frauenzahlen 2016" stehen im Webshop des Landes zur Verfügung.

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