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Gerwin Andreas im Sonntags-Talk: Surfer in den Alpen

Gerwin Andreas gibt einem Board den Feinschliff. Rechts die Salzburger Teamrider Kathrin Gappmayr und Lukas Haigermooser. Roland Haschka/Markus Rohrbacher/SALZBURG24
Gerwin Andreas gibt einem Board den Feinschliff. Rechts die Salzburger Teamrider Kathrin Gappmayr und Lukas Haigermooser.

Gerwin Andreas ist der Sucht des Surfens verfallen. Nach mehreren Praktika und Snowboardlehrer-Jobs hat der 29-jährige Salzburger beschlossen, sein Hobby zum Beruf zu machen. Seither baut er als einziger in Österreich klassische Surfbretter für Fluss und Meer und bedient die blühende Salzburger Szene. Beim Sonntags-Talk in seiner „Shapestatt“ haben wir uns über Surfen inmitten der Alpen unterhalten und erklären lassen, wie man als Surfbretthersteller in einem Wintersportland überleben kann.

Im Haus der Großeltern, in einem abgelegenen Winkel des Salzburger Stadtteils Parsch, tüftelt, fräst und schleift Gerwin Andreas an seinen Surfboards. Ein Alleinstellungsmerkmal, denn niemand sonst in Österreich baut Bretter sowohl für Meer als auch Fluss. 2014 hat er die Bretterschmiede Delight Alliance von Dominik Hipp übernommen, der als Konditor den elterlichen Betrieb übernahm. 50 Bretter gehen mittlerweile jährlich an Kunden in ganz Europa und Salzburger Surfer feiern internationale Erfolge auf den heimischen Boards. Dabei geht es ihm vor allem um die Lust am Surfen, nicht um große Gewinne.

SALZBURG24: Warum soll man Riversurfen ausprobieren?

GERWIN ANDREAS: Es ist eigentlich ziemlich gefährlich, weil es sein kann, dass man nicht mehr weg kommt vom Surfen. Try it on risk (lacht). Surfen ist nicht nur der Sport selbst, sondern auch der Lifestyle rundherum. Wem das taugt, der soll es machen.

Wie sieht der Surfer-Lifestyle aus?

Es hat nicht nur mit dem Aussehen zu tun, sondern mehr mit der Einstellung. Gerade am Meer denkt man sich oft: 'Der sieht nicht aus wie ein Surfer, der ist sicher nicht so gut. Dann paddelt er zwei Schläge und hat die Welle und du schaust nur blöd. Das ist eigentlich das Coolste. Es heißt nicht, weil du ein gewisses Alter überschritten hast, oder einen bestimmten Beruf hast, dass du kein Surfer sein kannst. Das geht quer durch alle Schichten: Jeder surft, jeden taugt's und jeder macht sein Ding.

Kannst du uns was zur Salzburger Riversurf-Szene sagen?

Die Szene wird größer in Salzburg. Man hat so den alten Kern, der bleibt immer relativ gleich. Und dann kommen immer wieder neue Leute dazu. In der Salzburger Szene ist jeder recht willkommen. Das ist recht familiär, obwohl es doch schon eine gewisse Größe angenommen hat.

Es gibt verschiedenste Wellen in Salzburg, bekannte und weniger bekannte. Ich finde es cool, dass die Stadt mit der Almwelle da hingebaut hat. Die Alm ist halt lieb: Super zum Anfangen, super zum urban Surfen, du wirst nass und triffst deine Leute. Surf-technisch geht aber noch viel mehr, und das ist es, wo wir hin müssen. Deswegen, wär es cool, wenn wir noch was anderes schaffen. Es gibt genug Initiativen und Möglichkeiten rund um Salzburg, wo sich was tut. Auf der Saalach in Bad Reichenhall gäbe es eine coole Location, die eine massive Welle machen würde. Für Reichenhall wäre es sicher ein Riesenpush.

Du hast dein Hobby zum Beruf gemacht. Kannst du dich noch mit Leidenschaft in die Welle hauen?

Ja sicher, sonst werd ich grantig, wenn ich nicht surfen gehen kann (lacht). Nein Spaß. Es ist cool, weil so lange du wach bist, dreht sich alles nur um dein Hobby, und es ist gleichzeitig oft schwierig, weil sich Arbeit und Hobby vermischen und du nicht mehr abschalten kannst.

Wie bist du zum Shapen gekommen und wie ist Delight Alliance entstanden?

Mich hat einfach irgendwann das Surffieber gepackt. Das ist wie eine Sucht, man kann nicht mehr aufhören mit dem ganzen Surfen. Im Winter gehe ich gerne Snowboarden, das war der Ausgleich für den Sommer. Ich hab dann Sportgerätetechnik in Wien studiert. Nach mehreren Praktika und Snowboardlehrer-Jobs habe ich dann was Festes gesucht und bin dann zu Dominik (Hipp, Anm.) gekommen. Er wollte die Firma anfangs gar nicht übergeben aber ich hab ihm dann gesagt: Wenn er will, mache ich ihm das weiter. So bin ich in die Selbstständigkeit gerutscht und mache jetzt seit 2,5 Jahren Delight Alliance.

Kommt man als Surfbrett-Bauer gut über die Runden?

So richtig leben lässt es sich nicht davon. Wir sind eine sehr kleine Firma, bauen 50 Bretter im Jahr, dadurch ist der Fixkostenanteil sehr hoch. Die Surfszene und auch die Riversurfszene wächst, das ist einfach unsere Chance. Im Winter bin ich Snowboardlehrer, so kann ich mich über den Winter retten.

Ein Surfboard schaut aus wie ein recht einfaches Stück Plastik. Wie viel Know How steckt da drin?

Sehr viel eigentlich. Man hat verschiedenste Komponenten, sei es Rocker-Line, Out-Line, Unterwasserschiff, Rail-Design, Finnenposition, Deckkontur, Materialien sind auch ein Riesenpunkt. Das sind viele kleine Rädchen, an denen man herumdrehen kann, da steckt extrem viel Know How drinnen. Aber es macht Spaß, sich da immer weiterzuentwickeln und immer bessere Boards zu bauen. Dazu hat man den Design-Aspekt, ein Surfboard muss auch gut aussehen.

Wer sind die guten Surfer in Salzburg?

Unsere Team Rider (lacht). Luki Haigermooser ist letztes Jahr bei der EM Siebter geworden, hat den Riverride in Bratislava gewonnen, dazu den Crown of the Traun letztes Jahr und heuer, ich hoffe auch, dass er sich bei der österreichischen Meisterschaft heuer gut schlägt. Sicher einer der besten, wenn nicht der beste österreichische Surfer am Fluss. Mit ihm arbeiten wir ziemlich viel zusammen beim Entwickeln der Shapes.

Lukas Haigermooser am Brett:

Dann haben wir die Kathl Gappmayr. Sie hat schon zwei Mal die Europameisterschaft bei den Frauen gewonnen, die letzten beiden Male ist die Dritte geworden. Ein Riversurf-Urgestein, die surft schon viel länger als ich und ist immer noch top in Europa. Dazu kommen ein paar Junge nach – ich bin gespannt, was sich in den nächsten Jahren tut.

Was sind in Salzburg deine Lieblingsorte zum entspannen?

Surfen gehen ist immer Entspannung. Ich finde die Alm sowieso extrem schön, auch die Salzach ist immer gut. Das sind so die Spots, wo ich am meisten bin. Auch die Berge sind Entspannung pur. Auf den Berg gehen, klettern gehen, zum See fahren und reinspringen - man hat bei uns sowieso die besten Möglichkeiten, das ist extrem schön.

Ich hätte jetzt noch ein paar Entweder-Oder-Fragen für dich.

Ganz schnell ohne nachzudenken antworten? Ich probier's mal (lacht).

Bier oder Wein? Bier

Fleisch oder Gemüse? Fleisch

Radl oder Auto? Auto (lacht). Leider.

Frühaufsteher oder Langschläfer? Frühaufsteher.

Billabong oder Quiksilver? Boah. Delight Alliance.

Spontan oder Durchgeplant? Spontan. Naja, weiß nicht (lacht). Ein bisschen was von beidem.

Halb voll oder halb leer? Halb voll.

Faulenzer Urlaub oder Actiontrip? Actiontrip.

Fluss oder Meer? Puh, das ist schwierig. Es ist beides cool, aber ja, Meer.

 

Ab sofort veröffentlichen wir jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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(Quelle: S24)

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