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Gewalt in der Familie Einhalt gebieten

Bereits 25 Prozent aller Frauen wurden Opfer von Gewalt in Beziehungen. Landeshauptfrau Burgstaller und die SALK fordern Prävention unter dem Motto "Erkennen - Benennen - Handeln".

"Gewalt ist ein nicht zu unterschätzendes Problem und ein großer Teil davon geschieht in der Familie. 25 Prozent der Frauen haben bereits in Beziehungen Gewalt erfahren, eine Quote, die um 100 Prozent zu hoch ist." Dies betonte  Landeshauptfrau Gabi Burgstaller am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion im "Das Kino", bei der ein Fortbildungsprojekt der Salzburger Landeskliniken mit dem Titel "Erkennen – Benennen – Handeln" öffentlich präsentiert und zuvor der spanische Film "Öffne meine Augen" von Regisseurin Iciar Bollain gezeigt wurde.

Vermeidung von Gewalt oberstes Ziel

Zur Erkennung und damit letztendlich auch zur Vermeidung von häuslicher Gewalt, die sich vor allem gegen Frauen richtet, komme den Gesundheitseinrichtungen, und hier insbesondere den Krankenhäusern und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, eine Schlüsselrolle zu. Sie seien am häufigsten die erste Anlaufstelle für Betroffene, und 90 Prozent der Patientinnen wünschen sich, aktiv auf die erfahrene Gewalt angesprochen zu werden. Dafür ausgebildete Ärztinnen und Ärzte sowie entsprechend geschultes Pflegepersonal können in solchen Situationen die erste wichtige Hilfestellung anbieten. "Die Initiative des Gewaltschutzzentrums Salzburg und der Salzburger Landeskliniken, ein Fortbildungscurriculum ins Leben zurufen, war ein wichtiger Schritt in Richtung Erkennen und Vermeiden von Gewalt in der Familie", sagte Mag. Burgstaller. Das Fortbildungscurriculum wird solange zweimal pro Jahr durchgeführt, bis rund 80 Prozent des SALK-Personals erreicht wurden. Es ist in fünf Module (Hintergründe familiärer Gewalt, Gesundheitliche Folgen von familiärer Gewalt, Gesprächsführung und Selbstreflexion, Spurensicherung und gerichtsverwertbare Dokumentation, Reflexion) gegliedert und spricht die gesamte Ärzteschaft und den Pflegebereich, aber auch andere Berufsgruppen an. Zielsetzung ist die Sensibilisierung des Gesundheitspersonals für die Thematik "Gewalt im sozialen Nahraum" und deren Wahrnehmung, die Vermittlung von spezifischem Wissen und die Erstellung eines Anleitungskonzeptes, das Interventionsmöglichkeiten eröffnen und erleichtern soll. Durch Früherkennung sollen schließlich weitere Gewaltübergriffe verhindert werden.

"Öffne meine Augen" beschreibt subtile Gewaltformen

Der spanische Spielfilm "Öffne meine Augen" erzählt die Beziehungsgeschichte zwischen Pilar und ihrem Ehemann Antonio. Beginnend mit der Flucht von Pilar und ihrem Sohn Juan aus der gemeinsamen Wohnung zeigt der Film die Schwierigkeiten einer Trennung auf. Durch die subtile Darstellung von Formen der Gewalt durch Antonio an seiner Ehefrau werden die Dynamik und Hintergründe häuslicher Gewalt angesprochen und ein Bewusstsein für das Erleben der Betroffenen geschaffen. Während Pilar versucht, ihre eigene Identität wiederzuerlangen und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, nimmt Antonio an einer Gruppentherapie zur Aggressionsbewältigung teil und versucht Pilar zurückzugewinnen. Vor dem Hintergrund einer europäischen Mittelstandsfamilie zeigt der Film Schritte in ein Leben ohne Gewalt auf und begleitet Pilar auf ihrem Weg in ein sicheres und selbstbestimmtes Leben. Dabei wird auch deutlich, wie wichtig ihre Erfahrungen mit Einrichtungen wie Krankenhaus oder Polizei sind. "Öffne meine Augen" sei ein Film, der die Wichtigkeit von Anlaufstellen mit kompetenten Experten für Opfer von familiärer Gewalt aufzeige. "Und genau hier setzt die Fortbildungsinitiative der SALK an, indem sie dem ärztlichen und Pflegepersonal fundiertes Wissen für den Umgang mit Gewaltopfern vermittle", sagte Landeshauptfrau Burgstaller.
(Quelle: S24)

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