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Fußballfan in Salzburg vor Gericht: Schal als "Geste des Triumphs" angezündet

Der Tiroler musste sich am Donnerstag in Salzburg vor Gericht verantworten. Neumayr/B.P.
Der Tiroler musste sich am Donnerstag in Salzburg vor Gericht verantworten.

Ein 29-jähriger Gerüstbauer aus Tirol mit rechtsradikaler Vergangenheit hat sich am Donnerstag inem Salzburger Geschworenengericht am Landesgericht Salzburg wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz verantworten müssen. Der Tiroler wurde am späten Donnerstagnachmittag einstimmig (8:0 Stimmen) freigesprochen.

Für die Körperverletzung in zwei Fällen, eine Sachbeschädigung und eine Nötigung gab es einen Schuldspruch. Der 26-jährige Tiroler erhielt in Summe 13 Monate unbedingt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

10 Monate Haft kommen dabei aus den am Donnerstag verhandelten Vergehen, dazu stoßen drei Monate aus dem Widerruf einer bedingten Strafe aus einer früheren Verhandlung. Zudem muss der Tiroler dem 13-jährigen Red Bull-Fan ein Teilschmerzensgeld in der Höhe von 1.000 Euro zahlen. Um das Geld will sich das Opfer übrigens auch einen neuen Fan-Schal kaufen.

Schal als "Geste des Triumphs" angezündet

Passiert ist der Vorfall am 19. Oktober 2013. Nach dem Fußballmatch - die Salzburger gewannen die Partie mit 6:0 - soll der Wacker-Fan an der S-Bahn-Station Taxham zunächst einen 13-jährigen Burschen geohrfeigt, ihn zu Boden gerissen und ihm den Red-Bull-Fanschal entrissen haben. Dann versetzte er dem Jugendlichen noch einen Faustschlag. Den Schal zündete der Angeklagte an und wirbelte ihn brennend durch die Luft. "Als Geste seines Triumphs", wie Staatsanwalt Marcus Neher bemerkte. Der Schüler erlitt eine Jochbein-Prellung und verletzte sich am Steißbein.

Den Vorfall gab der Angeklagte am Donnerstag vor Gericht auch zu, genauso wie eine zweite Körperverletzung wenige Wochen früher, als er in einem Innsbrucker Lokal einen Unbekannten mit einem Faustschlag verletzte. "Es tut mir leid, was mit dem Buben war. Ich war besoffen, und er hat nicht so jung ausgeschaut. Ich hab mich auch bei ihm entschuldigt", sagte er heute zur Richterin.

Kein Hitlergruß: Hand zum Fangesang erhoben

Und bestritt dann vehement, was eine Überwachungskamera der Bahnstation kurz nach dem Vorfall noch aufgezeichnet hat. Denn auf den Aufnahmen ist der Angeklagte recht deutlich dabei zu sehen, wie er seine rechte Hand zweimal kurz erhebt. Zum Hitlergruß, das ist für die Staatsanwaltschaft unzweifelhaft klar.

Stimmt nicht, meinte der Tiroler. Er habe die rechte Hand nur zum Fan-Gesang erhoben. "Ich wollte die etwas ruhigeren Fans aufstacheln." Normal hätte er dazu auch beide Hände benutzt, die rechte sei nur zu sehen, weil er in der linken eine Zigarette gehalten habe. Außerdem: "Die Wacker-Fans sind alle links, da hätte ich Probleme bekommen. Bei den Innsbruck-Fans gibt es keine Rechtsradikalen." Sein Verteidiger hat zudem eine Reihe von Fotos zum Prozess mitgebracht, die Fußballanhänger bei Schlachtgesängen zeigen. "Da hat jeder die rechte, die linke oder beide Hände irgendwie in der Höhe."

Fußballfan mit verräterische Tattoos

Allerdings tut sich der Angeklagte mit seiner Glaubwürdigkeit ein wenig schwer. Er ist mit etlichen germanischen Runen, Symbolen der "White Power"-Bewegung und der bekannten "88" tätowiert. Außerdem wurde er im August 2009 schon einmal wegen Wiederbetätigung zu 18 Monaten Haft verurteilt, nachdem er 2008 bei mehreren Anlässen die Hand zum Hitlergruß erhoben und NS-Parolen in eine Zelle des Polizeianhaltezentrums geschmiert hatte. Nach neun Monaten im Gefängnis ging er damals frei, bei seiner erneuten Festnahme am 19. Dezember 2013 wurden im Zuge einer Hausdurchsuchung aber T-Shirts mit einschlägigen NS-Symbolen und ein USB-Stick mit 800 Liedern rechtsextremer Bands gefunden.

Er habe nach der Haft einen zweitägigen Verbotsgesetzkurs an der Universität Innsbruck gemacht, relativiert der Angeklagte, seit damals habe er auch keine Kontakte mehr zur rechtsextremen Szene. Die gefundenen Gegenstände seien in Siedlungskartons im Keller zwischengelagert gewesen. "Das meiste davon hat meine Ex-Freundin schon zuvor auf den Müll geworfen." Außerdem will er sich seine Tätowierungen überschreiben lassen und eine Anti-Aggressionstherapie beginnen - und versuchen, seinen Alkoholkonsum in den Griff zu bekommen. "Und ich gehe nicht mehr zum Fußball", sagte er zur Richterin. Das hat er übrigens mit seinem 13-jährigen Opfer gemeinsam. Der war seit dem Vorfall auch nicht mehr im Stadion.  (APA)

(Quelle: S24)

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